Sputum-Untersuchungen helfen bei der Diagnose von TB.
Sputum-Untersuchungen helfen bei der Diagnose von TB.
Foto: Rolf Bauerdick / DAHW

Die folgende Tabelle stellt eine Übersicht der wesentlichen Diagnosemethoden der Tuberkulose dar:

DiagnostikumKostenKommentar
KlinikniedrigFalldefinition als Basis der Diagnostik
BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)niedrigNur als Hinweis, dass ein Entzündungsprozess vorliegt; keine Diagnosemethode für TB
Liquortestniedrigwichtig v.a. bei TB-Meningitis, aber keine spezifische TB - Diagnosemethode
PPD-Test (purified proteine derivate)niedrigNur zur Differenzierung, ob eine Exposition vorgelegen hat. Nicht zur Diagnose einer aktiven TB geeignet.
IGRAs (interferon –gamma-release assayshochNur zur Differenzierung, ob eine Exposition vorgelegen hat, nicht zur Diagnose einer aktiven TB geeignet. Sensitiver als PPD- Test.
Röntgen Thoraxhochteuer und viele Fehlbefunde
Sputum-MikroskopieniedrigSchlüsselrolle in der Diagnostik um ansteckende Formen zu identifizieren
Sputum-Kultur konventionell (Löwenstein-Jensen)hochwichtig für Resistenz-Bestimmungen und bei der Diagnose von HIV positiven Erkrankten; Dauer: 2-3 Monate bis Ergebnis
Sputum-Kultur automatisiert (MGIT)hochSpezialisierte Methodik für Diagnose und Resistenzbestimmung in Referenzzentren; Dauer 10-14 Tage bis Ergebnis
Histologiehochpraktisch irrelevant
Molekulare Diagnosemethoden inklusive GenXpertmittel-bis hochHochspezialisierte Methodik, zur Zeit nur in spezialisierten Referenzzentren anwendbar; Dauer 2-24 Stunden bis Ergebnis

Tabelle 1: Tuberkulose und ihre Diagnostika

Unspezifische Tests:

Bei der „klassischen“ Lungentuberkulose sind es die klinischen Symptome, die die Basis der Diagnostik darstellen, wenngleich sie in ihrer Spezifität begrenzt sind. Die BSG, die Feststellung der Blutsenkungsgeschwindigkeit, steht als Diagnostikum auch in den Tropen fast überall zur Verfügung. Häufig führt die Tuberkulose zu einer „Sturzsenkung“ des Blutes. Allerdings gibt es mehrere Krankheiten die zu einer Beschleunigung der Blutsenkung führen können.

Die unverzügliche Liquortestung (die Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit) ist die entscheidende diagnostische Maßnahme bei Meningitisverdacht.

Spezifische Diagnosemethoden:

Der Tuberkulin- oder PPD-Test (purified proteine derivate) fällt bei Geimpften, Erkrankten, ehemaligen ausgeheilten Tuberkulose-Patienten und latent Infizierten positiv aus, ist zudem bei HIV positiven Patienten und bei hochakuter Infektion oft negativ.

Auch die neueren IGRAS (interferon-gamma-release assays, ein Verfahren, bei dem T-Lymphozyten im Reagenzglas mit Antigenen des Tuberkulose-Erregers stimuliert werden) weisen nur eine Exposition aus, können also nicht als Diagnosemethode für aktive Tuberkulose verwendet werden und sind zudem noch sehr teuer. Sie sind spezifischer im Nachweis einer TB-Infektion / Krankheit als der PPD (purified proteine derivate), aber besonders in Hochinzidenz-Ländern nicht sensitiv genug. Vorteil ist aber, dass der IGRA Test nach der BCG Impfung negativ bleibt (BCG steht für Bacillus Calmette-Guerin, einen abgeschwächten Stamm des humanpathogenen Tuberkuloseerregers Mycobakterium bovis

Die pulmonale Tuberkulose (Lungen-TB) führt zwar regelhaft zu Veränderungen in der Thorax-Übersichtsaufnahme, die Veränderungen sind jedoch wenig spezifisch. In ausgedehnten Untersuchungen differierten die Befunde selbst unter erfahrenen Röntgenologen in erheblichem Ausmaß. Zudem kann eine solche Röntgenaufnahme in Ländern niedrigen Einkommens ohne weiteres Kosten in Höhe eines Wochengehaltes ausmachen.

Als Schlüsseluntersuchung in der Tuberkulosekontrolle gilt immer noch die mikroskopische Untersuchung des Sputums, die ca. 50% aller Tuberkuloseerkrankten identifizieren kann. Patienten mit niedriger Keimzahl im Sputum, dem Auswurf der Erkrankten, werden häufiger übersehen, was im Rahmen einer Tuberkulose-HIV Ko-Infektion besondere Schwierigkeiten der Diagnose bereitet. Abgesehen von den einmaligen Investitionskosten für Lichtmikroskope ist die Untersuchung ausgesprochen kostengünstig.

Die konventionelle Untersuchung von Sputumkulturen ist sicher die zuverlässigste Methode, die zudem eine Resistenzprüfung der Erreger zulässt. In Ländern mit hohen Resistenzraten muss diese Methode trotz ihrer Nachteile (hohe Kosten und beachtliche Verzögerung bis zum Vorliegen eines endgültigen Ergebnisses) in der klinischen Routine verwendet werden, da flächendeckend bisher keine andere Diagnosemethode eingeführt werden konnte.

Aufgrund ihrer komplizierten Handhabung und ihres hohen Preises wurde die molekulare Diagnostik in vielen Ländern erst sehr langsam eingeführt. Neuere einfache automatisierte Verfahren, wie der GenXpert, haben die Einführung auch von technisch hochentwickelten molekularen Nachweismethoden vom Erreger und potentiellen Antibiotikaresistenzen auch in strukturschwachen Ländern extrem begünstigt. Dies könnte innerhalb der nächsten Jahren die Diagnose der TB-Patienten extrem erleichtern und damit wesentlich zur Bekämpfung der TB weltweit beitragen.

Histologische Untersuchungen werden selten durchgeführt, zumal eine ganze Reihe von Ländern und Regionen über keine ausgebildeten Pathologen verfügen.