Mehr als 60 Jahre muss die DAHW bereits mit Vorurteilen gegenüber Lepra kämpfen. Transportiert werden diese durch alte Geschichten oder schlecht recherchierte Darstellungen in Filmen und anderen Medien: Lepra sei eine Strafe Gottes, eine kurze Berührung reiche aus für die Ansteckung, Lepra sei nicht heilbar oder erkrankte Menschen würden „verfaulen“. Und während auch diese alten Vorurteile immer noch irgendwo herumgeistern, gibt es inzwischen neue, die sich auch durch neue Medien weitaus schneller verbreiten, als man sie widerlegen kann

„Lepra gibt es nicht mehr, sie ist doch eliminiert.“

Lange hat die Welt-Gesundheitsorganisation WHO von Elimination gesprochen. Dies galt, wenn weniger als ein Patient pro 10.000 Einwohner sich zu einem bestimmten Stichtag in Behandlung befindet. Viele Menschen verstanden und verstehen unter „Eliminierung“ jedoch, dass es diese Krankheit nicht mehr gibt.

„Lepra gibt es in Deutschland (eigentlich) nicht mehr.“

Natürlich gibt es Lepra in Deutschland schon lange nicht mehr. Dennoch gab es seit 2012 insgesamt 13 Neuerkrankungen in Deutschland, die ihren Ursprung jeweils in Ländern hatten, in denen Lepra noch existent ist. In fast allen Fällen haben Lepra-Experten aus Würzburg ihre jeweils behandelnden Kollegen fachlich unterstützt. Hintergrund ist die gute und Zusammenarbeit von DAHW und der Missionsärztlichen Klinik Würzburg. Nirgendwo sonst in Deutschland sind fachliche und praktische Lepra-Expertise so eng vernetzt.

Wussten Sie schon, dass…

  • mehr als jeder zwölfte Lepra-Patient ein Kind unter 14 Jahren ist?
  • in einigen Regionen sogar jeder dritte?
  • Lepra vollständig und einfach heilbar ist?
  • die Therapie für einen Patienten im Durchschnitt nur 50 Euro kostet?
  • Lepra in Deutschland auch dann als „eliminiert“ gelten würde, wenn es aktuell mehr als 8.000 Patienten geben würde?
  • es allein in Berlin 320 Lepra-Patienten geben dürfte und die Krankheit in der Hauptstadt laut WHO immer noch als „eliminiert“ gelten würde?
  • Jeder zehnte Patient so spät entdeckt wird, dass er bei der Diagnose bereits sichtbare körperliche Schädigungen hat?
  • rund vier Millionen Menschen weltweit Behinderungen durch Lepra haben?
  • Lepra eine Inkubationszeit bis zu 30 Jahren hat?
  • ca. 90% aller Menschen weltweit genetisch immun gegen Lepra sind?
  • man heute immer noch nicht genau die Übertragungswege kennt?
  • in einigen Ländern immer noch Gesetze existieren, die von Lepra betroffene Menschen diskriminieren?

Erfolgsgeschichte: DAHW und Lepra

Am 18. Januar 1957 gegründet, unterstützt die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe Programme und Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Darunter sind Krankenhäuser, Forschungs- und Sozialprojekte, Aus- und Weiterbildungen sowie nationale Kontrollprogramme zur Bekämpfung von Armutskrankheiten wie Lepra und Tuberkulose, aber auch weitere vernachlässigte Tropenerkrankungen wie Schistosomiasis oder Chagas.

In vielen Projekten steht inzwischen die soziale Arbeit mit den von Lepra betroffenen Menschen im Vordergrund: Es gilt, Vorurteile oder Diskriminierung abzubauen und betroffene Menschen wieder in ihr gewohntes Umfeld zu integrieren. Neben den rein medizinischen Ansätzen um Gesundheitserziehung geht es besonders um Empowerment – die Befähigung, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu leben.

Die DAHW setzt sich für Menschen mit Behinderung ein: Ziel ist es, durch „gemeindenahe Rehabilitation“ einerseits Menschen zur Teilhabe am Leben ihrer Gemeinde zu befähigen, andererseits die Gemeinde für die Rechte und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren.

Die DAHW steht für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit und für Kontinuität in den Hilfsprojekten. Die Mitarbeiter in den Projekten stammen überwiegend aus den jeweiligen Regionen.

Ein starker Netzwerker – hier einige Bündnisse, in denen die DAHW aktiv ist:

  • ILEP - Internationale Vereinigung der Lepra-Hilfswerke
    15 Lepra-Hilfswerke koordinieren ihre weltweite Arbeit. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, Millionen Menschen von Lepra zu heilen, weitere Schädigungen zu verhindern und Stigma abzubauen.
  • LRI – Leprosy Research Initiative
    Acht Lepra-Hilfswerke unterstützen gemeinsam Forschungsprojekte zu Lepra.
  • DNTDs - Deutsches Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten
    Experten aus Wissenschaft, Unternehmen und NGOs tauschen ihre Erfahrungen beim Umgang mit NTDs und den betroffenen Menschen aus.
  • VENRO - Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen
    Rund 120 deutsche Nichtregierungsorganisationen fordern gemeinsam die Umsetzung von Entwicklungszielen und die Bekämpfung der Armut.
  • BEH - Bündnis Entwicklung hilft
    Als assoziiertes Mitglied setzt die DAHW Katastrophenhilfe oder Wiederaufbau in ihren eigenen Schwerpunktländern um.
  • Stop-TB-Partnerschaft
    Initiiert von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzen sich 500 Organisationen für eine kontrollierte und weltweit standardisierte Behandlung aller TB-Patienten ein.
  • DZK - Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose
    1895 mit Robert Koch gegründet, als TB auch in Deutschland noch die häufigste Todesursache war. Aufgabe ist die Vernetzung von Forschung, Lehre und Praxis.
  • Aktionsbündnis gegen Aids
    Rund 400 Organisationen der Aids- und Entwicklungszusammenarbeit wollen im Kampf gegen Aids Politik und Pharma-Industrie in die Verantwortung nehmen.