18. March 2020

Awaiz hat das Leben wieder vor sich

Tuberkulose-Patient Awaiz bei der Visite mit Dr. Chris Schmotzer (DAHW, Mitte). Foto: ALP / DAHW

Die Behandlung seiner Tuberkulose verläuft vielversprechend - Bericht von Dr. Chris Schmotzer.

Im August 2019 kommt eine besorgte Frau in unsere Sprechstunde ins Hospital in Rawalpindi (Pakistan). „Bitte sieh Dir die medizinischen Unterlagen meines Sohnes Awaiz an“, sagt sie zögernd. Der 17-Jährige wird seit fünf Monaten in einem staatlichen Gesundheitszentrum der Hauptstadt Islamabad auf Tuberkulose behandelt. Doch es geht ihm nicht besser.

Er wurde zu uns überwiesen, damit er intensiv untersucht wird. Wir beginnen sofort mit den Labortests und schnell ist klar: Awaiz Saleem Akhtar hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sogenannte Multiresistente Tuberkulose (MDR-TB). Der vollautomatische Schnelltest „GeneXpert“ zeigt eine Resistenz auf das wichtigste Antibiotikum (Rifampicin) bei der TB-Behandlung an. Das Medikament wirkt nicht gegen die TB-Erreger in seinem Körper.

Wir erklären der Mutter, dass ihr Sohn eine spezielle Tuberkulosebehandlung braucht, aber gute Aussichten hat, wieder ganz gesund zu werden. Das beruhigt sie etwas. Für Awaiz beginnen sofort die notwendigen Voruntersuchungen für die Behandlung.

Zur Bestätigung des ersten Tests müssen zwei komplizierte und teure Auswurfuntersuchungen (tief aus den Bronchien ausgehusteter Schleim/Sputum) bei Awaiz durchgeführt werden. Ein Schnelltest auf weitere Antibiotikaresistenzen und eine umfassende Kultur- und Resistenzbestimmung „seines“ TB-Bakteriums.

Behandlung mit neuer Medikamenten-Kombination

Awaiz hat Glück im Unglück: Sein TB Keim ist „nur“ gegen drei Antibiotika (Rifampizin, Isoniazid und Ethambutol) resistent, nicht gegen weitere. Außerdem sind alle anderen Voruntersuchungen ohne kritischen Befund. Auf dem Röntgenbild der Lunge sind zwar typische Zeichen einer Tuberkulose zu erkennen, die jedoch nicht lebensbedrohlich sind. Damit kann er mit einer neuen hochwirksamen Medikamenten- Kombination behandelt werden. Eine intensive Kurztherapie, die nur 9 bis 11 Monate gegeben werden muss.

Awaiz fällt es schwer, seine Krankheit zu akzeptieren. Er geht ins College und möchte keinen Tag versäumen. Doch er muss ab sofort für mehrere Monate jeden Tag eine Spritze mit Antibiotika bekommen. Um sein Ziel zu erreichen, im Frühjahr 2021 seine Abschlussprüfung am College zu machen, ist diese Behandlungsform ohne Alternative. Ohne die Injektionen, nur durch Medikamente in Tablettenform, würde die Behandlung bis zu 24 Monate dauern.

Wir vereinbaren mit Awaiz, dass er nachmittags nach dem Collegebesuch ins Hospital kommt, um seine Spritze zu bekommen. Die nötigen monatlichen Tests werden jeweils am Wochenende gemacht, weil er samstags frei hat. Awaiz stimmt dem „Fahrplan“ sehr zur Freude seiner Mutter zu.

Inzwischen wissen wir, dass Awaiz die Behandlung gut verträgt. Seine Laborwerte sind stabil und im vergangenen Dezember bekommen wir vom Labor die sehr erfreuliche Nachricht, dass in seinem Sputum keine TB-Bakterien mehr nachweisbar sind. Sein Körper spricht auf die Medikamente sehr gut an.

Awaiz muss noch ein Stück des Weges gehen, bis er die Tuberkulose und ihre Auswirkungen ganz überwunden hat. Aber: er hat das Leben wieder vor sich.

Früherkennung durch Angehörige

Es ist herzerwärmend zu sehen, wie dankbar seine Mutter ist. Solche Menschen tun uns und ihrem Land einen großen Dienst: Sie ermutigen und überzeugen Angehörige und Bekannte, sich untersuchen zu lassen. Sie sagen: „Hier ist jemand, der könnte auch Tuberkulose haben. Ihr könnt doch was machen, bitte untersucht sie/ihn.“ Das ist praktische Früherkennung.

Ein Mitarbeiter aus unserem TB-Team hat in der Zwischenzeit die Familie besucht, um Angehörige mit TB-Verdacht zu suchen. Beim Vater und einem Bruder wurden Untersuchungen durchgeführt. Sie waren zum Glück ohne Befund.

Wir sind dankbar und freuen uns, dass wir auf Ihre Unterstützung als Spender*innen vertrauen können. Nur so können wir unsere Arbeit zum Wohle der Menschen durchführen.

Vielen Dank und herzliche Grüße Ihre Dr. Chris Schmotzer


Neue Lebensfreude für Betroffene

Spenden ermöglichen es uns, TB-Patient*innen wie Awaiz best möglich zu unterstützen und zu heilen.


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