01. März 2017

Gemeinsam gegen tropische Wurmerkrankung

Diplombiologin Antje Fuß zeigt im Labor des Hanna-Decker-Hauses OB Schuchardt den Erreger der Schistosomiasis unter dem Mikroskop.

Spendenaktion "Würzburg hilft Mwanza" gestartet

Würzburg/Mwanza Das Missionsärztliche Institut (MI) und die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe haben am Mittwoch, 1. März, ihre Aktion „Würzburg hilft Mwanza“ gestartet. Mit der Kampagne wollen die beiden Organisationen die Bevölkerung aufrufen, die Bekämpfung der tropischen Wurmerkrankung Schistosomiasis mit Spenden zu unterstützen. Beim offiziellen Auftakt im Hanna-Decker-Haus des Missionsärztlichen Instituts sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt, es sei traurig, wenn immer noch Krankheiten weit verbreitet seien, die eigentlich besiegbar wären.

Aufklärung und Behandlung

Um die hohe Infektionsrate in der Region Mwanza in Tansania zu senken, haben MI und DAHW vor einem Jahr auf der Insel Ijinga im Viktoriasee ein Aufklärungs- und Behandlungsprojekt Projekt begonnen. Es setzt laut Schuchardt an der richtigen Stelle an, denn Gesundheit sei das Wichtigste, was Menschen brauchen. Ein Glücksfall sei, dass mit MI und DAHW in Würzburg zwei Institutionen angesiedelt seien, die sich für Gesundheit in Entwicklungsländern engagieren. Als er gefragt wurde, ob er die Schirmherrschaft über das Schisto-Projekt übernehmen wolle, habe er keine Sekunde gezögert. Im Labor zeigte MI-Biologin Antje Fuß dem OB, wie Schistosomen-Eier unter dem Mikroskop aussehen und mit welchen Schnelltests die Erkrankung diagnostiziert werden kann.

Im Rahmen des Projekts läuft bereits ein Behandlungsprogramm auf Ijinga mit dem Medikament Praziquantel. Um nachhaltig helfen zu können, sind MI und DAHW dringend auf Spenden angewiesen. Nach Angaben des Projektleiters und Tropenmediziners Dr. Andreas Müller, der zurzeit Ijinga und Mwanza besucht, stehen zunächst Risikogruppen wie Fischer, Farmer und Dorfgemeinschaften in der Nähe des Sees im Vordergrund. Mit 50.000 Euro etwa könnten fünf Behandlungsrunden auf Ijinga finanziert werden.

Pro Jahr sterben rund 300.000 Menschen weltweit an Schistosomiasis

Nach Angaben des Leiters der tropenmedizinischen Abteilung der Missionsärztlichen Klinik und Vorsitzenden des Missionsärztlichen Instituts, Prof. Dr. August Stich, ist Schistosomiasis nach Malaria die bedeutendste Tropenerkrankung. Jedes Jahr sterben ca. 300.000 Menschen an den Folgen. Infizieren können sich Menschen beim Aufenthalt in verschmutztem Wasser. Schäden unter anderem an Darm, Leber und Milz sind die Folge. Im schlimmsten Fall führt die Infektion zum Tod.

Laut Stich greift die Behandlung mit Medikamenten alleine zu kurz. „Wir müssen die Lebensbedingungen der Menschen verbessern, Brunnen bauen, für sauberes Wasser sorgen und die Bevölkerung aufklären.“ Auch deshalb sei die Zusammenarbeit mit dem DAHW so wertvoll. Dessen Geschäftsführer Burkard Kömm betonte, Ziel sei, den Infektionskreislauf zu unterbrechen und eine nachhaltige Versorgung mit Wasser zu ermöglichen, das frei von Erregern sei. Mit 50.000 Euro könne man beispielsweise fünf dringend benötige Brunnen bauen. Zurzeit suchen Geologen auf Ijinga nach geeigneten Orten, um den Bau der ersten zwei Brunnen vorzubereiten.

Der Tropenmediziner Uwe Ziegler war im Herbst 2016 zusammen mit Dr. Müller auf der Insel. Dort sei Schistosomiasis ein großes Problem. Die beiden Ärzte haben 940 Einwohner per Ultraschall untersucht und festgestellt, dass 95 Prozent infiziert sind. „Die Menschen haben den dringenden Wunsch, gesund zu werden und sind für Aufklärung sehr aufgeschlossen“, sagte Ziegler. Beeindruckt zeigte er sich von der Bereitschaft der Inselbewohner, selber mit anzupacken, etwa beim Bau einer Anlage zum Sammeln von Regenwasser auf dem Dach der Grundschule. Derzeit ist die einzige Süßwasserquelle für die rund 2.500 Inselbewohner der Viktoriasee. Wenn die Schistosomiasis von der Insel verschwinde, gingen auch andere Krankheiten zurück, so Ziegler.

Werbung auf Plakaten und im Regionalfernsehen

Mit großflächigen Plakaten und Werbung an Bushaltestellen wollen MI und DAHW in den kommenden Wochen die Würzburger zum Spenden animieren. Im privaten regionalen Fernsehsender TV Touring wird mehrmals täglich ein Spot ausgestrahlt mit dem Appell zur Unterstützung der Aktion, die bis Ostern läuft. Auf seiner Homepage www.tvtouring.de wird der Sender über den aktuellen Spendenstand informieren. Am 14. März informieren Dr. Andreas Müller und DAHW-Pressereferent Jochen Hövekenmeier im Studiogespräch darüber, was bereits auf Ijinga geschehen und was noch geplant ist. Aktuelle Kurznachrichten rund um das Leben auf der Insel und zum Kampf gegen Schistosomiasis werden täglich auf www.schisto.de veröffentlicht,  auf www.medmissio.de und www.dahw.de sowie auf facebook.