26. September 2016

Tansania 2016: Die Insel der Kranken

„Woher kommst Du?“ fragt mich der Mann, der den kleinen Park mit dem exklusiven Blick auf den Bismarckfelsen kontrolliert. Meine Antwort sorgt für Nachfragen: „Aus Deutschland, kennst Du Würzburg?“ Ursprünglich stamme ich aus Dortmund, unterstrichen durch das Fußballvereins-Logo auf meinem Hemd, aber mein Schreibtisch steht in der DAHW, und die hat seit ihrer Gründung vor fast 60 Jahren ihren Sitz in Würzburg.

Dazu gibt es eine Partnerschaft zwischen Mwanza in Tansania und Würzburg in Deutschland, eine der wenigen Städtepartnerschaften zwischen afrikanischen und deutschen Städten. Immerhin: Diese Partnerschaft lebt, die Reaktion auf die Frage nach der Partnerstadt hier am Ufer des Victoriasees zeugt davon.

Doch habe ich nicht mehr als 24 Stunden in Flugzeugen und Wartehallen von Flughäfen verbracht, um die Städtepartnerschaft touristisch zu nutzen und mir Mwanza anzusehen, obwohl ich dies jedem Würzburger durchaus empfehlen kann. Mit dem Ufer eines der größten Seen der Welt hat es allerdings schon zu tun: Es geht um Bilharziose, eine heimtückische Wurmerkrankung, international auch Schistosomiasis genannt, zu deren Erforschung und Bekämpfung hier in der Region um Mwanza sich die DAHW und das Missionsärztliche Institut, ebenfalls aus Würzburg, zusammengeschlossen haben.

Uwe Ziegler (links) und Andreas Müller bereiten sich mit einfachsten Mitteln auf die Untersuchungen vor.
Uwe Ziegler (links) und Andreas Müller bereiten sich mit einfachsten Mitteln auf die Untersuchungen vor.
Foto: Jochen Hövekenmeier / DAHW

Zwei Tage schon untersuchen die beiden Mediziner Andreas Müller und Uwe Ziegler die Menschen auf der kleinen Insel Ijinga, keine 50 Kilometer entfernt von hier. Gestern war ich mit ihnen dort, schon die Anreise mit einer klapprigen Fähre war ein Abenteuer. Die Insel selbst macht auf den ersten Blick einen friedlichen, zufriedenen Eindruck. Und der täuscht nicht: Friedlich und zufrieden sind die Menschen hier, wie fast überall, wo die Menschen sehr arm sind.

Kein Strom, kein fließendes Wasser, kaum Möglichkeiten zur Kommunikation, weil das Mobilnetz nur an wenigen Orten und Zeiten einen Empfang ermöglicht. Das Mobiltelefon ist hier nicht nur zum Telefonieren notwendig, es ist auch die einzige Möglichkeit , selbst kleinere Geldbeträge zu bezahlen. Menschen, die weit entfernt von Zuhause arbeiten müssen, können damit ihren Familien das so schwer verdiente Geld schicken. Und das ist hier eher die Normalität als Ausnahme.

Wasser aus dem See wird auch als Trinkwasser genutzt, ungeachtet der Gefahr durch Bilharziose
Wasser aus dem See wird auch als Trinkwasser genutzt, ungeachtet der Gefahr durch Bilharziose.
Foto: Jochen Hövekenmeier / DAHW

Zurück zu den Menschen auf Ijinga: Man sieht ihnen nicht an, dass sie krank sind, und das ist das wohl größte Problem: Sie fühlen sich ja auch nicht krank, obwohl fast 90% aller bislang untersuchten Menschen an Bilharziose erkrankt sind. Bei den Kindern waren es sogar 100%. Weil sie sich aber nicht krank fühlen, nehmen sie diese Krankheit auch nicht als Bedrohung wahr. Heimtückisch könnte man sie daher nennen, diese Erkrankung, mit der man sich infiziert, wenn man mit dem Wasser in Kontakt gerät, in dem die Larven der Würmer schwimmen. Und die schwimmen am Ufer, wo es die Wasserschnecken gibt, in denen sich die Eier zu den Larven entwickeln – die Eier, die zuvor von erkrankten Menschen durch Kot oder Urin ausgeschieden wurden. Ein Kreislauf also.

Geht alles gut, werden die Mediziner in den kommenden Tagen genug Menschen von Ijinga untersuchen, um die Grundlagen für ihre Studie zu haben. Dann wird es darum gehen, wie man den Kreislauf der Krankheit durchschlagen kann, welche Methoden erfolgreich sind. Und wir alle hoffen, dass die Menschen in Deutschland diese Arbeit unterstützen. Vielleicht besonders die aus Würzburg, um damit die Partnerschaft mit Mwanza weiter mit Leben zu füllen. Mehr Informationen zu Schistosomiasis gibt es auf: www.schisto.de