7. Therapieschemata

Krankenschwester Gislene Ruba gibt Antonio Estrela seine TB-Medikamente, Aerztin Dr. Kawaoka ueberwacht die Einnahme der Antibiotika

Die Therapie der Tuberkulose beschränkte sich über viele Jahrzehnte auf die Unterbringung der Erkrankten in Lungenheilanstalten.


Die Therapie der Tuberkulose beschränkte sich über viele Jahrzehnte auf die Unterbringung der Erkrankten in Lungenheilanstalten, wo kaum mehr als eine Beobachtung des Spontanverlaufs erfolgte.

Die Ära der Chemotherapie begann dann mit der Einführung folgender Medikamente:

  • Streptomycin in den 40er Jahren
  • Isoniazid 1952
  • Pyrazinamid 1952
  • Ethambutol 1961
  • Rifampicin 1966

Das langsame Wachstum der Mykobakterien, die dadurch implizierte Dauer der medikamentösen Behandlung und die immanente Gefahr der Resistenzenbildung legten die gleichzeitige Behandlung mit mehreren Chemotherapeutika nahe, die heute die Grundlage des therapeutischen Ansatzes darstellt. Von den bekannten Medikamenten sind Isoniazid und Rifampicin herausragend bakterizid; nur Pyrazinamid wirkt intrazellulär (in von Mykobakterien infizierten Makrophagen).

Das von der WHO empfohlene, weltweit gültige standardisierte Therapieschema bei Erstinfektion beinhaltet Isoniazid (H) und Rifampicin (R) über 6 Monate und Ethambutol (E), und Pyrazinamid (Z) über 2 Monate:

Anfangsphase: 2 Monate EHRZ

Konsolidierungsphase: 4 Monate HR

Die Empfehlung, Medikamente täglich und überwacht zu verabreichen solange Rifampicin bei der Therapie verwendet wird, gilt weiterhin und hat die besten Ergebnisse erzielt.

Bei (multi)resistenten Tuberkulosestämmen muss der Patient mit einem grundsätzlich anderen Regime behandelt werden (siehe MDR-TB). Die sogenannten Medikamente der 2. Linie sind allerdings schwächer, nebenwirkungsreicher und sehr viel teurer oder werden nicht in ausreichender Menge produziert. Die Behandlung dauert 24 Monate, die Nebenwirkungen sind sehr ausgeprägt und die Heilungschancen stehen bei ungefähr 60%. Die Erfolgsaussichten sind vor allem begrenzt durch

  • Unzugänglichkeit der in chronifiziertem Narbengewebe abgekapselten Erregern für die Chemotherapeutika und daraus resultierende Unwirksamkeit der Behandlung
  • Nebenwirkungen einer 2 Jahre andauernden, nebenwirkungsreichen Chemotherapie mit großen Problemen der Adhärenz / Compliance der Patienten
  • Engpässe bei der Medikamentenherstellung
  • Kosten des Regimes

Aus diesen Gründen ist für Patienten mit multiresistenten Keimen häufig von einer infausten Prognose auszugehen, ein Faktum, welches zusätzlich die Bedeutung der von Anfang an sachgerechten Therapie unterstreicht.