TB: Gefährliche Resistenzen

Resistenzen gegen Antibiotika sind von Menschen verursacht: Wird eine Therapie mit Antibiotika vorzeitig abgebrochen, werden überlebende Bakterien gegen die bislang eingesetzten Medikamente resistent und geben diese Information bei ihrer Teilung weiter.

Eine „einfache“ Tuberkulose kann wie folgt behandelt werden: Die Standard-Therapie mit den Antibiotika Rifampicin, Isoniazid, Ethambutol und Pyrazinamid muss über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten eingenommen werden – die ersten beiden Monate alle vier, danach noch Rifampizin und Isoniazid.

Einfache / mehrfache Resistenz

Ist der Bakterienstamm gegen ein oder mehrere Antibiotika der Standard-Therapie resistent, muss man diese austauschen und die Therapie verlängern.

Multiresistente Tuberkulose (MDR-TB)

Hier sind TB-Erreger gleichzeitig resistent gegen Rifampicin und Isoniazid, die beiden wichtigsten Medikamente der Standard-Therapie.

Es reicht nicht aus, diese beiden Medikamente auszutauschen. Hilfe kann es nur durch einen Mix aus anderen Antibiotika geben, z.B. Capreomycin, Kanamycin, Thionamide wie Ethionamid, Fluorchinolone wie Moxifloxacin, sowie Bakteriostatika wie Cycloserin.

Viele dieser Ausweichmedikamente („Second Line“) sind durch ihren vorhandenen Patentschutz teuer und in Entwicklungsländern für die meisten Menschen unerschwinglich. Nebenwirkungen treten oft und heftig auf, beispielsweise schwere Schädigungen des Nervensystems oder Hörschäden bis zur Taubheit. Derzeit gibt es Aussichten auf neue Medikamente zur Behandlung von MDR-TB. Bis zur Zulassung wird es allerdings noch einige Jahre dauern, und dann werden sie wohl für die arme Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht oder kaum bezahlbar sein. Aus diesen Gründen können bis dato dort auch die neuen Medikamente Bedaquilin und Delamanid nur selten Anwendung finden.

Extensiv resistente Tuberkulose (XDR-TB)

Bakterienstämme der XDR-TB haben zusätzlich zu den Resistenzen der MDR-TB auch Resistenzen gegen Fluorchinolone sowie ein weiteres Second-Line-Medikament. Dadurch wird die Auswahl der Ersatzmedikamente eingeschränkt.

Auch die Diagnose ist sehr aufwendig und teuer, in Entwicklungsländern gibt es nur wenige Labore, die eine XDR-TB eindeutig identifizieren können. So sterben viele Patienten während der bis zu zwei Jahre dauernden MDR-Behandlung, weil die Bakterien zusätzliche Resistenzen im Sinne einer XDR-TB hatten.

Gegen Ausweichmedikamente können ebenfalls Resistenzen vorliegen. Die betroffenen Patienten können lediglich darauf hoffen, dass die neu in der Forschung befindlichen Medikamente bald fertig entwickelt und getestet sind. Allerdings werden die oft nur rudimentären Gesundheitssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern diese teuren Medikamente nicht bereit stellen können. So sterben Menschen, weil sie arm sind.