Thomas Lopez Avengas (78) in der Lepra-Kolonie Agua de Dios / Kolumbien
Die DAHW untersützt Patienten damit sie trotz Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben führen können.
Foto: Florian Kopp / DAHW

Im Jahr 2016 (neuere Zahlen sind derzeit noch nicht verfügbar) sind mehr als 220.000 Menschen neu an Lepra erkrankt. Zwar weist die Statistik der Welt-Gesundheitsorganisation WHO lediglich 217.968 Neuerkrankungen aus (Vorjahr: 210.758), allerdings haben einige Länder keine oder fehlerhafte Daten geliefert. Experten der ILEP (Internationale Vereinigung der Lepra-Hilfswerke) schätzen die realistischen Zahlen daher zwischen 220.000 und 250.000.

Mehr als 95 Prozent aller Patienten stammen aus den Schwerpunktländern Ägypten, Angola, Äthiopien, Bangladesch, Brasilien, Comoren, Elfenbeinküste, Indien, Indonesien, Kiribati, Kongo, Liberia, Madagaskar, Mikronesien, Myanmar, Nepal, Nigeria, Philippinen, Sri Lanka, Sudan, Südsudan und Tansania. In neun dieser Länder (fett markiert) unterstützt die DAHW zahlreiche Lepra-Projekte.

Der Erreger

Am 28. Februar 1873 beschrieb der norwegische Arzt Armauer Hansen erstmals das Mycobacterium Leprae. Es ist ein säurefestes Stäbchenbakterium, das zwei bis drei Wochen zur Teilung benötigt und nicht von den Leukozyten verdaut werden kann.
Im menschlichen Körper wachsen die Bakterien im äußeren Nervensystem und zerstören die Nerven – zumeist in Armen und Beinen oder am Kopf, weil die Bakterien eine nicht zu warme Umgebung benötigen.
Wegen der langsamen Vermehrung beträgt die Inkubationszeit durchschnittlich vier bis sechs Jahre, es wurden sogar Fälle mit bis zu 30 Jahren dokumentiert.
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Die Übertragung

Wahrscheinlich wird Lepra durch Tröpfcheninfektion übertragen. Der Kontakt zu einem erkrankten Menschen muss eng und längerfristig sein. Eine Berührung führt noch nicht zu einer Infektion. Rund 90% aller Menschen weltweit sind genetisch immun und können nicht an Lepra erkranken. Dies erschwert die Suche nach Infektionsquellen.
Menschen können sich infizieren, ohne selbst zu erkranken. Wer allerdings infiziert ist, kann möglicherweise andere Menschen anstecken („silent transmitters“).
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Die Erkrankung

Grundsätzlich kann, unabhängig davon wie die genetische Disposition ist, ein gesundes Immunsystem eine Infektion mit Lepra-Bakterien eindämmen. Ist das Immunsystem geschwächt, vermehren sich die Bakterien stark und die Krankheit wird ausbrechen.
Die Krankheit beginnt im Frühstadium mit sichtbaren Hautflecken, weshalb sie auch oft mit anderen Hautkrankheiten verwechselt wird. Durch die Schädigung der Nerven haben Patienten an den betroffenen Stellen kein oder kaum noch Gefühl. Ein Schnelltest ist ein Drucktest mit Stiften: Wenn der Patient mit verschlossenen Augen eine leichte Berührung auf einem Fleck nicht spürt, ist eine Lepra-Erkrankung sehr wahrscheinlich.
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Die Therapie

Die Kombinationstherapie MDT (Multidrug-Therapy) ist ein Mix aus den Antibiotika Rifampicin, Dapson sowie Clofazimin und wurde in den 1970er Jahren mit finanzieller sowie fachlicher Unterstützung der DAHW im Forschungszentrum Borstel entwickelt. Nach einer erfolgreichen Studie auf Malta ist die MDT seit 1983 weltweiter Standard und muss sechs bis zwölf Monate eingenommen werden.
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