12. Globale Tuberkulosekontrollstrategie

Eine Tuberkulosepatientin trägt einen Mundschutz, um andere nicht anzustecken

Im Rahmen der Millennium - Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDGs -) hat sich die UNO Ziele zur Bekämpfung von Armut und den wichtigsten Infektionskrankheiten gesetzt.


Auch wenn die WHO schon 1993 Tuberkulose zum „weltweiten Notfall“ erklärt hat, ist die Tuberkulose bis heute eine unkontrollierte Pandemie einer behandelbaren Infektionskrankheit.

Im Rahmen der Millennium - Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDGs -) hat sich die UNO Ziele zur Bekämpfung von Armut und den wichtigsten Infektionskrankheiten gesetzt. So soll(en): 

  • bis 2015 die Neuerkrankungsrate an Tuberkulose TB, TBC sinken (MDG Ziel 6.c - Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten z.B. Tuberkulose) 
  • die Tuberkulose-Prävalenz und die Tuberkulose-Todesrate im Vergleich zum Jahre 1990 halbiert werden (MDG 6 Indikator 23) 
  • mindestens 70% aller Sputum-positiven Fälle erkannt (MDG 6 Indikator 24) und 
  • mindestens 85% hiervon erfolgreich behandelt werden (MDG 6 Indikator 24)
  • Global liegt der Heilungserfolg seit 2007 bei 85%, allerdings werden nicht mehr als 60% aller Erkrankten gefunden und behandelt.

Sowohl die HIV Epidemie als auch die zunehmende Resistenz der Erreger führte 2005 zu einer Änderung der Tuberkulosekontrollstrategie, die der epidemiologischen Lage besser Rechnung trägt.

Die neue globale Strategie besteht aus 6 Unterpunkten:

1.    DOTS muss überall und für alle Patienten verfügbar sein. DOTS ist so etwas wie der WHO Name für einen speziellen Ansatz zur Tuberkulosekontrolle und bedeutet: „directly observed treatment short-course“. DOTS ist die Basis jeder Tuberkulosekontrolle weltweit. Auch wenn der Name unglücklicherweise darauf hinweist, ist die direkte Beobachtung der Tabletteneinnahme nur ein kleiner Bestandteil der DOTS Strategie.
DOTS bedeutet:

  • Regierungen und Gesundheitsministerien sehen die Tuberkulosebekämpfung als Priorität an und stellen entsprechende Ressourcen zur Verfügung
  • Fallfindung und Diagnose erfolgen durch qualitätskontrollierte bakteriologische Verfahren wie Mikroskopie und Kultur der Bakterien
  • Standardisierte Therapieschemata mit direkter Supervision und anderer, notwendiger Unterstützung der Patienten werden angewandt
  • Die Medikamentenversorgung muss für jeden Patienten zu jeder Zeit sicher gestellt sein
  • Das weltweite Berichtswesen ist standardisiert und wird von jedem, der Tuberkulose behandelt, befolgt

2.    TB/HIV, MDR-TB (multiresistente Tuberkulose) und marginalisierte, besonders gefährdete Gruppen müssen eine besondere, ihren Bedürfnissen angepasste Behandlung erfahren. Diese Bedürfnisse sind in den Kapiteln TB/HIV, MDR-TB (multiresistente Tuberkulose) und gefährdete Gruppen genauer beschrieben.

3.    Allgemeine Gesundheitssysteme müssen vermehrt unterstützt werden, da der Erstkontakt von Tuberkulosekranken oft hierüber erfolgt, und der allgemeine Basisgesundheitsdienst auch die tägliche Begleitung eines Patienten übernimmt.

4.    Tuberkulosebehandlung und -kontrolle sollte auch über nichtstaatliche Akteure (Private Gesundheitsanbieter, NGOs, Betriebsgesundheitsversorgung, …) möglich sein, um möglichst keine Patienten zu verlieren. Hier muss dann speziell für die Ausbildung und die Zusammenarbeit mit diesen Gesundheitsanbietern gesorgt werden.

5.    Tuberkulose muss im Gemeinwesen verankert werden, damit sich die Mitglieder einer Gemeinschaft die Tuberkulosebekämpfung zu eigen machen können, Wert auf Behandlung ihrer erkrankten Mitglieder legen und diese entsprechend unterstützen.

6.    Forschung, die zu neuen Werkzeugen in der Tuberkulosebekämpfung führt ist dringend notwendig. Neue Präventionsmaßnahmen (Impfung), neue Diagnosemethoden und neue, kürzere Therapien auch zur Behandlung von Resistenzen müssen gefunden werden, wenn man der Epidemie Herr werden will. Diese neuen Instrumente müssen dann umgehend für alle Tuberkulosepatienten zur Verfügung stehen.