AUS LIEBE ZU DEN MENSCHEN

Zum 85. Geburtstag von Dr. Ruth Pfau am 9. September 2014

Helfen heißt: Leben ermöglichen.

„Was können wir tun? Letztlich nichts anderes, als bei diesen Menschen zu bleiben. Und darauf hinwirken, dass dieses Leid verhindert wird, und die Ursachen angehen. Nach ‚lieben‘ sei ‚helfen‘ das zweitschönste Wort unserer Sprache, hat jemand einmal gesagt. Helfen heißt: Leben ermöglichen.“

Dr. Ruth Pfau
(aus: „Leben ist anders“, Ruth Pfau; Herder Verlag 2014)

Eigentlich war sie in Karachi nur gestrandet. Dann sah Ruth Pfau das Elend der Leprakranken und blieb – bis heute, fast 55 Jahre. „Hier ist der Platz, den Gott für mich bestimmt hat“, sagt die Ärztin und Ordensfrau. Nicht einen Moment hat sie bereut, bei den Kranken und Ausgestoßenen geblieben zu sein. Fast 55.000 Patienten hat Dr. Ruth Pfau mit ihrem Team von Lepra geheilt. Zu ihrem Geburtstag am 9. September wünscht sich die bescheidene Frau, dass mehr Menschen die Not erkennen und dann helfen, wie und wo sie können.

Ruth Pfau historisch: Anfang der 60er Jahre, Fotograf nicht bekannt. Ruth Pfau ist hier nach Einschätzung unserer Experten auf dem Weg zu Untersuchungen in einem Slum für Leprakranke. (Lepra war zu diesem Zeitpunkt noch nicht heilbar, und nicht von Lepra Betroffene mieden die Gegenden, in denen sich Leprakranke aufhielten.)
Foto: DAHW-Archiv

Ruth Pfau und das MALC 

Eine alte Hütte mit undichtem Dach war das erste Lepra-„Hospital“ in Karachi. Hier operierte Ruth Pfau, manchmal nur bei Kerzenlicht. 1963 bezog das von ihr gegründete Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) ein neues Gebäude, dank großer Unterstützung der DAHW und ihrer Spender. In diesem Krankenhaus werden Patienten aus ganz Pakistan behandelt und es ist das Zentrum der heute landesweiten Arbeit.

Seit zwei Jahren ist Mervin Lobo Geschäftsführer des MALC. Er arbeitet seit über 24 Jahren mit Dr. Ruth Pfau zusammen und genießt ihr volles Vertrauen. Bei ihm weiß Ruth Pfau ihr Werk in guten Händen.

Leidenschaftlicher Einsatz in Karachi 

Eigentlich Gynäkologin, hat sich Dr. Ruth Pfau sehr schnell einen weltweit geachteten Ruf als Lepra-Ärztin erarbeitet. Von Anfang an legte sie großen Wert auf die Ausbildung von qualifizierten Mitarbeitern, die sie in ihrer Arbeit unterstützten.

Gemeinsam mit ihrem Team und anderen DAHW-Partnern erstellte sie ein Konzept der mobilen Behandlung, um die Menschen auch in den abgelegenen Orten erreichen zu können. So entstanden dank fi nanzieller Unterstützung durch die DAHW die zahlreichen Gesundheitsposten im ganzen Land – der Ursprung für das nationale Lepra-Kontrollprogramm Pakistans, das Ruth Pfau viele Jahre lang beraten hat.

Festakt am 9. September 2014 in Pakistan

Die Mitarbeiter von Ruth Pfau kümmerten sich um die Menschen, die durch Lepra ausgestoßen waren oder mit Behinderungen lebten. Doch Tuberkulose (TB) wurde zu einem immer größer werdenden Problem.

Durch die verlässlichen Strukturen, die sowohl für die Lepra-Arbeit als auch für die TB-Arbeit wichtig sind, waren Ruth Pfau und ihr Team gut gerüstet, um diese Herausforderung anzunehmen.

Lepra und Tuberkulose sind Krankheiten der Armut. Für Dr. Ruth Pfau ein wichtiger Grund, sich gerade um die Menschen zu kümmern, die daran erkrankt sind – um die Menschen, die sonst keine Hilfe erwarten können.