14. August 2014

Die Opfer von Ebola sind vielfältig

DAHW-Mitarbeiter waren in Sierra Leone im Einsatz.

Landesgrenzen

sind gesperrt, Flüge werden gestrichen, bis heute gibt es knapp 1.300

Todesfälle, Tendenz steigend. Die Krankheit Ebola wütet schon seit Monaten in

Westafrika. In der Hauptsache sind die Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone

betroffen. Die bisher schwerste Ebola-Epidemie der Geschichte war im

März in Guinea ausgebrochen und hatte sich schnell in die Nachbarländer

ausgebreitet. 

Auch beim

medizinischen Personal vor Ort ist die

Angst groß. Erste Ärztinnen, Ärzte, Schwestern und Pfleger haben sich bereits

bei ihren Patienten angesteckt. Eva-Maria Schwienhorst, Ärztin und

Mitarbeiterin des Würzburger Hilfswerkes DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V., war gemeinsam mit

Professor August Stich, Leiter der Tropenmedizin im Missionsärztlichen Institut

Würzburg (Missio) und DAHW-Vorstandsmitglied, vor Ort. Eine Woche haben sie die Lage im Serabu

Community Hospital in Sierra Leone untersucht und Trainings für die Mitarbeiter

durchgeführt. Es ist eines der Krankenhäuser, in dem deutsche Mediziner der

German Doctors arbeiten. Mit ihnen hat das Würzburger Missio einen

Kooperationsvertrag.

Gesundheitsversorgung in Gefahr

„Die Opfer

von Ebola sind vielfältig“, beschreibt die Würzburgerin die momentane Lage. Die

meisten Opfer der Epidemie werden schwangere Frauen und Kinder sein, die aber

nicht an Ebola sterben, sondern am Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung. Und

das in einem Land mit einer der weltweit höchsten Mütter- und

Kindersterblichkeitsrate.

Zum einen

schließen viele Gesundheitseinrichtungen, weil ausländische Mediziner abgezogen

werden und einheimisches Personal wegen Mangel an Schutzmaßnahmen Angst vor

Infektion bei der Arbeit mit Patienten hat. Zum anderen fürchten sich die

Menschen vor einer Ansteckung in den Krankenhäusern und suchen diese bei

Geburtskomplikationen oder mit kranken Kindern nicht mehr auf. So schätzt man,

dass die Zahl der zusätzlichen Todesfälle ein Vielfaches der direkt an Ebola

Sterbenden beträgt, vor allem in der Regenzeit, wo viele Kinder Malaria nicht

überleben.

Besonders

tragisch ist der kürzliche Tod von Sheik Umar

Khan. Der Virologe und Ebola-Experte aus Sierra Leone hatte sich in seinem

Heimatland mit dem Virus infiziert und ist nun selbst an der Krankheit

gestorben. Der US-Arzt Kent Brantly, der für eine christliche Hilfsorganisation

arbeitet, lag schwer erkrankt auf der Intensivstation eines Krankenhauses in

der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Er wurde mittlerweile in die USA

ausgeflogen. Seine Überlebenschancen sind nach wie vor gering.

Die Ansteckungsgefahr sei bei

sterbenden und gerade verstorbenen Ebola-Patienten am größten. Viele Patienten

haben sich bei Beerdigungen angesteckt. Die Waschung der Verstorbenen

übernehmen in der Regel Familienangehörige, die teilweise von weit entfernt

anreisen. Hinzu kommen die kulturellen Barrieren und das Schamgefühl. Denn wenn

eine Person erkranke, würde sie aus Angst vor dem Tod und einer nicht im Familienkreis

stattfindenden Beerdigung oft nicht öffentlich auf ihre Lage hinweisen und auch

nicht ein Krankenhaus aufsuchen wollen.

Traditionelle Dorfführer und Heiler einbinden

In einem Dorf seien Mediziner in

Schutzanzügen mit Steinen beworfen worden, da die Bewohner Angst hatten, sich

bei ihnen mit dem Virus anzustecken. Um

die Epidemie einzudämmen ist dringend die Aufklärung der Bevölkerung

erforderlich. Doch 70 Prozent der Einwohner sind Analphabeten, das heißt, sie

sind auf mündliche Informationen angewiesen. „Viele der Erwachsenen und

Entscheidungsträger heute gehören zu einer Generation, die aufgrund des langen

Bürgerkrieges keine Schulbildung erhielten, zudem gab es noch nie ein gut

funktionierendes Gesundheitssystem in Sierra Leone“, erklärt Schwienhorst.

„Dass die lokale Bevölkerung kein Vertrauen in vermummte Gestalten hat, die

ihre kranken Familienmitglieder aus den Hütten holen und oft genug nur in

Leichensäcken zurückbringen und ihnen auch traditionelle Bestattungsriten

verbieten, liegt auf der Hand. Deshalb ist es unabdingbar, traditionelle

Dorfführer und Heiler in die Maßnahmen mit einzubinden.“

Die

33-jährige Würzburgerin steht auch heute noch im Kontakt mit dem Krankenhaus in

Serabu. Die Organisation German

Doctors hält dort die medizinische Versorgung für die Bevölkerung

aufrecht, während viele andere Krankenhäuser in Sierra Leone geschlossen sind. Zum

Glück gibt es dort noch keine Ebola-Fälle. „Doch das kann sich jederzeit

ändern“, betont die Mutter einer fünfjährigen Tochter.

DAHW-Repräsentant

Dr. Pieter de Koning arbeitet im liberianischen Ganta. Er profitiert von den

Maßnahmen, die Mediziner von DAHW und Missio erarbeiten. „Überlebensnotwendig

sind sowohl ein Notfallplan zum Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen und Regeln zum

Schutz des Personals, wie allgemeine Hygiene- sowie Barriere-Maßnahmen und die

richtige Schutzkleidung. Bis jetzt gibt es zum Glück noch keinen bestätigten

Verdacht in unserem Krankenhaus in Ganta, in einem anderen Krankenhaus der

Stadt jedoch schon.“

Dass die

momentane Situation jederzeit außer Kontrolle geraten kann ist klar. Solange

sich die Epidemie weiter ausbreitet, müssen Schutzvorkehrungen strikt

eingehalten werden. Doch das ist nicht leicht in einer Region, deren Infrastruktur durch jahrelange

Bürgerkriege sowie Korruption, die auch noch durch den Abbau und Export der

Rohstoffe für die Industrienationen geschürt wird, brach liegt.

Pressebilder Ebola in Sierra Leone
Einsatz der Würzburger Ärztin Dr. Eva-Maria Schwienhorst

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