Von Anfang an hat die DAHW in ihrer Projektarbeit einen integrierten Ansatz verfolgt und medizinische wie soziale Aspekte gleichermaßen in den Blick genommen. Denn Gesundheit ist ein Querschnittthema und kann nicht isoliert von den Lebensbedingungen des Menschen betrachtet werden!

Wenn unsere Vision einer Welt ohne armutsbedingte Krankheiten wahr werden soll, dürfen sich staatliche und nichtstaatliche Programme nicht nur auf die Krankheiten selbst fokussieren. Dieser vertikale Ansatz bietet zwar auch Vorteile, denn die Priorisierung ermöglicht die zielgerichtete Ausgestaltung der Maßnahmen (was sich bei den „big three“ Malaria, Tuberkulose und HIV bewährt hat). Doch der komplexe Zusammenhang zwischen der Vernachlässigung von Krankheiten (NTDs) sowie von bestimmten Personengruppen erfordert sektorübergreifende (horizontale) und ganzheitliche (holistische) Konzepte.

Diese stellen den Menschen in den Mittelpunkt und beziehen die Determinanten für Gesundheit wie Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie biologische, sozioökonomische, kulturelle und ökologische Faktoren mit ein. Konkret bedeutet das: Die Gesundheitsprobleme von Milliarden Menschen auf der Welt müssen an der Wurzel gepackt und die (Haupt-)Ursachen für Krankheit systematisch und nachhaltig angegangen werden. In erster Linie ist es Armut, die Menschen krank werden lässt, und mit ihr eine mangelhafte Ernährung, Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung (WASH). In diesem Bereich setzen wir daher heute viele Maßnahmen um. Daneben ist unsere Aufklärungs- und Bildungsarbeit zentraler Bestandteil der DAHW-Projekte, um Menschen Präventionsmöglichkeiten zu vermitteln, der Stigmatisierung von Betroffenen entgegenzuwirken und die Berufschancen zu verbessern.

Bei Zoonosen wie Chagas, Buruli Ulcer oder Tuberkulose – Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können – wollen wir vermehrt auf den interdisziplinären Ansatz „One Health“ („Eine Gesundheit“) setzen, bei dem Agierende aus Human-, Veterinärmedizin und Umweltwissenschaften zusammenarbeiten. Zudem spielt der transversale (quer verlaufende) Sektor „Empowerment“ eine immer wichtigere Rolle: die Befähigung oder Selbstermächtigung der Menschen auf individueller, gemeinschaftlicher und nationaler Ebene.

Über allem steht das Ziel, dass Menschen über Gesundheitsdienstleistungen informiert werden und notwendige medizinische Leistungen in Anspruch nehmen können, ohne dadurch in finanzielle Not zu geraten. So sieht es das Konzept der „Universal Health Coverage“ (Universelle Krankenversicherung, UHC) der WHO vor, das in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen als eines von 17 Nachhaltigkeitszielen aufgenommen wurde. Jede*r soll Zugang zu hochwertigen und bezahlbaren Gesundheitsdiensten haben und – im Krankheitsfall – Sozialleistungen erhalten.

Synergien nutzen

In der Kontrolle und Versorgung von kutanen (hautbezogenen) NTDs wie Lepra, Buruli Ulcer, Lymphatische Filariose und Frambösie (Yaws) folgt die DAHW in Togo, Nigeria und zunehmend auch in Liberia dem integrierten Ansatz der WHO, um möglichst viele Synergien in Prävention, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation zu nutzen. Zum Beispiel kombinieren wir in der Aufklärungsarbeit und Fallsuche diese Haut-NTDs mit weiteren Hauterkrankungen, wodurch die stigmabedingte  Hemmschwelle bei der Bevölkerung sinkt und mehr Menschen erreicht werden.