Auch 2017 sind laut Weltgesundheitsorganisation WHO wieder mehr als 200.000 Menschen weltweit neu an Lepra erkrankt. Aktuellere Zahlen sind Anfang 2019 noch nicht verfügbar - für manche Länder wie beispielsweise Südsudan oder Liberia macht die WHO keine Angaben. Beide Tatsachen machen ein Grundproblem in der Lepra-Arbeit deutlich: Viele Menschen, die an Lepra erkrankt sind, wollen aufgrund der nach wie vor hohen Stigmatisierung nicht, dass ihre Krankheit erkannt bzw. erfasst wird. Auch manche Regierungen halten die nationalen Statistiken unter Verschluss oder führen keine verlässlichen Register, weil die Krankheit Lepra mit Armut in Verbindung gebracht wird und man sich um das Ansehen des Staates sorgt.

Nicht zuletzt braucht es für eine umfassende statistische Erfassung funktionierende Kontrollprogramme – in vielen Ländern der Erde fehlen hierfür die Strukturen. Einige der Zahlen in der WHO-Statistik basieren auf Angaben der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe: Das Würzburger Hilfswerk ist teils seit Jahrzehnten in Ländern tätig und hat viele Kontrollprogramme mitaufgebaut.

2018 betreute die DAHW rund 150 Maßnahmen  zur Bekämpfung der Lepra in Äthiopien, Brasilien, Indien, Liberia, Nigeria, Sudan, Südsudan und Tansania, wobei sich in Indien mit Abstand die meisten Fälle finden, gefolgt von Brasilien. Zu den weiteren Ländern, in denen die meisten Lepra-Erkrankungen zu finden sind, zählen Ägypten, Angola, Bangladesch,  Komoren, Elfenbeinküste, Indonesien, Kiribati, Kongo, Madagaskar, Mikronesien, Myanmar, Nepal, Philippinen, und Sri Lanka.

Der Erreger

Am 28. Februar 1873 beschrieb der norwegische Arzt Armauer Hansen erstmals das Mycobacterium Leprae. Es ist ein säurefestes Stäbchenbakterium, das zwei bis drei Wochen zur Teilung benötigt und nicht von den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) verdaut werden kann.

Die Bakterien wachsen im menschlichen Körper in den Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks – zumeist in Armen und Beinen oder am Kopf, weil die Bakterien eine nicht zu warme Umgebung benötigen. Sie greifen die Nerven an und können sie auch zerstören. Wegen der langsamen Vermehrung beträgt die Inkubationszeit durchschnittlich vier bis sechs Jahre, es wurden sogar Fälle dokumentiert, bei denen sie 30 Jahre betrug.

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Die Übertragung

Auch wenn die genaue Übertragung noch immer nicht endgültig erforscht ist, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die Lepra mittlerweile als Tröpfcheninfektion klassifiziert. Der Kontakt zu einem erkrankten Menschen muss jedoch eng und längerfristig sein - eine Berührung allein führt noch nicht zu einer Infektion. Laut WHO sind rund 99 Prozent aller Menschen weltweit genetisch immun und können nicht an Lepra erkranken. Dies erschwert die Suche nach Infektionsquellen. Menschen können sich infizieren, ohne selbst zu erkranken. Wer allerdings infiziert ist, kann möglicherweise andere Menschen anstecken. Sie nennt man „silent transmitters“.

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Die Erkrankung

Grundsätzlich kann, unabhängig davon wie die genetische Disposition ist, ein gesundes Immunsystem eine Infektion mit Lepra-Bakterien eindämmen. Ist das Immunsystem geschwächt, vermehren sich die Bakterien stark und die Krankheit wird ausbrechen.
Die Krankheit beginnt im Frühstadium mit sichtbaren Hautflecken, weshalb sie auch oft mit anderen Hautkrankheiten verwechselt wird. Durch die Schädigung der Nerven haben Patienten an den betroffenen Stellen kein oder kaum noch Gefühl. Ein Schnelltest ist ein Drucktest mit Stiften: Wenn der Patient mit verschlossenen Augen eine leichte Berührung auf einem Fleck nicht spürt, ist eine Lepra-Erkrankung sehr wahrscheinlich.

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