5. Pathogenese

Die Eintrittspforte von Mykobacterium leprae in den menschlichen Organismus konnte bisher nicht zweifelsfrei identifiziert werden.


Die Tröpfcheninfektion über die Nasenschleimhäute mit der Ausbildung eines lokalen Primäraffektes ähnlich wie bei der Tuberkulose gilt als wahrscheinlich, aber unabhängig davon scheint auch die Möglichkeit der transkutanen Übertragung zu bestehen. Ebenso wie bei der Tuberkulose bestehen erhebliche Unterschiede in der Inzidenz von latenten und apparenten Infektionen einerseits sowie nicht kontagiösen und kontagiösen Infektionen andererseits.

Latente Infektionen können symptomfrei über Jahre oder womöglich sogar Jahrzehnte fortbestehen, aber auch jederzeit in die spontane Abheilung übergehen. Falls sie zur manifesten Erkrankung führen, beträgt die durchschnittliche Inkubationszeit ca. 4 Jahre. In endemischen Gebieten sind beträchtliche Teile der Bevölkerung mit dem Erreger infiziert, wobei selbst die manifesten Erkrankungen in den frühen Stadien zu einem hohen Prozentsatz spontan ausheilen. Entscheidender disponierender Faktor ist die zellvermittelte Immunkompetenz des Infizierten. Erst ein schwererwiegender Defekt bahnt der chronisch aktiven Infektion mit M. leprae ihren Weg. Folgende Abbildung illustriert Varianten der immunologischen Auseinandersetzung in einem endemischen Gebiet:

Leprapathoge