19. September 2017

Damals im Hindukusch

Sie kannte den Aussatz aus der Bibel. Ursula von Hochstamm war Religionslehrerin an der Adalbert-Stifter-Realschule in Schwäbisch Gmünd. Heute ist sie pensioniert und unterstützt die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V..

 „Es sind keine großen Beträge, aber ich spende regelmäßig“, betont die Rentnerin heute. Wie es dazu kam, hat sie in einem berührenden Gespräch erzählt. Es war Anfang der 1970er Jahre, die Welt war damals noch eine ganz andere als die, die wir heute kennen.

Ursula von Hochstamm und ihr Ehemann auf einer ihrer Reisen.
Foto: Fam. von Hochstamm

Mit dem Käfer die Welt entdecken

Ferne Länder lockten die Schwäbisch Gmünderin schon immer. Die junge Lehrerin war verheiratet, ihr Mann noch Student. In den Ferien wurden die erträumten Abenteuer verwirklicht. 1973 war es Afghanistan. Die Sehnsucht nach Weite, einem unbeschwerten Leben unterwegs und das Exotische waren es, dass das junge Paar in den Orient ziehen ließ. Nicht nur ihr VW-Käfer sondern auch sie selbst überstanden heil die lange Fahrt. Nach der Rückkehr war für beide klar, dass sie, sobald wie möglich, noch einmal diese Reise wagen würden. Doch mit Anfahrt waren sechs Wochen Schulferien einfach viel zu kurz. So wurde der Schwager vorausgeschickt, denn der hatte etwas mehr Zeit, auch wenn er nicht allzu begeistert war. Innerhalb weniger Wochen kam er in Teheran in einem VW-Bus an, übergab ihn dem jungen Paar, das geflogen war und reiste selbst wieder nach Hause.

Mit dem VW Bus am Hindukusch.
Foto: Fam. von Hochstamm

Orientalisches Abenteuer

So einfach ließ sich der Wunsch nach längeren Ferien umsetzen! Denn diesmal stand auch das damalige Persien auf dem Reiseprogramm. „Das Umschreiben des Bulli auf mich geschah mit vielen orientalischen Einlagen“, schmunzelt die 69-Jährige heute. „Nachdem das geschehen war überquerten wir die Grenze nach Afghanistan. Über Kandahar und Kabul setzten wir unsere Reise in den Hindukusch fort.“ In dem kleinen Dorf Band i Amir geschah das für Ursula von Hochstamm Unfassbare. „Eine Frau löste sich aus ihrer Familie heraus und kam direkt auf mich zu. Klagend streckte sie mir ihre Hände entgegen. Die Finger waren nur noch Stümpfe, abgestorben. Und eine Nase hatte sie auch nicht mehr.“ Die Religionslehrerin wusste sofort, an was sie litt: Lepra. Die Deutsche fühlte sich in diesem Moment sehr, sehr hilflos. „Ich gab ihr Aspirin und Wundsalbe. Mehr hatte ich nicht dabei.“

Das war das Schlüsselerlebnis, das die zweifache Mutter nie mehr vergessen konnte. Und genau deshalb spendet sie bis heute. Für die Leprakranken in der Welt, die sie an diese Frau erinnern. Damals, 1975 im Hindukusch.


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