Schritt für Schritt in Richtung einer lepra-freien Welt

Als 1968 Resistenzen gegen das damals meist angewandte Lepra-Medikament festgestellt werden, startet die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Borstel ein groß angelegtes Forschungsprojekt, um eine neue Therapie gegen die bakterielle Infektionskrankheit zu entwickeln: Der Lepra-Erreger soll endlich wirksam bekämpft und Betroffene medizinisch geheilt werden. Nach einer erfolgreichen Studie auf Malta ist es 1983 soweit: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die neu entwickelte sechs- bis zwölfmonatige „MDT“ (Multi-Drug-Therapy), ein Mix aus den Antibiotika Rifampicin, Dapson und Clofazimin, als weltweiten Standard.

Lepra ist heilbar!

In Verbindung mit dem Auf- und Ausbau staatlicher Lepra-Kontrollprogramme – unter maßgeblicher Beteiligung der DAHW – führt die MDT zu großen Erfolgen. Wurden laut WHO-Statistiken im Jahr 1990 weltweit noch ca. 800.000 Neuerkrankungen erfasst, waren es zehn Jahre später nur noch um die 480.000. Mit einem Lepra-Fall auf 10.000 Einwohner*innen gilt Lepra gemäß WHO-Kriterien nicht mehr als globales Gesundheitsproblem. In der Folge sinkt die globale Aufmerksamkeit für Lepra, sie ist häufig nicht Bestandteil der medizinischen Ausbildung und auch die Lepra-Forschungsaktivitäten gehen zurück. Und so kommt es, wie es kommen musste: Jahr für Jahr werden weiterhin um die 250.000 Neuerkrankungen registriert. Darunter auch viele bei Kindern.

Intensivierung des Engagements

Angesichts der anhaltend hohen Fallzahlen intensiviert die DAHW im Zusammenschluss mit anderen Akteuren in der Lepra-Bekämpfung das Engagement in der Forschung und motiviert andere Organisationen, ihre Investitionen in diesem Bereich zu verstärken. So werden Projekte zur Entwicklung eines Lepra-Impfstoffes, einer Methode zur Frühdiagnostik und einer Prophylaxe-Maßnahme initiiert. So kann 2008 bewiesen werden, dass die Einmalgabe des Antibiotikums Rifampicin für Kontaktpersonen von Lepra-Patient*innen zu 60 Prozent die Übertragung der Lepra unterbricht. In einer Folgestudie gelingt es der DAHW in Kooperation mit der Novartis Stiftung, mehreren wissenschaftlichen Instituten und anderen NGOs, die Anwendbarkeit dieser „Lepra-Post-Expositions-Prophylaxe“ (LPEP) positiv zu testen. Seit 2018 empfiehlt sie die WHO als Standardmaßnahme zur Eindämmung der Ausbreitung der Lepra.

Aktuelle Forschungsprojekte

2019 starteten die DAHW, die niederländische Leprahilfe NLR, die jeweiligen Nationalen Gesundheitsprogramme und die Erasmus-Universität in Rotterdam in Äthiopien, Tansania und Mosambik ein weiteres Lepra-Forschungsprojekt, das erstmals mit Mitteln der Europäischen Union finanziert wird: Ziel ist es, herauszufinden, wie die Lepra-Prophylaxe am effektivsten in Gesundheitsprogrammen integriert werden kann. Im Fokus steht dabei die Frage, wie sich bei den Angehörigen die Akzeptanz für die Behandlung erhöhen lässt. Dazu suchen einerseits mobile „Skin Camps“ (mobile Haut-Kliniken) Gemeinden auf, in denen neue Lepra-Patient*innen gefunden wurden. Eigens geschultes Gesundheitspersonal untersucht Angehörige und Dorfbewohner*innen allgemein auf Hauterkrankungen, zu denen Lepra zählt. Dadurch, dass die immer noch stark stigmatisierte Lepra mit anderen Hauterkrankungen gleichgesetzt wird, erhofft man sich eine höhere Bereitschaft zur Teilnahme. Zum anderen werden Mitarbeiter*innen in primären Gesundheitszentren geschult, um Lepra-Patient*innen, die ihre Behandlung beginnen, zu ermuntern, ihre Angehörigen für die Prophylaxe ins Gesundheitszentrum zu bringen.