Welt-Tuberkulose-Tag 2016: Zahl der Tuberkulose-Opfer steigt wieder

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DAHW: Weltweit 9,6 Mio. Kranke, in Deutschland fast 6.000 Nach Jahren der leichten Entspannung ist die Zahl der an Tuberkulose erkrankten Menschen wieder angestiegen: Weltweit ist die geschätzte Zahl der Neuerkrankungen um 600.000 (+6,7%) auf 9,6 Millionen gestiegen. In Deutschland wurde 2015 bei 5.865 Menschen die Diagnose TB gestellt, eine Steigerung von mehr als 1.300 (+30%).


(Würzburg, 24. März 2016). Die Zahl der Todesopfer ist um 30.000 (+2,1%) auf 1,49 Mio. angestiegen, davon waren 390.000 gleichzeitig mit HIV infiziert, ebenfalls 30.000 mehr als im Vorjahr (+8,3%). Die Zahl der TB-Todesopfer ohne HIV-Infektion ist gleich geblieben.

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe sieht dies mit großer Sorge: Zwar ist die geringere Rate von Todesopfern unter den an TB erkrankten Menschen durchaus ein Erfolg der Tuberkulosearbeit, dürfe jedoch nicht zu Euphorie führen, sagt DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm: „Insgesamt müssen wir leider mehr TB-Kranke verzeichnen. Dabei gilt unsere größte Sorge Menschen, die an resistenten Formen von TB erkrankt sind. Damit sind die meisten Gesundheitssysteme in armen Ländern überfordert.“

Besonders dramatisch ist die Situation in den Slums indischer Großstädte: Viele Menschen auf engem Raum, schlechte hygienische Bedingungen sowie Unter- und Mangelernährung begünstigen die Erkrankung. Die Ansteckung wird gefördert durch die hohen, engen Bauten fast ohne Sonnenlicht: UV-Strahlung tötet die Bakterien ab, in dunklen Räumen hingegen verbreiten sie sich ungehindert über die Luft.

Indien ist mit fast 1,7 Mio. registrierten Patienten und geschätzt 2,2 Mio. Erkrankten (davon ca. 250.000 Todesopfern) das Land mit den meisten TB-Opfern weltweit. Die größte Gefahr geht von Therapieabbrüchen aus: 12% aller Patienten beenden die Therapie nicht wie vorgesehen. Als Folge davon entwickeln Bakterien Resistenzen gegen die Medikamente. In Indien sind mehr 70.000 Menschen an multiresistenter TB (MDR-TB) erkrankt, weltweit fast 500.000, davon sind 190.000 gestorben.

Die DAHW geht jetzt in der indischen Millionenstadt Jaipur ganz neue Wege: Mit vernetzten Fingerabdruck-Scannern, angeschlossen über eine App für Smartphones und Tablets und gebündelt in einem zentralen Server, können die Patienten überall in der Stadt die speziell auf ihre Erkrankung abgestimmten Medikamente bekommen und kontrolliert einnehmen. Niemand muss mehr die schwierige Entscheidung zwischen Arbeit und Medikamentenausgabe treffen – eine Entscheidung, die bei Monatslöhnen von umgerechnet 30 Euro in den Slums der wichtigste Grund für den Abbruch einer Therapie ist. Ergänzende medizinische Befunde werden ebenfalls über die App von den Gesundheitskräften eingegeben und zentral gespeichert.


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TB in Deutschland: Flüchtlinge sind Opfer

In der medizinischen Fachwelt zeichnet sich eine Erkenntnis ab: Viele Flüchtlinge stammen zwar aus Ländern, in denen TB weit verbreitet ist und könnten sich schon dort infiziert haben. Gentests der Erreger zeigen jedoch, dass sie sich auf der langen und kräftezehrenden Flucht sowie in der Enge der Flüchtlingslager infizieren.

„Die an TB erkrankten Flüchtlinge sind also nicht nur Opfer der Krankheit, sondern auch der unerträglichen Umstände auf ihrer Flucht, die wir täglich in den Medien sehen und die unsere Staatengemeinschaft zulässt – also wir alle“, fasst DAHW-Geschäftsführer Kömm diese Fakten zusammen.


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