Anlässlich des 65. Welt-Lepra-Tages fordert die DAHW ein Ende der Diskriminierung

(Würzburg, 16. Januar 2019) – „Es gibt keine Erkrankung auf der Welt, für die es so viele Gesetze gibt wie für Lepra", weiß Burkard Kömm, Geschäftsführer der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. „Doch sie richten sich gegen die Betroffenen und dienen nicht ihrem Schutz.“ Laut der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP), der die DAHW angehört, existieren aktuell in 38 Ländern der Welt 179 Gesetze, die Menschen diskriminieren, die von Lepra betroffen sind. Ein Umstand, der das religiös und traditionell bedingte Stigma der Krankheit manifestiert. Die Betroffenen erleben oft Ablehnung, Scham und soziale Ausgrenzung. Sie scheuen sich, ärztliche Hilfe aufzusuchen oder anzunehmen, wodurch eine frühe Diagnose und Behandlung behindert wird – dadurch steigt das Risiko für die typischen Verstümmelungen und eine Übertragung auf Angehörige. Ein Teufelskreis. „2017 wurden der WHO zufolge weltweit über 200.000 Lepra-Neuerkrankungen erfasst. Wenn wir das Leid der Betroffenen endlich beenden wollen, müssen wir die soziale und strukturelle Diskriminierung beenden“, fordert Kömm anlässlich des 65. Welt-Lepra-Tages.

Seit Jahrhunderten erleben von Lepra betroffene Menschen soziale Stigmatisierung, Vorurteile und Diskriminierung. In den Schriften vieler Religionen wie dem Christentum, Hinduismus oder Buddhismus wird Lepra als Strafe für Sünden oder Tabubrüche benannt, im aktuellen oder früheren Leben. In manchen Ländern wird bis heute angenommen, dass Lepra erblich ist, erkrankte Frauen haben deshalb geringe Ehechancen. In anderen Ländern hält sich der Irrglaube, dass Lepra übertragen wird, wenn man einen Betroffenen auf der Straße überholt oder eine Mahlzeit mit ihm teilt. Bleibt Lepra unbehandelt, kann sie zu sichtbaren Verstümmelungen und Behinderungen führen, so sind Menschen mit Lepra leicht erkennbar. Sie werden von der Familien und der Gemeinde ausgegrenzt.

Selbststigmatisierung und strukturelle Diskriminierung

Da von Lepra Betroffene häufig die Vorurteile gegenüber ihrer Erkrankung selbst verinnerlicht haben, kommt die Selbststigmatisierung erschwerend hinzu. Aus Scham und Angst verheimlichen sie Symptome, sie wenden sich selbst von ihren Angehörigen und ihrer Umwelt ab, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein sinken. „Bis zu 70 Prozent der Betroffenen leiden unter psychischen Problemen wie Depressionen oder Angstzuständen“, zitiert DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm eine ILEP-Untersuchung. „Auch ein erhöhtes Selbstmordrisiko ist die Folge.“ Neben religiöser und traditioneller Stigmatisierung, behindere die strukturelle Diskriminierung durch Gesetzgebung und Ressourcenverteilung den Kampf gegen Lepra. „In Indien gibt es 119 Gesetze, die von Lepra betroffene Menschen benachteiligen“, so Kömm. „Sie verstoßen in vielen Teilen gegen die UN-Konvention, die Menschen mit Behinderungen ein uneingeschränktes und selbstverständliches Recht auf Teilhabe zusichert. Dieses Recht gilt auch für Menschen, deren Behinderungen leprabedingt sind.“

Forderungen zum Welt-Lepra-Tag 2019

Um endlich das Stigma der Lepra zu beenden, benötige es weitreichende, ganzheitliche Veränderungen, so Kömm – gesellschaftlich wie politisch. Die DAHW schließe sich deshalb den Forderungen der insgesamt 13 ILEP-Mitgliedsorganisationen an: „Unter anderem sollte die WHO die Gesundheitsministerien auffordern, Maßnahmen in ihren nationalen Leprabekämpfungsprogrammen aufzunehmen, die Stigmatisierung und Diskriminierung reduzieren und die psychische Gesundheit der Betroffenen fördern“, erläutert Kömm. Zudem müssten die Regierungen und Institutionen mehr in die Forschung über die sozialen Determinanten von Gesundheit investieren, insbesondere über die Auswirkungen von Stigmatisierung. „Diskriminierende Gesetze gegen von Lepra betroffene Menschen und ihre Angehörigen gehören umgehend abgeschafft.“