Frauen und Männer sind in vielen DAHW-Einsatzländern sehr unterschiedlich von unseren Mandatskrankheiten betroffen. In Uganda werden zum Beispiel laut WHO etwa vier Mal mehr Männer als Frauen mit Tuberkulose diagnostiziert, in Afghanistan dominieren regelmäßig Frauen die TB-Statistiken.

Die Gründe für diese geschlechtsspezifischen Unterschiede können auf ökonomische, kulturelle, religiöse, biologische oder strukturelle Ursachen zurückzuführen sein – oder auf einen Mix dieser Faktoren. Für manche Unterschiede ist mitunter ursächlich, dass in vielen Gesellschaften immer noch die Männer für den Lebensunterhalt verantwortlich sind.

Wenn sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden, müssen sie als sog. Arbeitsmigranten in anderen Ländern Jobs annehmen und dort häufig unter miserablen Bedingungen leben, die eine Ansteckung mit vielen unserer Mandatskrankheiten begünstigen. Zudem ist ihr Aufenthalt oft illegal und sie haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Statistiken können aber auch täuschen: Nur weil mehr Männer mit einer Krankheit registriert werden, heißt das nicht automatisch, dass auch mehr Männer betroffen sind – Frauen werden manchmal nur seltener diagnostiziert. In einigen islamisch geprägten Ländern brauchen sie zum Beispiel meist die Erlaubnis oder die Begleitung von Männern, um einen Arzt aufsuchen zu können. Oft fehlt es an weiblichem Gesundheitsund Pflegepersonal, sodass Frauen nicht gründlich genug untersucht und Krankheiten nicht entdeckt werden.

Im Fall einer Lepra-Erkrankung können eigentlich vermeidbare Behinderungen entstehen, die das Leben der Frau dann lebenslang prägen. Auch das Thema Stigma spielt bei Frauen oft eine größere Rolle: Für Millionen Frauen weltweit bedeutet eine Lepra- oder TB-Diagnose, dass eine Heirat unwahrscheinlich wird, da potenzielle Ehemänner fürchten, keine Familie gründen zu können.

Vielerorts gibt es gar Gesetze, die es einem Ehemann ermöglichen, sich im Falle einer Lepra-Erkrankung umgehend scheiden zu lassen. Aus Angst vor diesen Folgen halten Frauen einen Krankheitsverdacht geheim und meiden den Gang zum Arzt.

Überdies ist es in den meisten Kulturen nach wie vor so, dass Frauen nach ihrem Äußeren bewertet werden – entstellende Krankheiten wie Hautleishmaniose oder Lymphatische Filariose treffen sie besonders hart. In einigen Projekten konnte die DAHW bereits auf diese geschlechtsspezifischen Aspekte eingehen: Im Sudan und im Jemen wurde gezielt weibliches Gesundheitspersonal geschult, in Tansania untersuchten wir, warum weniger Frauen an den Massenbehandlungen gegen Schistosomiasis teilnehmen, und in Brasilien werden in der Lepra- Aufklärungsarbeit Frauen im Besonderen angesprochen.

Ziel ist es, Gender wie auch Kultur betreffende Faktoren systematisch bei der Projektplanung mit einzubeziehen, um Unterschiede auszugleichen und zu mehr Gerechtigkeit beim Zugang zu Gesundheitsversorgung beizutragen.