März 2019

Fernfahrer in Indien als Opfer von Tuberkulose

Ein ehrgeiziges Kooperationsprojekt zeigt, wie TB schnell erkannt und behandelt werden kann. Um die Zielgruppe zu erreichen, arbeitete die DAHW mit einem großen nationalen Reifenhersteller zusammen.

Delhi, Indien: Raja fühlt sich schon seit Monaten schwach und elend. Irgendwie will auch der Husten nicht mehr verschwinden. „Zu viele Zigaretten wohl“, sagt der junge LKW-Fahrer und zieht die Schultern hoch. „Um wachzubleiben“, betont er. Er erzählt nicht, dass er den Job nicht verlieren darf und dass er Mitglied einer sozialen Randgruppe ist. Er ist ständig auf den Fernstraßen Indiens unterwegs, um sich und die Familie ernähren zu können. Irgendwie eben.

Nach ein paar Schuljahren ging nichts mehr. Er brauchte Geld, zog Hilfsjobs an Land, immer mal wieder, nie die gleichen, leichte und schwere, Tag und Nacht. Das Jobangebot von dem LKW-Unternehmen bezeichnet er als Lottogewinn. Feste Arbeit, festes Gehalt, was will ein junger Mann Anfang 20 mehr? Den Führerschein hatte er nach wenigen Ausbildungsstunden in der Tasche und als rollender Nomade konnte es losgehen. Während Raja über diese Zeit spricht, glänzen seine Augen.
Bald erkannte Raja, dass er auch hier, genau wie bei seinen Hilfsjobs, unterbezahlt ist. Der Job ist wahrlich kein Zuckerschlecken, denn straffe Zeitpläne gilt es einzuhalten.

Mit über sechs Millionen Fahrer stellt die Speditionsindustrie 2,5 Prozent der indischen Erwerbsbevölkerung dar und erwirtschaftet 4,5 – 5 Prozent (55 bis 60 Milliarden US-Dollar) des Bruttoinlandsprodukts. Die Fernfahrer sind sozusagen das Grundgerüst des indischen Versorgungssystems.

Und genau hier setzt die Unterstützung durch die DAHW an. Vor zwei Jahren wurde sie mit einem Pilotprojekt gestartet. Kooperationspartner war Apollo Tyres Ltd, einer der größten nationalen Reifenhersteller. DAHW-Sozialarbeiter sammelten Speichelproben bei den LKW-Fahrern und testeten sie auf TB. Der Anfang war gemacht. Das Vorhaben war so erfolgreich, dass es um weitere elf Monate verlängert wurde. Im März 2018 wurde es abgeschlossen. Ziel des Programmes ist die Aufklärung und Sensibilisierung der Fahrer für die Krankheit sowie die Bedeutung von Hygiene bei der Arbeit. Weiter ist so die Möglichkeit einer frühzeitigen Diagnose gegeben.

Fahrer, Hilfsarbeiter, Zwischenhändler und örtliche Geschäftsleute im Umfeld der Transportunternehmen wurden regelmäßig via Mundpropaganda, bei Versammlungen und Events informiert und geschult. Das Projekt im Einzugsgebiet von Delhi hatte eine Reichweite von bis zu 13.000 Menschen, von denen vermutlich 856 bereits unter Symptomen der Krankheit litten. Bei 20 Männern wurde TB offiziell diagnostiziert. Sie wurden behandelt.

Das Kooperationsprojekt wurde zum Erfolgsmodell und kam auch bei der Bevölkerung gut an. Durch entsprechende Aufklärung wissen die Betroffenen auch heute noch, an wen sie sich bei einer auftretenden Erkrankung wenden können.

Text von Sabine Ludwig, basierend auf der Reportage von Mario Schmitt

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