24. March 2019

Afghanistan: mit humanitärer Hilfe Tuberkulose den Kampf ansagen

Teams der lokalen Organisation LEPCO und der DAHW verteilen Nahrungspakete für Geflüchtete und TB-Patient*innen in den Notunterkünften. Foto: Lepco / DAHW

Binnenflüchtlinge sind besonders häufig betroffen. Mobile Kliniken behandeln vor Ort

„Weitermachen ist sinnlos, aber aufhören ist noch sinnloser. Also machen wir weiter.“ Eines der vielen Zitate von der in Pakistan verstorbenen Ärztin und Ordensfrau Dr. Ruth Pfau beschreibt auch die Situation der Menschen in Afghanistan wohl am besten. Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe arbeitet seit Anfang der 1970er-Jahre in dem Land am Hindukusch. Sie ist eine der wenigen Hilfsorganisationen, die auch während der andauernden Bürgerkriege aktiv war und ist. Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit zählt auch die Behandlung von Tuberkulose (TB).

Bürgerkrieg und Tuberkulose

Vor wenigen Monaten erst war DAHW-Mitarbeiter Jürgen Ehrmann im afghanischen Projektgebiet. „Es gibt Not, die ich mir so nicht vorstellen konnte. Nach den vielen Jahren Krieg leidet die Zivilbevölkerung unter Krankheiten, Hunger und Elend“, berichtet er. Aufgrund der angespannten Bürgerkriegssituation mit den vielen Binnenflüchtlingen und der Enge in den Lagern, in denen Männer, Frauen, Kinder - dicht gedrängt - Zuflucht suchen, brechen immer wieder Tuberkulose-Erkrankungen aus.

Es grenzt fast an ein Wunder, dass trotz des andauernden Krieges die lokale Partnerorganisation GESA Gesundheitshilfe Afghanistan (LEPCO) e.V.  arbeiten und die Menschen versorgen kann. Zwar eingeschränkt aber doch soweit, dass die Hilfe ankommt. Zu verdanken ist das auch  Dr. Ruth Pfau, die 1984 von Pakistan aus die bis heute geschätzte Hilfsorganisation gegründet hat mit dem Ziel, gemeinsam mit der DAHW ein nationales Lepra-und später das Lepra- und TB-Kontrollprogramm in dem Land aufzubauen.

Schlechte Hygienebedingungen in den Camps

Zwar trägt jeder dritte Mensch weltweit den Tuberkulose-Erreger in sich, doch zum Ausbruch der Krankheit kommt es erst, wenn das Immunsystem des Betroffenen bereits geschwächt ist. „Die Strapazen der Flucht setzen den meist sowieso schon unterversorgten Menschen extrem zu. Hinzu kommt, dass sie hier auf engstem Raum unter schlechten Hygienebedingungen leben müssen. Denn je früher wir eine TB-Erkrankung erkennen und behandeln, umso geringer ist das Risiko, dass Menschen sterben oder eine Epidemie ausbricht.“

In den Flüchtlingscamps herrscht Kälte und Armut, denn die Menschen mussten fast alles zurücklassen. Die Rückkehr in ihre Heimatdörfer ist ungewiss, denn viel haben die im Februar erfolgten Friedensgespräche mit den Taliban und ausländischen Vermittlern in Katar nicht gebracht, weil afghanische Regierungsvertreter fehlten. Eine Farce also, die mit weiteren Sprengstoffanschlägen und bewaffneten Überfällen einherging. Wie immer sind hauptsächlich Zivilisten die Leidtragenden, die dabei getötet oder schwer verletzt werden. Und jene, die noch einmal der tödlichen Spirale aus Gewalt, Hass und Macht entkommen, fliehen in andere Regionen des Landes, die angeblich sicherer sind. Genau um diese Afghanen geht es. Die Vertreibung, der Verlust der Heimat, hat sie geschwächt. Dieser Zustand  begünstigt nur noch das Risiko, eine Infektion zu bekommen.

Hilfe durch mobile Kliniken

Und genau hier setzen die mobilen Kliniken von DAHW und LEPCO an. Das Team von LEPCO muss zwar zu seiner eigenen Sicherheit dabei seine medizinische und humanitäre Hilfe auf die Gebiete beschränken, in denen es einigermaßen sicher arbeiten kann. Wo das ist, ist immer abhängig von der jeweiligen Situation im Land. Einigermaßen sicher ist die Hauptstadt Kabul und Umgebung sowie das Hochland Hazarajat in Zentral-Afghanistan. Doch auch das kann sich jederzeit ändern. Mithilfe eines kleinen Labors können Tuberkulose-Tests schnell und effizient durchgeführt werden. Damit können nicht nur Leben gerettet, sondern auch die Ausbreitung von Epidemien gestoppt werden. Aufhören wäre also sinnlos, wie es schon Dr. Pfau betont hatte.


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