Strategie gegen NTDs

Einer von sechs Menschen weltweit ist von einer armutsassoziierten und vernachlässigten Tropenkrankheit (Neglected Tropical Diseases, NTDs) betroffen, rund eine halbe Million Menschen jährlich stirbt infolge einer Infektion. Damit zählen NTDs zu den größten globalen Gesundheitsproblemen. Ihre Bekämpfung bedarf länderübergreifender Strategien und umfassender, ganzheitlicher Ansätze.

Die internationale Staatengemeinschaft hat das Problem erkannt:

  • 2005 veranstalten die Weltgesundheitsorganisation WHO und die damalige Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) eine wegweisende Konferenz in Berlin, um Maßnahmen zur großflächigen Behandlung der häufigsten NTDs in einem „rapid impact package“ ( "Paket mit rascher Wirkung") zu bündeln. Durch den Einsatz verschiedener Interventionen, deren Kosten bei weniger als einem Euro pro Person und Jahr liegen, können deutliche Erfolge im Kampf gegen die NTDs Lymphatische Filariose (Elephantiasis), Flussblindheit und Trachomen erreicht werden.
  • 2007 die WHO organisiert das erste NTD Treffen mit globalen Partnern
  • 2008 NTDs das erste Mal auf der G8 Agenda in Japan
  • 2011 veröffentlicht die WHO eine sog. NTD-Roadmap mit ambitionierten Zielen zur Eliminierung einiger der heute 20 vernachlässigten Tropenkrankheiten bis zum Jahr 2020.
  • 2012 schließen sich UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und forschenden Pharmaunternehmen zusammen, um mit der gemeinsamen Verabschiedung der "Londoner Erklärung über vernachlässigte Tropenkrankheiten" („London Declaration on NTDs“) die weltweite Bekämpfung von NTDs zu verstärken. Das Ziel: zehn NTDs bis 2020 ausrotten oder signifikant eindämmen.
  • 2015 wird das Ziel, vernachlässigte Tropenkrankheiten bis zum Jahr 2030 zu beseitigen, in die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen aufgenommen.
  • Ebenfalls 2015 bekennen sich Regierungschefs der G7-Staaten unter deutscher Präsidentschaft bei ihrem Gipfeltreffen in Elmau dazu, in die Prävention und Bekämpfung von NTDs zu investieren, um ihre Eindämmung bis 2020 zu erreichen.
  • 2017 WHO organisiert nach 10Jahren das 2. Meeting mit globalen Partner zur Bekämpfung von NTDs
  • 2019 wird die auslaufende "NTD-Roadmap" der WHO fortgeschrieben und angepasst: Der neue Zielkatalog zur Eliminierung von NTDs bis 2030 soll bei einem hochrangigen Gipfeltreffen am 25. Juni 2020 in Kigali (Ruanda) erfolgen. An der Entwicklung dieser neuen Roadmap und an der Definition von Zielen und Zwischenschritten waren von NTDs betroffene Länder, Geberstaaten und weitere Akteure im Kampf gegen NTDs beteiligt.

Überblick der WHO empfohlenen NTD-Interventionen

  • Flächendeckende Präventivbehandlung (Preventive Chemotherapy, PCT) der gefährdeten Bevölkerung, d. h., alle Menschen, die betroffen sein könnten, werden ohne Diagnose mit antimikrobiellen oder entwurmenden Medikamenten behandelt.
  • Intensiviertes Krankheitsmanagement (Intensified Disease Management, IDM), d. h., klinische Untersuchung von potenziell betroffenen Menschen zur Sicherung der Diagnose und anschließende gezielte Behandlung.
  • Sog. Vektorkontrolle zur Bekämpfung von Krankheitsüberträgern: Aufbau von Kapazitäten in betroffenen Regionen zur Identifikation, Entleerung und Beseitigung von Brutplätzen von Krankheitsüberträgern (Vektoren), wie zum Beispiel durch Versprühen von Insektiziden oder die Ausgabe von Moskitonetzen.
  • Maßnahmen in der Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung (WASH) zur Vermeidung von Ansteckung und Unterbrechung der Übertragungskette.
  • Maßnahmen im veterinär-medizinischen Bereich zur Verbesserung der häuslichen Viehhaltung und damit Eindämmung von Krankheiten.

Die Maßnahmen der DAHW

Im Kampf gegen die NTDs Schistosomiasis und Lymphatische Filariose setzt die DAHW vor allem sog. PCT-Maßnahmen um. Das IDM kommt bei Lepra, Buruli Ulcer, Chagas und Leishmaniose erfolgreich zum Einsatz. Doch immer mehr nationale Gesundheitsprogramme fokussieren sich aufgrund knapper Ressourcen auf die Durchführung von periodischen Massen-Medikamenten-Gaben (Mass Drug Administration, MDA). Diese beinhalten jedoch keine medizinische Nachsorge und erreichen nicht alle Risikogruppen.

Deshalb will die DAHW hier mit einem holistischen, also ganzheitlichen Ansatz bestehende Versorgungslücken schließen. Zudem unterstützen wir den Ausbau einer dezentralen medizinischen Versorgung in unseren Einsatzländern. Dabei arbeiten wir eng mit den Gemeinden zusammen: um die Bevölkerung insgesamt zu sensibilisieren, Bedarfe nach Versorgungs- und Präventionsmaßnahmen zu identifizieren und um sicherzustellen, dass insbesondere vulnerable (verletzliche) Personengruppen Zugang zu einer guten Diagnose und Behandlung erhalten, auch bei chronischen Erkrankungen.