Tuberkulose

Tuberkulose Patienten müssen regelmäßig gewogen werden.
Tuberkulose Patienten müssen regelmäßig gewogen werden.
Foto: Rolf Bauerdick / DAHW

STOPPT TUBERKULOSE!

Nach seriösen Schätzungen ist jeder dritte Mensch weltweit mit dem TB-Erreger Mycobakterium Tuberculosis infiziert. Zeit, sich mit dieser Krankheit ernsthaft auseinanderzusetzen.

Was viele wissen: Tuberkulose (TB) – früher auch als "Schwindsucht" bezeichnet – ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die Lungen befällt und unbehandelt zum Tod führen kann.

Was viele nicht wissen: zwar gilt die Tuberkulose längst als "besiegt", dennoch stellt sie weiterhin ein wachsendes Gesundheitsproblem dar. Denn TB ist immer noch die am häufigsten zum Tode führende Infektionskrankheit weltweit. 

Was viele wissen sollten: wie, wo und wann kann man sich mit TB infizieren? Wer ist besonders gefährdet? Wie verläuft diese Krankheit? Welche Möglichkeiten der Diagnose und Therapieschemata gibt es? Die Antworten auf all diese Fragen und viele weitere Informationen rund um die Krankheit Tuberkulose und ihre Resistenzen haben wir in den folgenden Punkten für Sie zusammengefasst: 

Tuberkulose kann durch Röntgen in der Lunge entdeckt werden.

1. Definition

Bei der Tuberkulose handelt es sich um eine chronische, seltener akut verlaufende Infektion der Lunge und anderer Organe durch das Mycobakterium Tuberculosis.

Während eines Klinikaufenthaltes können die Patienten und ihre Behandlung genau kontrolliert werden.

2. Epidemiologie

Die Geschichte der Lepra ist eine Geschichte der Abgrenzung, der Angst und nicht zuletzt der medizinischen Überlegenheit. Lepra ist eine der ältesten Krankheiten der Menschheit.

3. Mikrobiologie

Mycobakterium Tuberculosis wurde 1882 von Robert Koch entdeckt. Es handelt sich dabei um säurefeste Stäbchen, die sich durch die Ziehl-Neelsen-Färbung darstellen lassen.

Tuberkulose kann durch Röntgen in der Lunge entdeckt werden.

4. Pathogenese

Die Infektion mit dem Erreger, M. tuberculosis, erfolgt in der Regel als Tröpfcheninfektion über den Respirationstrakt mit Ausbildung eines "Primärkomplexes" in der Lunge...

Behandlung einer jungen Tuberkulose Patientin

5. Klinik

Das klinische Bild der Tuberkulose wird in Lehrbüchern der Inneren Medizin ausführlich dargestellt. 

Sputum-Untersuchungen helfen bei der Diagnose von TB.

6. Labor und Diagnostik

Es gibt fast ein Dutzend verschiedener Möglichkeiten eine Tuberkulose zu diagnostizieren. Spezifische wie auch unspezifische.

7. Therapie- schemata

Die Therapie der Tuberkulose beschränkte sich über viele Jahrzehnte auf die Unterbringung der Erkrankten in Lungenheilanstalten, wo kaum mehr als eine Beobachtung des Spontanverlaufs erfolgte. 

8. Prophylaxe

Tuberkulose wird nicht ohne Grund als „Krankheit der Armut“ bezeichnet. Vielfach wird der allgemeine sozioökonomische Fortschritt mit entsprechenden Ernährungsgewohnheiten und Wohnverhältnissen als entscheidender Faktor für die Prävention der Tuberkulose angesehen.

Fragen und Antworten zu Tuberkulose:

Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose (TB) ist eine von einem Bakterium (Mycobakterium Tuberculosis) hervorgerufene Infektionskrankheit. Der Erreger wurde 1882 von Robert Koch entdeckt und ähnelt stark dem der Lepra. Unbehandelt führt eine TB-Erkrankung bei der Hälfte aller Patienten in weniger als zwei Jahren zum Tod. TB ist nach HIV / Aids weltweit die am häufigsten zum Tode führende Infektionskrankheit und die häufigste Todesursache bei Aids-Patienten.

Wie äußert sich Tuberkulose?

Bei länger als drei Wochen anhaltendem Husten besteht Verdacht auf Tuberkulose. Weitere Symptome sind Müdigkeit, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, leichtes Fieber, Nachtschweiß, Stechen in der Brust und Kurzatmigkeit.

Wie sieht das Krankheitsbild aus?

Die Tuberkulose befällt meistens die Lunge. Oft lassen sich die Erreger im Auswurf (Sputum) der Patienten nachweisen. Werden Bakterien ausgeschieden, handelt es sich um die „offene“, ansteckende Form der TB. Solche beim Husten, Niesen oder Sprechen ausgeschiedenen, von mikroskopisch kleinen Speicheltröpfchen umgebenen TB-Bakterien sind für andere Menschen hochgradig ansteckend.Neben der Lunge kann praktisch auch jedes andere Organ von den TB-Bakterien befallen werden. Auch diese Formen der TB können ausnahmsweise ansteckend sein.

Wie viele Menschen leiden heute an Tuberkulose?

Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird auf weltweit rund neun Millionen geschätzt; etwa zwei Millionen Menschen sterben jährlich an Tuberkulose. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind besonders gefährdet. Ein Drittel der Weltbevölkerung – zwei Milliarden Menschen – ist mit dem TB-Bakterium infiziert, die allermeisten werden aber nie erkranken.

Wo gibt es die meisten Kranken?

Tuberkulosepatienten findet man überall auf der Welt – in New York genauso wie in Hamburg. Aber: In hochentwickelten Ländern kommen 5 bis 8 Kranke auf 100.000 Einwohner, in Entwicklungsländern 300 bis 400. TB ist eine Krankheit der Armut, deshalb findet sie besondere Verbreitung bei Menschen, deren Abwehrkräfte ohnehin schon geschwächt sind: durch schlechte Lebensbedingungen wie Unterernährung, mangelnde Hygiene, katastrophale Wohnverhältnisse und nicht zuletzt durch HIV / Aids. Betroff en sind vor allem Menschen in Afrika und Asien (China, Indien, GUS-Staaten).

Was haben Tuberkulose und HIV miteinander zu tun?

HIV und Tuberkulose beschleunigen sich gegenseitig, sodass jemand, der HIV-positiv ist und mit TB-Bakterien in Kontakt kommt, sehr viel häufiger an TB erkrankt als ein Mensch ohne HIV. Gleichzeitig führt eine TB dazu, dass die HIV-Infektion schneller voranschreitet. So ist TB eine Haupttodesursache bei HIV-Infizierten, oft durch eine zu späte Diagnosestellung, da die HIV-Infektion die Diagnose einer TB sehr erschwert. In Afrika hat vor allem die HIV-Epidemie zum Anstieg der TB-Rate seit 1990 beigetragen.

Welche Probleme entstehen durch Tuberkulose?

Tuberkulose bedeutet in vielen Ländern nicht nur Leid für die Kranken, sondern auch ein soziales Problem. In Entwicklungsländern sind meistens jüngere Erwachsene von der Krankheit betroffen. Durch den krankheitsbedingten Ausfall eines jüngeren Menschen steht vielen Familien kein Einkommen mehr zur Verfügung; der Teufelskreis der Armut verstärkt sich, Kinder werden durch die TB zu Waisen.

Ist Tuberkulose heilbar?

TB ist normalerweise mit Antibiotika in sechs bis acht Monaten heilbar. Regelmäßig, in der richtigen Dosierung und immer in Kombination eingenommen sind die Medikamente wirksam und vor allem auch kostengünstig. Wichtigstes Kriterium bei der Behandlung ist die lückenlose Überwachung und Betreuung der Patienten von der Diagnose bis zur Heilung, da sich bei falscher Einnahme der Antibiotika resistente Erreger bilden können. Diese Tendenz hat man lange unterschätzt. Da die TB in Europa und den USA kein großes Problem mehr darstellt und es damit keinen lukrativen Markt für neue Medikamente gibt, wurden bis vor kurzem keine großen Anstrengungen unternommen, neue Therapien zu erforschen. Bis eine komplette neue Medikamentenkombination zur Verfügung stehen wird, die auch resistente TB bekämpfen kann, werden mindestens noch 10 – 15 Jahre vergehen.

Wie kommt es zu medikamentenresistenter TB?

Heute gibt es in allen Ländern Tuberkuloseformen, die gegen ein oder mehrere TB-Medikamente resistent sind. Unregelmäßige Einnahme der Medikamente, eine zu kurze Therapie, falsche Dosierung, die Einnahme nur eines Antibiotikums anstatt mehrerer oder gefälschte Medikamente züchten resistente Bakterien.

Eine besonders schwere Form ist die „MDR-Tuberkulose“ (multi-drug resistant tuberculosis), bei der die TB-Bakterien gegen die beiden wirksamsten Medikamente (Isoniazid und Rifampicin) resistent sind. Es werden zunehmend höhere Zahlen gemeldet; vor allem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, in China und in Südostasien bedroht diese Entwicklung Fortschritte der weltweiten TB-Kontrolle.

Wie behandelt man MDR-TB?

Prinzipiell ist diese resistente Form der TB auch heilbar, die Therapie muss aber über zwei Jahre mit sehr nebenwirkungsreichen und teuren Medikamenten durchgeführt werden. Inzwischen hat sich vor allem in Ländern, in denen viele Patienten eine MDR-TB haben, die „XDR-Tuberkulose“ (extensively drug resistant tuberculosis) herausgebildet. Hier sind die Bakterien auch noch gegen die Medikamente resistent, die zur Heilung von MDR herangezogen werden. Eine Behandlung ist in den Ländern des Südens so gut wie nicht möglich, vor allem, da die meisten Patienten zu spät zur Behandlung kommen und für MDR-TB zu wenig Medikamente zur Verfügung stehen.

Kann man sich gegen Tuberkulose impfen lassen?

Für Neugeborene gibt es die „BCGImpfung“ gegen Tuberkulose. Die Wirksamkeit dieser Impfung ist jedoch hauptsächlich auf bestimmte Formen der TB bei kleinen Kindern (wie z. B. die tuberkulöse Hirnhautentzündung) beschränkt. Sie schützt also nicht generell vor einer Ansteckung mit TB-Bakterien.

Befällt die Tuberkulose immer nur die Lunge?

In den meisten Fällen schon. Dennoch kann auch jedes andere Organ von Tuberkulose-Bakterien befallen werden. Und diese Formen der Tuberkulose können ebenfalls ansteckend sein. Doch nicht nur Organe sind gefährdet: In unseren Projekten werden auch Menschen mit Knochen-Tuberkulose behandelt. Die Konsequenzen der Krankheit sind für die Patienten oft dramatisch: So können Knochen im Bereich der Wirbelsäule durch die TB regelrecht zerfressen werden, was lebensgefährliche Folgen hat. Die Behandlung ist äußerst schwierig. Nachdem der Tuberkulose-Erreger mit Medikamenten abgetötet oder die Tuberkulose-Herde durch einen operativen Eingriff entfernt wurden, müssen sich die Knochen nachbilden. Für die Patienten bedeutet es oft monatelanges Still-Liegen im Streckbett (damit die Knochengelenke überhaupt wieder den nötigen Platz einnehmen können) oder eine langwierige, begleitende mechanische Stabilisierung der nachwachsenden Knochenbereiche.

Wie hilft die DAHW?

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe unterstützt in über 20 Ländern Projekte und Programme, in denen pro Jahr 300.000 bis 400.000 Patienten behandelt werden. Das Ziel: Möglichst viele Patienten – mindestens 70 % – finden, mindestens 85 % erfolgreich behandeln und so die Ansteckung eindämmen. Die Behandlung einer nicht resistenten TB kostet etwa 50 Euro.
Darüber hinaus fördert die DAHW Aus- und Fortbildung für medizinisches Fachpersonal, medizinische Beratung und Qualitätskontrolle, die Vernetzung aller im Gesundheitswesen Tätigen (Public-private partnership), die Bereitstellung von Mikroskopen und  Laborausstattungen sowie die Bereitstellung und Wartung von Autos und Motorrädern, um Patienten in abgelegenen Regionen zu erreichen.

Mit Plakaten wird über AIDS aufgeklärt.

9. TB und HIV

Weltweit sind circa 1,2 Millionen Menschen mit Tuberkulose und HIV co-infiziert. Dies entspricht 15% aller Tuberkulosepatienten. In den Ländern des südlichen Afrikas steigt dieser Prozentsatz auf bis zu 80% aller Erkrankten. 

Die Medikamente zur TB-Behandlung müssen regelmäßig eingenommen werden um zur Heilung zu führen.

10. MDR-TB und XDR-TB

Eigentlich ist Tuberkulose heilbar. Eigentlich. 
Das heutige Behandlungsschema wirkt bei aktiver, sensibler Tuberkulose. Allerdings müssen die Medikamente immer noch mindestens sechs Monate nach einem festen Schema eingenommen werden.

z.B. Mentoren helfen Patienten die lange Therapie durchzuhalten.

11. Populationen mit erhöhtem TB-Risiko

Bestimmte Gruppen von Menschen haben ein erhöhtes TB-Risiko – entweder aufgrund ihrer Lebensumstände oder ihrer genetischen Veranlagung: Gefangene, Migranten, indigene Gruppen, Kinder, die Bevölkerung der Slumgebiete der Megastädte oder Obdachlose.

Im weltweiten Durchschnitt sterben 19 von 100.000 Menschen an den Folgen der Tuberkulose, auch ohne die Koinfektion mit HIV.

12. Globale TB-Kontrolle

Auch wenn die Weltgesundheitsorganisation WHO die Tuberkulose schon 1993 zum „weltweiten Notfall“ erklärt hat, verursacht diese behandelbare Infektionskrankheit bis heute eine schwer kontrollierbare Pandemie.

WELT-Tuberkulose-Tag 

1982 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den 24. März zum Welt-Tuberkulose-Tag, um gezielt auf die Tuberkulose aufmerksam zu machen.