Aufruf zum Welt-Lepra-Tag am 28. Januar 2018

Aufruf der DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg zum Welt-Lepra-Tag am 28. Januar 2018:

Lepra lebt. Immer noch. Immer mehr.

Trotz großer Erfolge steigen die Patientenzahlen wieder an

Seit 61 Jahren arbeitet die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe für Menschen, die an Lepra, den medizinischen Folgen der Krankheit oder sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung leiden.

Gemeinsam mit ihren Partnern der internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke ILEP arbeitet die DAHW äußerst erfolgreich in diesen Bereichen. Die jüngsten Zahlen für das Jahr 2016 belegen dies eindeutig: Die Zahl der erkrankten Kinder ist innerhalb eines Jahres um 3 Prozent auf 18.200 zurückgegangen, die Zahl von sichtbaren Behinderungen bereits bei der Diagnose sogar um fast 9 Prozent auf „nur“ noch 12.800. Beide Zahlen sind wichtige Indikatoren für die Lepra-Kontrollarbeit.

Aber was heißt eigentlich „nur noch“? Sind mehr als 18.000 an Lepra erkrankte Kinder oder fast 13.000 Menschen mit leprabedingten Behinderungen bereits bei der Diagnose nicht auch zu viel? Was ist mit den vielen Menschen, die nach einer erfolgreichen Therapie durch die Spätfolgen der früheren Lepra-Erkrankung Behinderungen erleiden? Weltweit sind davon rund vier Millionen Menschen betroffen. Jeder einzelne ist einer zu viel.
Zudem steigt in der jüngeren Vergangenheit die Zahl der Menschen, die an Lepra erkranken. Mehr als 220.000 waren es im Jahr 2016, mindestens 6.000 mehr als im Vorjahr. Allein in Indien wurden bei Reihenuntersuchungen im Rahmen der Polio-Impfungen mehr als 30.000 neue Lepra-Erkrankungen festgestellt. Ohne die Diagnose wäre die Krankheit wohl erst nach ihrem Ausbruch festgestellt worden, was zu einer erhöhten Ansteckungsgefahr für andere Menschen geführt hätte.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass wir noch viel mehr unternehmen müssen, um Lepra endgültig zu besiegen. Eine Impfung zur Heilung der Krankheit wäre ein großer Schritt auf diesem Weg. Die hohen Kosten für die Erforschung einer solchen Impfung sind jedoch kaum zu finanzieren. Eine Prophylaxe, ein vorbeugendes Medikament, das die Gefahr einer Ansteckung verhindern oder zumindest verringern kann, ist weniger kostenintensiv und daher leichter umzusetzen.

Derzeit erforscht die DAHW in Tansania eine mögliche Prophylaxe. Andere ILEP-Partner erforschen das gleiche Mittel in anderen Ländern. In zwei Jahren werden wir wissen, ob dieses Mittel erfolgreich eingesetzt werden kann. Dies wäre ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Lepraarbeit.

Doch bedeutet ein solcher Meilenstein nicht, dass das das Ziel bereits erreicht ist. Wir müssen Mittel und Wege finden, den Einsatz dieser Prophylaxe in den Gesundheitssystemen der ärmsten Länder unserer Welt zu ermöglichen. Mittel und Wege, die heute vielleicht noch nicht offensichtlich sind, aber die wir mit Ihrer Hilfe finden werden.

Ich bitte Sie, denen das Schicksal der von Lepra betroffenen Menschen am Herzen liegt, uns bei der Erreichung unseres Ziels zu unterstützen. Jede Hilfe ist willkommen, ob als Spende oder als ehrenamtliches Engagement. Damit weniger Menschen an Lepra und deren Folgen leiden müssen.

Herzlichst,
Ihre

Gudrun Freifrau von Wiedersperg
Ehrenamtliche Präsidentin DAHW

Helfen Sie mit im Kampf gegen die Spenden

Samira B., ehemals von Lepra betroffene Mutter mit ihren Zwillingen
Foto: Jochen Hövekenmeier / DAHW