Wie kaum eine andere Krankheit ist Lepra mit Vorurteilen und Stigmatisierung behaftet. Bis heute werden die Betroffenen oftmals ausgestoßen, obwohl die Krankheit seit vielen Jahren heilbar ist. Immer noch scheuen sich Menschen, ehemaligen Lepra-Patient*innen die Hand zu geben oder nur in deren Nähe zu sein. Zusätzlich wird das Stigma der Krankheit durch Verunstaltungen an Gliedmaßen befeuert. Besonders bei Menschen, deren Lepra-Erkrankung erst in einem späten Stadium entdeckt wird, kann dies eine Begleiterscheinung der Lepra sein. Diese Behinderungen, die auch nach einer Heilung noch sichtbar sind, erschweren Betroffenen die Teilhabe am (Gemeinde-)Leben. Da sie kaum Chancen auf eine regelmäßige Beschäftigung haben, leben sie meist in Armut.

So entstehen die typischen Verstümmelungen

Lepra schädigt und zerstört Nerven, insbesondere in Gesicht, Armen und Beinen. Aufgrund der damit einhergehenden Gefühllosigkeit merken betroffene Menschen nicht, wenn die Haut verletzt wird. Die sich daraufhin bildenden Entzündungen und Geschwüre können unbehandelt zum Absterben ganzer Gliedmaßen führen oder Amputationen notwendig machen. Dass zudem die Schweißproduktion nicht mehr funktioniert und die Haut trocken und rissig wird, fördert das Risiko einer Infektion der Wunden zusätzlich.

Wegen nicht mehr funktionsfähiger Nerven können Lähmungen von Gliedmaßen eine weitere Folge der Lepra-Erkrankung sein. Finger, die nicht mehr bewegt werden können, verkümmern in unförmiger Stellung (z.B. bei der sog. Krallenhand). Wenn ein Fuß nicht mehr gehoben werden kann, wird das Laufen zur Qual. Nicht zuletzt können zerstörte Sehnerven oder Augenlider, die sich nicht mehr schließen lassen, einen Betroffenen erblinden lassen.

Teilhabe am Leben – die CBR-Strategie der DAHW

Auch wenn ein an Lepra erkrankter Mensch von der Infektion geheilt ist: Krankheitsbedingte Behinderungen bleiben weiterhin sichtbar. Die damit einhergehende Ausgrenzung und Diskriminierung trägt dazu bei, dass Betroffene auch nach ihrer Genesung oft nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und keiner geregelten Arbeit nachgehen können. Häufig leben sie ausgeschlossen von Nachbarn und Familienmitgliedern in Armut.

Ein Konzept, das die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. seit vielen Jahren in ihren Projekten weltweit erfolgreich umsetzt, ist die Gemeindenahe Rehabilitation (CBR = Community Based Rehabilitation). Im Rahmen dieses Ansatzes werden unter anderem Betroffene bei der Gründung von Selbsthilfegruppen und Organisationen von und für Menschen mit Behinderung unterstützt. Daneben werden in den Gemeinden Sensibilisierungskampagnen durchgeführt und einkommensschaffende Aktivitäten sowie Spar- und Kreditprogramme umgesetzt.

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