07. Februar 2014

Eindrücke der Reise nach Ganta - Teil II

Das Ganta Leprosy und TB Rehabilitation Center ist eine eigene Welt. Es ist gleichermaßen Wohnort, Krankenhaus, Rehacenter, Farm, Kirche, Gemeinde verschiedenster Glaubensgruppen.

Hier treffen Heute und Gestern frontal aufeinander. Kinder wachsen heran, die den

Bürgerkrieg nicht erlebt haben, unmittelbar mit oder neben Menschen, die alles

verloren haben, deren Familien niedergemetzelt wurden. Vielfach finden

sich Opfer und Täter heute als Patienten

hier vereint. Einige der Leprapatienten waren noch wirklich brutalste und bis

heute traumatisierte Kämpfer in den Rebellentruppen, bevor sie an Lepra

erkrankten und dort aus Angst vor der Lepra herausgeworfen wurden. Die Angst in

der unaufgeklärten Bevölkerung ist auch heute noch groß. Wir konnten dies bei

der Zollabfertigung bei der Einreise nach Liberia positiv nutzen. So wir unsere

Koffer öffnen mussten, reichte es zu sagen, dass wir ins Lepraprojekt fahren

wollen. Und der Koffer fiel wieder zu.

Was nur schwer zu beschreiben ist: Ganta ist die zweitgrößte Stadt in Liberia.

Ganta liegt fußläufig zur Grenze nach

Guinea. Ganta hat keine asphaltierte Straße. Keine Häuser, die höher wären als

zwei Stockwerke – bis auf ein Gebäude nahe der „Hauptstraße“, in dem ein mutiger Investor Ladenlokale und

Appartements nach europäischem Stil errichtet hat. Es sieht aus wie ein

Fremdkörper. Das an der Hauptstraße gelegene Zentrum besteht aus kleinen

Lokalen, Geschäften, Kiosken, Marktständen, Straßenständen, Tankstellen, Restaurants,

Bars, und unendlich vielen Menschen, Motorrädern, Trucks, Autos. Laute Musik

läuft überall. Hupen ersetzt Verkehrsregeln. Und was auffällt, das Durchschnittsalter

scheint sich um die 20 zu bewegen. Der Krieg hat ganze Generationen ausgelöscht oder ins Ausland vertrieben.

Und hier ein bisschen am Ende der Welt liegt das Ganta Rehabilitations

Center.

Es ist Lepra- und Tuberkulose-Referenzcenter. Gleiches gilt

für Buruli Ulcer – die Krankheit, die oft auch als die kleine Schwester der

Lepra bezeichnet wird, da sie zu Geschwüren und zu Verstümmelungen führt. Und

meist sind Kinder die Opfer des brutalen Erregers, von dem man glaubt, er

verbreite sich hauptsächlich über Gewässer. Der verantwortliche Mediziner, der

für die DAHW dort arbeitet, ist Holländer. Pieter de Koning. Er kennt sich aus

in Afrika. Er ist der Typ Mediziner, der seinen Beruf und seine Patienten

liebt. Er kann zuhören, ehrliche, aber angemessene Antworten geben, ist

zugewandt, respektvoll. Und das gibt ihm jeder im Projekt zurück.

Ganta ist neuerdings auch Referenzzentrum für die

multiresistente TB. Behandeln kann das Team um Pieter de Koning dort aber nur

„normale“ TB-Fälle. Der seitens der Regierung zugesagte, neue Krankenhaustrakt

für die MDR-TB Patienten sollte im Sommer 2013 fertig sein. Faktisch hat damit

aber noch niemand begonnen. Ebenso wartet Pieter auf die Medikamente, mit denen

man diese MDR-TB behandeln könnte. Das ist eben auch Liberia. Es geschieht

nicht alles, was gesagt wird. Und es dauert. Im Moment träumen alle davon, 24

Stunden lang Strom zu haben, statt nur

stundenweise den eigenen Generator nutzen zu können. Wie die Verhandlungen mit dem staatlichen

Stromanbieter ausgehen, weiß noch keiner. Bestechungsgelder würden es sicher

beschleunigen, doch dieses Spiel spielen die Mitarbeiter des Projekts nicht mit. Darauf sind sie sehr stolz.

Für das Reiseteam

Harald

Meyer-Porzky

Öffentlichkeitsarbeit

& Fundraising
Stellvertr.

Geschäftsführer