24. October 2018

Porträt: Die Gewissheit, ein wirkungsreiches Leben zu leben

38 Jahre war er im Einsatz gegen Armutskrankheiten auf der ganzen Welt. Dabei hat Ernst Hisch nie den Mut verloren - eine gelebte Arbeitsbiografie wie im Bilderbuch.

Am bedeutendsten für den heute 63-Jährigen war sein erster Aufenthalt für die DAHW Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. in Thailand  Anfang der 1980er Jahre. Auch weil er während der Vorbereitungszeit seine Frau Maria kennengelernt hatte, die aber als Entwicklungshelferin erstmal nach Brasilien ging.

Hisch arbeitete damals für das McKean Rehabilitation Institute und lebte drei Jahre zusammen mit Leprakranken auf einer Insel im Fluss Ping, nahe der nordthailändischen Stadt Chiang Mai. „Das Leben auf der Insel war etwas ganz Besonderes. Denn ich habe von Anfang an Lepra-Kranke als Nachbarn und Kollegen wahrgenommen. Und nicht als Patienten. Ich habe ihre Sprache erlernt und mich gezielt mit ihrer Kultur beschäftigt, um sie auf dem Rehabilitationsweg wirkungsvoller begleiten zu können “, betont er. Damals gab es immer noch eine strikte Ausgrenzung der Kranken; die meisten von ihnen wurden aus ihren Dörfern oder sogar aus ihren Familien vertrieben. Auch heute noch schaut Hisch zuerst auf den Menschen und erst dann auf den Patienten. „Das ist eine etwas andere Herangehensweise, eine andere Annäherung, die mir in meiner Berufslaufbahn immer wieder sehr viel Anerkennung gebracht hat.“ Seinen Schwarm Maria traf er während der Zeit in Thailand nur einmal, doch es reichte aus, um die Liebe zu festigen. Schließlich kam die junge Frau nach Beendigung ihrer Entwicklungshilfetätigkeit zu ihm nach Südostasien und begleitete ihn, wenn er mit dem Motorrad zu den Außenstationen des Leprainstituts im Norden Thailands fuhr.

1984 wurde geheiratet, und für die DAHW folgten gemeinsame Auslandseinsätze in Äthiopien und Tansania. Der Aufbau einer Ergotherapie-Abteilung  am All Africa Leprosy Rehabilitation und Training Center (ALERT) im äthiopischen Addis Abeba war geprägt von schwierigen Lebensbedingungen, der sozialistischen Militärdiktatur, dem Bürgerkrieg mit Eritrea und der großen Hungersnot im Norden des Landes. „Äthiopien war für uns persönlich eine sehr harte Zeit, wir wurden überwacht, unser Telefon wurde abgehört und jede Nacht war Ausgangsperre“, erinnert sich der gelernte Bankkaufmann und Ergotherapeut. „Beruflich, also in der Rehabilitation von Lepra-Kranken, waren wir jedoch sehr erfolgreich“. Addisu Mesfin, ein junger Mann, der trotz seiner durch die Krankheit gezeichneten Hände zum Schneider ausgebildet werden konnte, ist dafür ein Beispiel. Genauso wie die Unterstützung seiner Frau beim Aufbau der Selbsthilfeorganisation Wadiko Yetenessa für 150 Leprakranke mit schweren Behinderungen. „Wir haben Pionierarbeit geleistet, waren die ersten Europäer, die sich trauten, direkt im Slum neben ALERT zu arbeiten. Uns gelang, ‚Lepra-Bettler‘ wieder in ein normales Leben zu führen.“   
Das älteste Kind – Sebastian - wurde in Äthiopien geboren, dann folgte der Wechsel nach Tansania und die Familie vergrößerte sich um Anna und Eva.

„Der Übernahme der Leitung des DAHW Koordinationsbüros in Dar es Salaam veränderte unsere Leben Wir waren beeindruckt von den friedlichen und kinderlieben Menschen und fühlten uns sehr willkommen.“ Die beiden Ältesten besuchten in Dar-es-Salam die Internationale Schule mit dem Bildungsmotto „Lernen macht Spaß“. Doch beschäftigte sich das Ehepaar immer wieder mit Themen der kulturellen Identität. „Wir haben einige Familien kennengelernt, in denen die Kinder ihre Wurzeln vermissten. Man merkte ihnen das an.“ Fortan und besonders den Kindern zuliebe lebte die Familie  im unterfränkischen Karlstadt, damit Hisch täglich zur Arbeit bei der DAHW pendeln konnte.

Vom Schreibtisch im nahen Würzburg aus kümmerte sich der nach Solidarität strebende Christ um die Projektländer, das Auslandspersonal und um Rehabilitationsstrategien. Ehefrau Maria, Sozialpädagogin, arbeitet bis heute für die Hilfsorganisation im Bildungsbereich. Die Kinder bauten sich in Karlstadt ihre Wurzeln mit Freundeskreis und neuer Schule auf. Doch die wertvollen Erfahrungen, die sie in der Ferne gemacht hatten, blieben. Später ergaben sich daraus für die Sprösslinge Auslandssemester, Auslandsstudium  und die berufliche Ausrichtung.  Anna und Sebastian sind heute im Bereich Entwicklungszusammenarbeit  in  Äthiopien tätig und Eva unterstützt die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund  in Hamburg .

Mitte der 1990er Jahre kam für Ernst Hisch als Schwerpunktland Pakistan hinzu. „Zuerst interessierte mich das Land weniger“, gibt der Karlstädter zu. „Doch dann traf 2010 eine verheerende Flutkatastrophe die Region. Die Neuausrichtung des Programms war eine Herausforderung“, erklärt  er. „Alles drehte sich um den Wiederaufbau und  zusätzlich um die von der DAHW  propagierte Entwicklung des Gemeinwesens.“ Mit den Kollegen von der Caritas Wien und St. Pölten bekam er Einblicke in Katastrophenhilfe, Landwirtschaft, Brunnenbau und Tierhaltung. Der gebürtige Dachauer erkannte, dass sich die DAHW besonders gut in die Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen einbringen konnte.

Es folgte die Zusammenarbeit mit dem Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) in Karachi und damit auch die mit Dr. Ruth Pfau, der im vergangen Jahr verstorbenen Ordensfrau und Lepraärztin. „Ich habe mit Dr. Pfau auf vertrauensvolle und konstruktive Weise zusammenarbeiten können, ganz speziell wurde der Bereich Behinderung und Rehabilitation zu einer Priorität in ihrer Organisation gemacht. Dass Sie meine Berufung in  ihren Vorstand  von MALC unterstützte, werte ich als  Ausdruck ihrer Wertschätzung, deshalb möchte ich dieses Amt auch über die Pensionierung hinaus beibehalten.“

Im November 2018 geht Ernst Hisch in seinen wohlverdienten Ruhestand. Er freut sich auf mehr Zeit für gemeinsame Touren mit Maria auf seinem  Oldtimer-Motorrad, das er 1992 in einem Schuppen der Benediktinerstation Peramiho in  Tansania entdeckte. Gleichzeitig plant er weiterhin seine vielseitige Erfahrung einzubringen und als freiwilliger Mitarbeiter gelegentlich Projekte im Ausland  zu beraten und zu besuchen „Es lässt mich nicht so einfach los nach 38 Jahren“ meint er dazu „und das ist gut so.“ 

Wir danken Ernst Hisch auch im Namen der unzähligen Menschen, die dank seiner Unterstützung ein lebenswertes Leben führen können, für seine leidenschaftliche Arbeit in den letzten rund vier Jahrzehnten, und wünschen ihm für seine Zukunft von Herzen alles Gute.

 

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