27. March 2018

Porträt: Warum die Forschung so wichtig ist.

Dr. Christa Kasang ist die Forschungskoordinatorin beim DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. und beim Missionsärztlichen Institut in Würzburg. In einem Interview spricht sie über die Forschung und warum sie so wichtig ist.

Frau Dr. Kasang, die DAHW kümmert sich als Hilfswerk in erster Linie um die von Lepra betroffenen Menschen. Welches Ziel hat die Investition in Forschung?

Heutzutage hat Investition in Lepra-Forschung das primäre Ziel, die Übertragung von Lepra zu unterbrechen. Hierzu benötigen wir viele verschiedene Akteure. Zum einen müssen wir es schaffen, frühzeitig Lepra zu diagnostizieren. Dafür benötigen wir einen feldtauglichen Test. Zum anderen müssen wir Lepra nachhaltig behandeln und brauchen dafür effektive Medikamente. Und drittens wollen wir Kontaktpersonen von Leprapatienten davor schützen, selbst Lepra zu bekommen. Unser langfristiges Ziel ist ein Impfstoff gegen Lepra. Die Forschung hat in der Vergangenheit zur Entwicklung der Kombinationstherapie MDT und damit zur effektiven Behandlung von Lepra geführt. Hieran war die DAHW maßgeblich beteiligt.

Woraus besteht der Medikamentenmix zur Heilung von Lepra?

Lepra wird durch einen Mix aus drei Antibiotika (Multi-Drug-Therapy - MDT), vollständig heilbar. Mit Beginn der Therapie kann ein Patient die Krankheit nicht mehr weiter übertragen. Patienten können jedoch während der Therapie bakterienbedingte Nervenschäden entwickeln, die zu Lähmungen und Gefühllosigkeit an Händen und Füßen führen. Hinzu kommt, dass viele Betroffene erst sehr spät diagnostiziert werden und dadurch bereits leprabedingte Behinderungen haben. Leider bleiben diese oft weiterhin sichtbar. Sie können jedoch teilweise durch Physiotherapie gelindert werden.

Forschungsaktivitäten gingen in den vergangenen Jahrzehnten stark zurück. Ist das richtig?

Durch die Einführung der MDT ging die Anzahl der Lepra-Fälle zunächst extrem zurück. Es entstand die weit verbreitete Meinung, dass damit das Problem Lepra gelöst sei. Aus diesem Irrglauben heraus sind die Aktivitäten der Forschung extrem zurückgegangen. Seit über zehn Jahren gibt es ca. 250.000 neue Infektionen jährlich weltweit. Eine Reduzierung ist nicht in Sicht. Deshalb ist es umso wichtiger, die Übertragung der Lepra nachhaltig und langfristig zu durchbrechen.

Welche Aktivitäten fördert und unterstützt die DAHW heute?

Ein großes Forschungsvorhaben ist zurzeit das Leprosy Post Exposure Prophylaxis Programme (LPEP). Das Ziel dabei ist, die Einmalgabe von Rifampicin als präventive Therapie für Kontaktpersonen von Leprapatienten unter Feldbedingungen zu etablieren. Wir überprüfen, ob diese Behandlung machbar und effektiv ist sowie von der Bevölkerung akzeptiert wird.
Diese Aktivitäten werden von mehreren wissenschaftlichen Instituten und Nichtregierungsorganisationen sowie der Novartis-Stiftung durchgeführt. Pilotländer sind dabei Sri Lanka, Myanmar, Nepal, Indien, Indonesien, Tansania und Brasilien. Die DAHW ist für Tansania zuständig.
Die DAHW unterstützt weiterhin schon seit fünf Jahren die Entwicklung eines Impfstoffes, des so genannten LepVax. Daneben fördert das Hilfswerk viele kleine Forschungsprojekte, bei denen die operationelle Forschung von unseren Partnern im Vordergrund steht.

Was kann die DAHW als nationales Hilfswerk „bewirken“?

Durch den Zusammenschluss mit anderen Akteuren gelingt es der DAHW, der Lepra-Forschung einen höheren Stellenwert in der Forschungslandschaft zu verschaffen und verschiedene Organisationen anzuregen, in die Lepraforschung zu investieren.

Wann gibt es einen Impfstoff?

Der Impfstoff LepVax hat in Tierversuchen gezeigt, dass nicht nur ein positiver therapeutischer Effekt zu beobachten ist, sondern auch ein Schutz vor Ansteckung. Der Impfstoff wurde 2017 in der Phase 1 an gesunden Menschen getestet und soll noch im Laufe dieses Jahres bei ausreichender Finanzierung im Feld durchgeführt werden (Phase 2).

Vielen Dank für das Interview.

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