16. August 2017

DAHW trauert um Gisela Borowka

Gisela Borowka kam Schwester Isabella in Indonesien zur Hilfe und blieb dort bis zu ihrem Tod

Die als „Mama putih – weiße Mutter“ bekannte Schwester Gisela Borowka ist am 9.8.2017 nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren im Krankenhaus von Kupang (Ostindonesien) verstorben.

Gisela Borowka wurde am 25. August 1934 in Neisse/Oberschlesien geboren. Ihren Schulabschluss erwarb sie in Apolda/Thüringen. Danach wollte sie  auf jeden Fall einen sozialen Beruf ergreifen. Nachdem sie  zwei Jahre als Kindergartenhelferin in Weimar tätig war, entschloss sie sich, Seelsorge-Helferin zu werden. Dies war in der ehemaligen DDR keine einfache Entscheidung. Im Mai 1952 besuchte sie das Seelsorgehelferinnen-Seminar in Erfurt und arbeitete von 1953 bis 1954 als Praktikantin in verschiedenen Pfarrgemeinden.

„In einem Pfarrhaus fand ich einmal beim Aufräumen der Abstellkammer einige alte Zeitschriften und Kalender. Ich blätterte darin und fand einen Bericht über die Missionsärztliche Klinik in Würzburg, wo man eine kostenlose Ausbildung als Krankenschwester bekommen und – als Mitglied dieses Säkularinstituts – in einem Missionsland arbeiten konnte.“ Einige Wochen später besuchte sie den Deutschen Katholikentag in Fulda und fuhr nach Würzburg, um sich beim Missionsärztlichen Institut zu bewerben. Schließlich brach sie ihre Ausbildung in Erfurt ab und begann noch 1954 in Würzburg mit der Ausbildung als Krankenschwester.

Gisela Borowka war eine der ersten Krankenschwestern in Bisidimo/Äthiopien
Gisela Borowka war eine der ersten Krankenschwestern in Bisidimo/Äthiopien

In Würzburg begegnete sie ihrer späteren Freundin Isabella Diaz-Gonzales, die in Deutschland eine Ergänzungsausbildung als Hebamme erhielt. Diese Krankenschwester war aus Indonesien nach Deutschland gekommen. „Mit Begeisterung hörte ich zu, wie sie von ihrer Heimat erzählte. Ich ließ mir Fotos zeigen und erfuhr dabei, dass Isabella vorher schon in Jakarta eine Ausbildung als Lepra-Pflegerin erhalten hatte. Sie berichtete von Leprakranken in ihrer Heimat, die noch immer ein ähnliches Schicksal wie zu Pater Damians Zeiten zu erdulden hatten. Damals versprach ich, dass ich einmal mit ihr nach Indonesien gehen und für Leprakranke arbeiten würde.“

Nach der Ausbildung zur Krankenschwester entschied sich Gisela Borowka dafür als Krankenschwester in das Marienhospital nach Bottrop/Westfalen zu gehen und erfuhr 1958 von Schwester Isabella, dass in Würzburg das „Deutsche Aussätzigen Hilfswerk“ gegründet worden war und man für Äthiopien Krankenschwestern für die Arbeit in einem Lepradorf und in einem Krankenhaus suchte. Schwester Gisela Borowka bewarb sich bei der DAHW und gehörte dann zu den Pionieren, die ab 1958 in Bisidimo die ersten Aktivitäten starteten.

Frau Gisela Borowka inmitten ihrer Kinder.
Frau Gisela Borowka inmitten ihrer Kinder.
Foto: dental-qm

1959 ermöglichte die DAHW Schwester Isabellas Rückkehr nach Indonesien. Dort begann sie auf der Insel Lembata mit der Lepraarbeit. 1963 folgte ihr dann Gisela Borowka auf einem Frachtschiff – mit einem DAHW-Arbeitsvertrag in der Tasche –  von Äthiopien aus nach Indonesien. Mit Unterstützung der DAHW  konnten sie 1969 ein kleines Krankenhaus auf der Insel errichten. Gisela Borowka arbeitet bis Ende des Jahres 2000 für die DAHW vor Ort. Nach ihrer Pension gründete sie ein Waisenhaus und finanzierte es fortan durch ihre Rente und eigene Spendenaufrufe .

Gisela Borowka nahm schon während ihrer Tätigkeit für die DAHW immer wieder Waisenkinder auf, zog sie groß und finanzierte ihnen Unterhalt und Ausbildung von ihrem Einkommen und wurde auch in hohem Alter nicht müde, das weiter zu führen. Ihre gute Freundin, Schwester Isabella, starb fünf Jahre vor ihr am 12. Juni 2012.

Die DAHW war bis ins Jahr 2000 auf Indonesien aktiv. Heute koordiniert die Partnerorganisation der DAHW in der ILEP (Internationale Vereinigung der Leprahilfswerke) „Netherlands Leprosy Relief“ die Lepraarbeit auf Indonesien.