Dr. Ruth Pfau, 2004. Foto: DAHW
Dr. Ruth Pfau, 2004. Foto: Rolf Bauerdick / DAHW

Seit den 1960er Jahren hat die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe die Arbeit von Dr. Ruth Pfau und der von ihr gegründeten Organisation Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) in Pakistan unerstützt. „Für den Fall, dass es Ihnen möglich sein wird, wäre uns mit einem kleinen, aber regelmäßigen Betrag vor allem gedient“, schrieb 1961 Ruth Pfau der DAHW, die schnell zusagte. Aus dem MALC wurde bis heute eines der bedeutendsten Hilfswerke Pakistans, aus der DAHW das größte Lepra-Hilfswerk Deutschlands und aus der damals jungen Ärztin Dr. Ruth Pfau die international bekannte sowie vielfach ausgezeichnete Persönlichkeit, die als katholische Ordensfrau in der islamischen Republik Pakistan sogar den Rang einer Staatssekretärin bekleidet hat. Und die „kleinen“, aber regelmäßigen Beträge, um die sie die DAHW damals bat, haben sich bis heute auf fast 40 Millionen Euro summiert. Trotz aller Erfolge: Mit heute weltweit jährlich immer noch 220.000 Neuansteckungen und ca. 4 Millionen Menschen, die mit leprabedingten Behinderungen leben müssen, ist die Lepra bei weitem nicht besiegt. Lepra lebt! Und sie darf nicht vergessen werden.

Um eine noch stärkere Lobby für all die zu schaffen, die heute noch unter Lepra leiden, fragte die DAHW Dr. Ruth Pfau, vor einigen Monaten, ob sie „Ehrenbotschafterin der weltweiten Lepra-Arbeit der DAHW“ werden möchte. Ein Amt, das nicht mit zusätzlichen physischen Aufgaben verbunden sein sollte, darin waren sich DAHW und Ruth Pfau einig. Es ging um die Botschaft an die Welt, Lepraranke nicht zu vergessen. Dr. Ruth Pfau hatte dieses Angebot von Herzen gerne angenommen. „Ich kann die Sorge täglich fühlen, dass Lepra vergessen wird, zu einem Zeitpunkt, an dem wir uns das noch nicht leisten können!“ so Dr. Ruth Pfau damals. In der Anfrage der DAHW und in der freudigen Zustimmung von Dr. Ruth Pfau drückte sich die gegenseitige, tiefe Verbundenheit aus.

Dr. Ruth Pfau baute Brücken zwischen Kulturen und Religionen durch ihre gelebte Nächstenliebe und ihre Nähe zu allen Menschen. Sie war eine Kämpferin, die sich schützend vor ihre Patienten stellte, wenn dies notwendig war. Und es war oft notwendig, weil Stigma und Ausgrenzung leider immer noch mit Lepra einhergehen und viele Menschen die Krankheit immer noch als „Strafe Gottes“ ansehen. Ihre herausragende Arbeit belegen höchste Auszeichnungen aus aller Welt. Hunderte von Leprahelfern, Sozialarbeitern und Medizinern hat Dr. Pfau in Pakistan selbst ausgebildet. Sie hat das Leben von hunderttausenden Menschen verändert.

Ihr stetiges Eintreten für die Menschenrechte und besonders für die Gleichstellung der Frauen in einer stark patriarchalisch geprägten Gesellschaft und die Überwindung der Ausgrenzung der von Lepra betroffenen Menschen sind weitere wichtige Vorbildfunktionen, die weltweit Anerkennung fanden.

Ruth Pfau, ihr engagierter Geschäftsführer Mervin Lobound das ganze Team im MALC, die DAHW, die durch sie gegründete Ruth-Pfau-Stitung und ihre treuen Spenderinnen und Spender haben gezeigt, wie aus kleinen Anfängen etwas Großes entstehen kann, wenn man nah an den betroffenen Menschen ist, niemals aufgibt und ausdauernd das Ziel verfolgt, allen an Lepra oder anderen Krankheiten der Armut leidenden Menschen die Chance auf Gesundheit und ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht.