31. Mai 2018

Nanyumbu in Tansania – Wir sind dort, wo die Straßen enden

Die Tabletten werden von Gesundheitshelfen an die Betroffenen ausgegeben.
MDT-Combi Tabletten gegen Lepra Foto: Sonja Becker / DAHW

Eine Reportage von Dr. Christa Kasang, Forschungskoordinatorin der DAHW

Im Rahmen der LPEP-Studie (LepraPost Expositions Prophylaxe) war ein Team der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe im Juli 2017 in Tansania unterwegs. Dr. Christa Kasang berichtet.

Die Gruppe von vier freiwilligen Gesundheitsmitarbeitern, vier Ärzten aus dem regionalen und nationalen  Tuberkulose- und Lepra-Programm, einem medizinischen Berater der DAHW Tansania und mir als Forschungskoordinatorin der DAHW machte sich auf den Weg in ein kleines Dorf im Distrikt Nanyumbu. Wir gingen der Meldung nach, dass ein Dorfbewohner in dem nächstgelegenen primary health care center (lokale Gesundheitsstation) mit Lepra diagnostiziert wurde.

Lepra beginnt dort, wo die Straßen aufhören

Wir waren vom Flughafen sieben Stunden mit dem Auto unterwegs, um in diesen Distrikt zu kommen. Von dort benötigten wir weitere zwei Stunden über unbefestigte Straßen bis zu dem Dorf. Die letzten 20 Kilometer fuhren wir auf einem Motorradpfad, eine Straße gab es nicht mehr. In dem Dorf angekommen sprachen wir zuerst mit dem Leprapatienten und baten ihn um sein Einverständnis, das Dorf zu „screenen“. Alle Bewohner, vorrangig seine direkten Angehörigen, sollten auf Lepra untersucht und es sollten prophylaktische Maßnahmen durchgeführt werden. Er war einverstanden. Der Patient, ein Mann mittleren Alters, war glücklich über unser Kommen. Im Dorf war schon Thema, dass er an Lepra erkrankt sei. Als er sagen konnte, dass nun ein Team komme und ein Medikament mitbringe, das vor Ansteckung schützen könne, war zu spüren, wie gleich die Angst und die Vorurteile gegenüber dem Patienten weniger wurden.

Ein Dorf wird untersucht

Bei unserer Ankunft waren mehr als 60 Dorfbewohner versammelt. Sie hatten uns erwartet und freuten sich über die Ankunft der Experten. Alle ließen sich freiwillig registrieren. Die Bewohner wurden einzeln auf etwaige Läsionen (Schädigungen der Haut) untersucht. Unter den Dorfbewohnern haben wir fünf neue Patienten gefunden. Drei der fünf waren direkte Verwandte des Patienten, zwei von den fünfen waren Kinder. Eigentlich sollten die Kinder bei unserer Ankunft in der Schule sein. Sie waren extra für die Untersuchung zu Hause geblieben. Ein Mädchen, das schon in eine höhere Klasse der Grundschule geht, sagte mir, dass sie auch am nächsten Tag nicht zur Schule gehen könne. Ich schaute sie an und fragte sie, warum. Sie zögerte und sagte, „Ich kann nicht“. Ich hakte nach, „Was ist los?“. Daraufhin ging sie zurück in ihre Hütte und holte die Schuluniform. Das Tragen einer Schulkleidung ist in Tansania Pflicht. Der ausgeblichene Rock hatte einen riesigen Riss. „Mit dieser Schuluniform kann ich nicht in die Schule gehen“, sagte sie mir. Zufällig hatte ich noch ein Nähset aus dem Hotel in meinem Rucksack. Zusammen mit dem Mädchen setzte ich mich unter einen Baum und gemeinsam haben wir den Riss in ihrer Schulkleidung genäht. So stand ihrem Schulbesuch am nächsten Tag nichts mehr im Wege.

Eine erfolgreiche Mission

Es nahm fast den ganzen Tag in Anspruch, bis alle Dorfbewohner untersucht und die fünf neu entdeckten Patienten in das Nationalprogramm aufgenommen waren. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, dass schnellstmöglich mit ihrer Therapie begonnen werden konnte. Nachdem wir uns von den Bewohnern verabschiedet hatten, traten wir am späten Nachmittag die mehrstündige Rückfahrt an. Zwei Dinge hat uns der Besuch in dem Dorf eindeutig gezeigt: Es war wichtig, die lokalen Gesundheitsmitarbeiter dabei zu haben und sich die Zeit genommen zu haben, erst einmal in Ruhe mit dem Dorfführer, dem Patienten und den Dorfbewohnern zu sprechen. Ihnen zu erklären, wie unsere Vorgehensweise ist, was wir tun wollen. Die ausführlichen Erklärungen haben ihnen ihre Ängste genommen, und wir konnten sie überzeugen, dass wir gemeinsam den Kampf gegen die Lepra gewinnen können. So war es für alle eine erfolgreiche Mission.

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