13. July 2018

Porträt: Kurz vorgestellt: Jagpreet Kaur - Die neue Kollegin in Indien

Jagpreet Kaur arbeitet seit Januar 2018 als PR- und Social Media-Referentin im DAHW-Büro im indischen Neu Delhi und somit eng mit den Kolleginnen und Kollegen in Würzburg zusammen.

Die 25-Jährige ist nicht nur für den PR- und Social Media-Auftritt der DAHW in Indien zuständig sondern für alle asiatischen Partnerländer.

Kaur hat einen Universitätsabschluss in Betriebswirtschaftslehre und spricht gut Deutsch. „Ich wollte entweder Französisch, Spanisch oder Deutsch lernen“, erzählt sie. Da sie die Klarheit und Ausdrucksstärke der deutschen Sprache mochte, fiel ihr die Entscheidung leicht. Sie begann mit der Sprachausbildung im Goethe Institut in der indischen Hauptstadt. „Ich wusste, dass ich immer noch zu einer anderen Sprache wechseln kann, sollte es mit dem Lernen nicht funktionieren.“ Doch Kaur blieb bei ihrer Entscheidung. Das Team der DAHW vor Ort wurde auf sie aufmerksam und bot ihr einen Job an. „Ich hatte einen Vertrag für einen Monat, es ging um das Übersetzen von Texten ins Deutsche.“ Schnell merkten die Kollegen, dass Kaur nicht nur gut Deutsch kann sondern auch sehr Social Media affin ist. „Ich nahm das Angebot an, auch wenn ich täglich einen langen Arbeitsweg habe. Doch den nehme ich für die neuen Herausforderungen gerne in Kauf.“ Die ersten Monate lernte sie die Projekte kennen. „Ich sah die Ärmsten der Armen in den Slums. Das machte mich sehr betroffen. Ich erinnere mich besonders an eine Familie, wo der Ernährer wegen multipler Tuberkulose nicht mehr arbeiten konnte. Dieses Elend zu sehen war schrecklich.“ Doch dadurch hätte sie sich nur noch mehr motiviert. Zurzeit arbeitet sie an einer Spendenkampagne in Indien, später soll die Idee auch auf andere asiatische Partnerländer ausgeweitet werden.

Jagpreet Kaurs Familiengeschichte ist so vielfältig und tragisch wie die Region, in der sie lebt. Auch steht ihre Biografie als Beispiel all des Leides, welches der Konflikt zwischen Indien und Pakistan mit sich bringt. Ihre Großeltern, genau wie Kaur der Volksgruppe der Sikh zugehörig, stammen aus Lahore im Bundesstaat Punjab im heutigen Nordostpakistan. Lahore war zur Zeit Britisch-Indiens eine kosmopolitische, tolerante Metropole, in der viele religiöse Gemeinschaften nebeneinander lebten. Heute gehört die Stadt zu einem unabhängigen Pakistan, in der immer wieder Gewalt verfeindeter Volksgruppen ausbricht. Kaurs Großeltern mussten während des Unabhängigkeitskrieges 1947 ihre Heimat verlassen und fanden in Batala im indischen Teil Punjabs eine neue Heimat. Von dort zog es die Großeltern aus wirtschaftlichen Gründen in die Metropole Delhi, wo auch Jagpreet geboren wurde.

„Heute habe ich Freunde aus allen Religionszugehörigkeiten“, sagt sie und will damit ein Zeichen setzen. „Und bin glücklich, in einer Großfamilie zu leben.“