Oktober 2018

Die Geschichte  zum Bild gibt es im Oktober!

Diese Brücke führt direkt hinein nach Agua de Dios, einer kolumbianischen Kleinstadt in der Nähe der Hauptstadt Bogotá. Früher war der Ort ein Leprosorium, heute ist er eine anerkannte Stadtgemeinde. Ehemalige Lepra-Kranke erinnern sich auch jetzt noch an die Brücke, die für sie damals ein Weg ohne Rückkehr bedeutete. Denn einmal an Lepra erkrankt wussten viele nicht, wie es weitergehen soll. Heute hat die Brücke für die damals Betroffenen eine symbolische Bedeutung, in der sich Leid, Angst, Schmerzen aber auch Hoffnung und Lebensfreude vereinen. Agua de Dios steht heute anderen kolumbianischen Kleinstädten in nichts nach:  Es wird genauso getanzt und gesungen, denn für das Feiern von Festen gibt es immer einen Anlass in dem südamerikanischen Land.

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Von der Ausgegrenzten zur engagierten Kämpferin für die Rechte der von Lepra Betroff enen

Ana Lía González wurde im März 1941 in Agua de Dios, Kolumbien, geboren. Das Dorf war damals eine Lepra- Kolonie in der Nähe der Hauptstadt Bogotá. Schon ihre Großmutter und ihr Vater waren an Lepra erkrankt. Sie wurden aus ihrer Dorfgemeinschaft ausgegrenzt und gezwungen, in der von der Außenwelt abgeschotteten Lepra- Kolonie zu wohnen.

Als Ana Lía zwei Jahre alt war, wurde die Familie auseinandergerissen: die Eltern trennten sich und die Mutter verließ mit Ana und ihren drei Brüdern die Kolonie. Doch schon sechs Jahre später musste das junge Mädchen zurück nach Agua de Dios. Auch bei ihr war die Krankheit ausgebrochen. Betroff en war ihre rechte Hand. Da es in dem Dorf keine Grundschule gab, wurde sie in einem Mädcheninternat außerhalb der Kolonie untergebracht.

Im Alter von 12 Jahren bildeten sich Geschwüre an ihren Füßen. Da sie die Grundschule beendet hatte, musste sie wieder in die Lepra-Kolonie ziehen, wo sie mit anderen betroffenen Mädchen ihres Alters in einer Gruppe lebte. Mit Erreichen des Erwachsenenalters verließ sie die Kolonie und zog nach Bogotá zu ihrer Familie. Diese wies die junge Frau jedoch zurück.

Nach dieser Erfahrung schwor sich Ana, nie wieder über ihre Krankheit zu sprechen. Als sie nach ihrer Hochzeit zum ersten Mal schwanger wurde, verschwieg sie die Krankheit sogar gegenüber den Ärzten. Im gleichen Jahr kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit der DAHW. Dort operierte man sie an der rechten Hand und den Füßen. Ebenso wurde Ana Lía Gonzáles später bei dem Schulgeld für ihren ältesten Sohn unterstützt.

Aus diesen Anfängen entstand die bis heute andauernde, enge Bindung zur DAHW. Ana Lía begann, über ihre Erkrankung zu sprechen und sich für andere Betroff ene einzusetzen. Seit 1998 ist Ana Lía Gonzáles engagiertes Mitglied einer Gruppe von Lepra betroff ener Menschen in Bogotá. Im Jahr 2014 war sie Mitgründerin des Verbandes FELEHANSENS (Dachverband der von der Hanseniase – so heißen dort die von Lepra Betroffenen), in dem sich die Gruppen landesweit zusammen geschlossen haben.

Aus der Ausgegrenzten wurde eine engagierte „Kämpferin“ für die Rechte der von Lepra betroff enen Menschen. Sie fördert und spornt andere an, sich mit ihr gegen die Stigmatisierung und für Inklusion einzusetzen.

Ana Lía González: „Meine Überzeugung ist, dass wir allen Menschen, bei denen die Krankheit diagnostiziert wird, helfen sollten. Sie sollen nicht erleben, was viele von uns in der Vergangenheit erlitten haben. Es gibt immer noch viele Menschen, die uns verstoßen.“