Jahresbericht

Zu Ehren der 60 Jahre, in denen die DAHW in Athiopien wirkte, wurde DAHW Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg im Rahmen der Feierlichkeiten im Oktober 2017 in Äthiopien vom Präsidenten Äthiopiens zu einer Begegnung eingeladen.
Zu Ehren der 60 Jahre, in denen die DAHW in Athiopien wirkte, wurde DAHW Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg im Rahmen der Feierlichkeiten im Oktober 2017 in Äthiopien vom Präsidenten Äthiopiens zu einer Begegnung eingeladen.
Foto: Michael Röhm / DAHW

Liebe Leserinnen und Leser,

Im Rahmen des Festaktes zum 60jährigen Bestehen der DAHW im Oktober 2017 wurden die oben zitierten Gedanken zu Geschichte und Gegenwart unserer Hilfsorganisation vorgetragen. Ich greife die Worte dieser beiden Redner heraus, weil sie zwei wesentliche Bausteine und Merkmale der DAHW ansprechen: bürgerschaftliches Engagement und Professionalisierung.

Als eine der größten humanitären Bürgerinitiativen der Welt gehört der unentgeltliche und freiwillige Einsatz von Menschen aus unterschiedlichen Berufsfeldern konstitutiv zur Arbeit unseres Werkes; mit Kreativität, Sachverstand und Leidenschaft engagieren sich bundesweit ehrenamtliche Mitarbeiter in Aktionsgruppen, sammeln Spendengelder oder tragen den Verein durch aktive Mitgliedschaft bzw. Mitarbeit in Leitungsgremien. Das ist ein besonderes Kennzeichen der DAHW und ein Potenzial, das es zu erhalten, zu pflegen, aber auch verstärkt zu nutzen gilt.

Pflege und Stärkung unserer ehrenamtlichen Basis beginnt schon bei der Nachwuchsförderung: Mit der Gründung einer Jugendorganisation im Januar 2018, der „jungen DAHW“, hat die DAHW die Eigeninitiative junger Menschen aufgegriffen und so jugendlichem Engagement innerhalb des Vereins und seiner Betätigungsfelder Dauerhaftigkeit verliehen.

In 60 Jahren konnten wir rund zwei Millionen Lepra- und rund vier Millionen Tuberkulosekranken in 82 Ländern medizinische und soziale Hilfe zu Teil werden lassen – dieser gute Erfolg wurde jedoch nicht allein durch freiwillige Mehrarbeit engagierter Bürger nach Dienstschluss und an Wochenenden erzielt. Der hohe Wirkungsgrad unserer Arbeit war nur durch Professionalisierung zu erreichen. Das galt für die vergangenen Jahrzehnte und ist angesichts großer Herausforderungen der Gegenwart heute umso wahrer.

Zur Professionalisierung unserer Arbeit gehört die Nutzung von Synergien in der Zusammenarbeit nationaler und internationaler Kampagnen und Bündnisse. Gemeinsam mit den Bündnispartnern übernimmt die DAHW neben ihren eigenen zentralen Aufgaben eines Armutskrankheiten-Hilfswerkes auch humanitäre Hilfe. Den Ärmsten der Armen in einer prekären Notsituation zu helfen und so eine Grundversorgung zu gewährleisten, die dann dauerhafte Hilfe und Aufbau von Strukturen ermöglicht, gehört nach unserem Verständnis zum satzungsmäßigen Auftrag der DAHW.

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums und zu Ehren der kürzlich
verstorbenen Dr. Ruth Pfau, Gründerin des in Pakistan
ansässigen Marie Adelaide Leprosy Centre MALC, traf Papst Franziskus eine kleine Delegation um Vizepräsidenten Patrick Miesen und Mervyn Lobo aus Pakistan, der das Erbe Pfaus als Manager des MALC weiterführt.
Foto: L’Osservatore Romano

Diesem Auftrag in besonderer Weise verpflichtet, nahm im Jahr 2017 die Projektvergabekommission ihre Arbeit auf. Nach der üblichen Prüfung der Projekte durch die entsprechende Fachabteilung bzw. durch das Regionalteam werden nun zusätzlich in dieser neue eingerichteten Kommission – auch unterBeteiligung eines externen Beraters – die verschiedenen Vergabekriterien reflektiert, angewandt und Entscheidungen getroffen.

Wie wertvoll die Arbeit der DAHW ist, habe ich im Jubiläumsjahr 2017 in Äthiopien erfahren. All das, was die DAHW ausmacht, ist in unserem Gründungsprojekt unter Leitung von Ato Ahmed Mohammed beispielhaft erkennbar. Neben der medizinischen und sozialen Hilfe gelingt dort etwas sehr Entscheidendes: Das Selbstverständnis der Patienten verändert sich. Patienten sind nicht Hilfsempfänger, sie sind Partner. Menschen, die mit uns gemeinsam ihre Rechte realisieren. Die Leiterin einer Selbsthilfegruppe in Brasilien, selbst von Lepra gezeichnet, brachte es auf den Punkt: „Ich habe eine Behinderung, ich bin nicht behindert“.

Diesen Ansatz der Lepraarbeit, den Menschen zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen, verfolgte auch die bekannte Lepraärztin und Ordensfrau Dr. Ruth Pfau. Mit einem Staatsbegräbnis hat der pakistanische Staat im August 2017 Abschied von einer Frau genommen, die nicht nur gegen Lepra kämpfte, sondern stets die Würde und die Rechte der Patientenim Blick hatte.

Zwei Monate nach dem Tod Frau Dr. Pfaus hatten ihr Nachfolger, Mr. Mervyn Lobo und der DAHW-Vizepräsident Patrick Miesen die Gelegenheit, mit Papst Franziskus über das Lebenswerk der Ordensfrau zu sprechen. „Wir lebten und arbeiteten mit einer Heiligen,“ so zitiert Lobo die Auffassung der Mitarbeiter des Marie-Adelaide-Lepra-Zentrums (MALC), des von Frau Dr. Pfau gegründeten Krankenhauses.

Wir danken allen ehrenamtlichen Unterstützern und hauptamtlichen Mitarbeitern in Deutschland und weltweit für den Einsatz im Kampf gegen Lepra und andere Armutskrankheiten.

Ihre

Gudrun Freifrau von Wiedersperg