Während eines Klinikaufenthaltes können die Patienten und ihre Behandlung genau kontrolliert werden.
Während eines Klinikaufenthaltes können die Patienten und ihre Behandlung genau kontrolliert werden.
Foto: Sonja Becker / DAHW

Die Therapie der Tuberkulose beschränkte sich über viele Jahrzehnte auf die Unterbringung der Erkrankten in Lungenheilanstalten, wo kaum mehr als eine Beobachtung des Spontanverlaufs erfolgte. Die Ära der Chemotherapie begann mit der Einführung folgender Medikamente:

  • Streptomycin in den 40er Jahren
  • Isoniazid 1952
  • Pyrazinamid 1952
  • Ethambutol 1961
  • Rifampicin 1966

Das langsame Wachstum der Mykobakterien, die dadurch implizierte Dauer der medikamentösen Behandlung und die immanente Gefahr der Resistenzenbildung legten die gleichzeitige Behandlung mit mehreren Chemotherapeutika nahe, die heute die Grundlage des therapeutischen Ansatzes darstellt. Von den bekannten Medikamenten sind Isoniazid und Rifampicin herausragend bakterizid; nur Pyrazinamid wirkt intrazellulär (in von Mykobakterien infizierten Makrophagen).

So funktioniert's:

Das von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene, weltweit gültige standardisierte Therapieschema bei Erstinfektion beinhaltet Isoniazid (H) und Rifampicin (R) über sechs Monate und Ethambutol (E), und Pyrazinamid (Z) über zwei Monate:

Anfangsphase: 2 Monate EHRZ
Konsolidierungsphase: 4 Monate HR

Die Empfehlung, Medikamente täglich und überwacht zu verabreichen, solange Rifampicin bei der Therapie verwendet wird, gilt weiterhin und hat die besten Ergebnisse erzielt.

Die Ausnahme: MDR-Tuberkulose
Bei (multi)resistenten Tuberkulosestämmen muss der Patient mit einem grundsätzlich anderen Regime behandelt werden (siehe MDR-TB), da die Bakterien gegenüber den gängigen Antibiotika (sogenannte Medikamente der 1. Linie) resistent sind. Die Medikamente der 2. Linie sind allerdings schwächer, nebenwirkungsreicher und sehr viel teurer oder werden nicht in ausreichender Menge produziert. Die Behandlung kann bis zu 24 Monaten dauern, die Nebenwirkungen sind sehr ausgeprägt und die Heilungschancen stehen bei ungefähr 60%. Die Erfolgsaussichten sind vor allem begrenzt durch: 

  • Unzugänglichkeit der in chronifiziertem Narbengewebe abgekapselten Erreger für die Chemotherapeutika und daraus resultierende Unwirksamkeit der Behandlung
  • Nebenwirkungen einer bis zu zwei Jahre andauernden Chemotherapie mit großen Problemen der Adhärenz / Compliance (Therapietreue) der Patienten
  • Engpässe bei der Medikamentenherstellung
  • Kosten des Regimes

Aus diesen Gründen ist für Patienten mit multiresistenten Keimen häufig von einer infausten, also unheilvollen Prognose auszugehen, ein Faktum, welches zusätzlich die Bedeutung der von Anfang an sachgerechten Therapie unterstreicht.