16. September 2019

Internationaler Lepra-Kongress in Manila

V.l.n.r Mr. Shibu, Dr Ananth Reddy, Dr. Saskia Kreibich, Sr. Dr. Ancily Francis, Dr. Christa Kasang, Sr. Julia, Dr. Vivek Lal und Dr. Vivek Srivastava

Vom 10. bis 13. September 2019 fand in Manila auf den Philippinen der 20. Internationale Lepra-Kongress statt.

Eine wichtige Gelegenheit für Vertreter*innen aus Wissenschaft, Forschung, Medizin und nationalen Lepra-Programmen, um sich über die globalen Herausforderungen auszutauschen, die erforderlich sind, um die drei großen Ziele von „Zero Transmission“ („Null Übertragung“), „Zero Disability“ („Null Behinderung“) und „Zero Discrminiation“ (Null Diskriminierung“) zu erreichen. Auch Mitarbeiter*innen der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulose e. V. waren auf diesem wichtigen Fachkongress vertreten: Aus dem Hauptquartier in Würzburg Dr. Saskia Kreibich (Fachbereich Medizin) und Dr. Christa Kasang (Fachbereich Forschung), aus Indien Dr. Vivek Srivastava (DAHW-Regionalrepräsentant in Asien), Dr. Vivek Lal (Medizinischer Berater) und Shibu George (Fachbereich Soziales) sowie Dr. Irene Ayakaka (Medizinische Beraterin im DAHW-Regionalbüro in Ostafrika), Dr. Chukwuka Alphonsus (DAHW-Arzt in Nigeria) und Dr. Blasdus Njako (Medizinischer Berater der DAHW in Tansania).

In den 35 Jahren seit der Einführung der lepraheilenden „Multi-Drug-Therapie“ (MDT), an deren Entwicklung die DAHW maßgeblich beteiligt war, wurde im Kampf gegen die vernachlässigte Krankheit Lepra viel erreicht: Die Prävalenzrate (also die Häufigkeit des Vorkommens der Krankheit in einem bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Population) konnte um 95 Prozent gesenkt werden. Doch demgegenüber stehen weiterhin rund 200.000 neu diagnostizierte Lepra-Fälle, die im Durchschnitt der letzten zehn Jahre weltweit jährlich registriert werden. Eine Welt ohne Lepra ist also noch eine Vision  - um sie Wirklichkeit werden zu lassen, bedarf es gemeinsamer strategischer Anstrengungen aller Akteure. Hierfür bietet der 20. Internationale Lepra-Kongress (ILC) in Manila die ideale Plattform.

„Es sind innovative Ansätze und Initiativen notwendig, um die Übertragung von Lepra wirklich zu stoppen, Behinderungen zu verhindern und die Integration zu fördern“, konstatiert Dr. Roch Christian Johnson, Präsident des Internationalen Lepra-Verbandes (International Leprosy Association, ILA), der den 20. ILC ausrichtet. Auf der Agenda der dreitägigen Veranstaltung stand die Überprüfung der Fortschritte in der Umsetzung der globalen Lepra-Strategie der Weltgesundheitsorganisation WHO, die seit des letzten ILC in China erzielt wurden. Zudem soll die globale Partnerschaft gestärkt und integrativ ausgestaltet werden, um alle Ressourcen und Möglichkeiten bestmöglich zu bündeln und die Übertragung von Lepra endlich zu stoppen.

In Kooperation mit anderen Lepra-Bekämpfungsorganisationen und der Novartis Stiftung gelang es der DAHW nachzuweisen, dass die Übertragung von Lepra durch Betroffene auf Angehörige durch die Einmalgabe des Antibiotikums Rifampicin zu einem Großteil unterbrochen werden kann. Auf diese Studie zur Postexpositionsprophylaxe* bei Lepra (genannt „LPEP“) folgt nun ein weiteres Forschungsprojekt: „PEP4LEP“. Gemeinsam mit der niederländischen Leprahilfe NLR, den jeweiligen Nationalen Gesundheitsprogrammen und der Erasmus-Universität in Rotterdam will die DAHW in Äthiopien, Tansania und Mosambik herausfinden, wie sich die Einmalgabe am effektivsten als Standard-Präventionsmaßnahme einführen lässt. Gefördert wird das Projekt von der EU-Initiative „European and Developing Countries Clinical Trials Partnership“ (EDCTP) zur Bekämpfung von armutsbedingten Infektionskrankheiten – es ist das erste Mal, dass EU-Gelder für die Lepra-Forschung genehmigt werden und könnte den erhofften Durchbruch bringen.

*Als Postexpositionsprophylaxe (PEP) bezeichnet man u.a. die Medikamentengabe nach möglichem Kontakt mit Erregern einer potenziell gesundheitsgefährdenden Erkrankung, um ihren Ausbruch zu verhindern.