Tuberkulose

Mit rund 5.000 Opfern pro Tag eine der 10 häufigsten Todesursachen weltweit.

Was viele wissen: Tuberkulose (TB), früher auch als "Schwindsucht" bezeichnet, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die Lungen befällt und unbehandelt zum Tod führen kann.

Was viele nicht wissen: Zwar gilt TB längst als "besiegt", dennoch stellt sie weiterhin ein riesiges Gesundheitsproblem dar. Denn sie ist immer noch die am häufigsten zum Tode führende Infektionskrankheit weltweit. Nach seriösen Schätzungen ist jeder dritte Mensch mit dem Erreger, dem Mycobakterium Tuberculosis, infiziert. 

Was viele wissen sollten: Wie, wo und wann kann man sich mit TB infizieren? Wer ist besonders gefährdet? Wie verläuft diese Krankheit? Welche Möglichkeiten der Diagnose und Therapie gibt es? Die Antworten auf diese Fragen und viele weitere Informationen finden Sie hier.

Zahlen, Daten Fakten zu Tuberkulose

Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose (TB) ist eine von einem Bakterium (Mycobakterium Tuberculosis) hervorgerufene Infektionskrankheit. Der Erreger wurde 1882 von Robert Koch entdeckt und ähnelt stark dem der Lepra. Unbehandelt führt eine TB-Erkrankung bei der Hälfte aller Patient*innen in weniger als zwei Jahren zum Tod. TB zählt neben HIV / Aids zu den am häufigsten zum Tode führenden Infektionskrankheiten weltweit. Für Aids-Patient*innen ist es die häufigste.

Wie wird Tuberkulose übertragen?

Die Infektion mit dem Erreger Mycobacterium tuberculosis erfolgt in der Regel als Tröpfcheninfektion über den Respirationstrakt mit Ausbildung eines "Primärkomplexes" in der Lunge. Oder einfach gesagt: Tuberkulose verbreitet sich von Mensch zu Mensch durch die Luft. Wenn Menschen mit einer Lungen-Tuberkulose husten, niesen oder spucken, schleudern sie TB-Keime in die Luft. Eine Person muss nur ein paar dieser Keime einatmen, um sich zu infizieren.

Welche Faktoren begünstigen eine TB-Infektion?

Bei einem intakten Immunsystem können die Tuberkulose-Erreger Jahrzehnte im Körper überdauern, ohne, dass die Krankheit ausbricht. Während dieser sog. latenten Infektion sind Betroffene nicht ansteckend. Aber es besteht die ständige Gefahr, dass die Erkrankung in eine aktive Tuberkulose übergeht, wenn das Immunsystem geschwächt wird – zum Beispiel durch Unter- oder Mangelernährung, schlechte Hygienebedingungen, dauerhaft hohe Anstrengungen bzw. Stress oder schwere Krankheiten. Viele dieser Faktoren stehen in Wechselwirkung mit Armut, weshalb TB als „armutsassoziiert“ gilt und die verletzlichsten Gesellschaftsgruppen betrifft.

Besonders gefährlich ist die Kombination von HIV und TB: Wenn ein HIV-positive*r Patient*in mit TB-Bakterien in Kontakt kommt, erkrankt sie*er sehr viel häufiger an TB, als ein Mensch ohne HIV-Infektion. Gleichzeitig führt eine TB dazu, dass eine HIV-Infektion schneller voranschreitet. Oft erfolgt die Diagnosestellung sehr spät, da die HIV-Infektion die Diagnose einer TB sehr erschwert. TB ist eine der Haupttodesursachen bei HIV-Infizierten.

Wie sieht das Krankheitsbild aus?

Bei der Tuberkulose (TB) handelt es sich um eine meist langsam verlaufende Infektion der Lunge und anderer Organe durch das Mycobacterium tuberculosis. Ist das Immunsystem intakt, können diese Bakterien Jahrzehnte im Körper überdauern, ohne, dass ein*e Patient*in an TB erkrankt (sog. latente Infektion). Ist das Immunsystem geschwächte (siehe "Welche Faktoren begünstigen eine TB-Infektion?"), kann die Krankheit ausbrechen. Symptome sind andauernder Husten, manchmal mit blutigem Auswurf, Schwächegefühl, Nachtschweiß, Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme. Von vielen Patient*innen kann dies zunächst eher als eine Erkältung wahrgenommen werden. Hinzukommt, dass Menschen in Entwicklungsländern in vielen Fällen keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Wenn jemand nicht zum Arzt geht, kann das aber auch soziale Gründe haben – beispielsweise die Angst vor Stigmatisierung.

Wie wird Tuberkulose diagnostiziert?

Die Diagnose einer Tuberkulose-Infektion kann nur durch den direkten Nachweis von TB-Bakterien gesichert werden, zum Beispiel durch die mikroskopische Untersuchung von Sputum (ausgehustete Absonderung der Atemwegsschleimhaut). Seit einigen Jahren wird vermehrt das relativ schnelle sog. GeneXpert-Testverfahren angewendet, dessen Einsatz auch von der WHO empfohlen wird: Das molekularbiologische Analysegerät kann auch eine geringere Anzahl von Erregern verlässlich nachweisen und zugleich einfache (nicht mehrfache) Resistenzen identifizieren (siehe Faktenblatt „Resistenzen“). Es ist daher besonders für Personen geeignet, bei denen bereits der Verdacht eines resistenten TB-Stammes vorliegt. Auch in den Projekten der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. wird GeneXpert verstärkt eingesetzt.

Dennoch bleiben TB-Erkrankungen oft zunächst unentdeckt, weil nicht genügend Bakterien ausgehustet worden sind. Hier können Röntgenuntersuchungen unterstützend bei der Diagnose helfen. Zudem stehen neuere Bluttests wie der Gamma-Interferon-Test zur Verfügung. Sie sind zwar einfach anzuwenden, können aber nicht zwischen der reinen Infektion mit dem TB-Erreger und einer ausgebrochenen Tuberkulose unterscheiden.

Ist Tuberkulose heilbar?

Die weltweit standardisierte Therapie einer Tuberkulose-Erkrankung besteht aus der mindestens sechsmonatigen Einnahme der vier Antibiotika Rifampicin, Isoniazid, Ethambutol und Pyrazinamid – die beiden letzten jedoch lediglich in den ersten beiden Monaten. Für die Behandlung von multiresistenter Tuberkulose hat die WHO 2019 neue Behandlungsrichtlinien herausgegeben Die TB-Therapie ist in den meisten Ländern kostenfrei. Allerdings haben die Patient*innen wegen der Erkrankung oft kein Einkommen und müssen dennoch häufig Kosten tragen wie zum Beispiel für Medikamente gegen Nebenwirkungen oder Transportwege zur Gesundheitsstation. Deshalb können sich manche Patient*innen die Therapie nicht leisten oder sie brechen die Behandlung vor dem Abschluss ab. Damit steigt jedoch das Risiko, dass sich die TB zu einer resistenten Form entwickelt (siehe Resistenzen bei Tuberkulose). Immer wieder sind es aber auch Fehler seitens der nationalen Gesundheitssysteme, die für eine unterbrochene Medikamenteneinnahme und damit für die Gefahr der Resistenzbildung verantwortlich sind.

Ohne Behandlung stirbt jede*r dritte Patient*in an Tuberkulose, von den Überlebenden behält jede*r Zweite bleibende Schäden an den inneren Organen. Ein erneuter Ausbruch der Krankheit bei nicht austherapierten Patient*innen ist jederzeit möglich, sobald das Immunsystem wieder geschwächt ist.

Was ist eine (multi)resistente Tuberkulose?

Werden Antibiotika nicht regelmäßig eingenommen oder wird eine Antibiotika-Therapie abgebrochen, bevor alle Bakterien getötet sind, führt das dazu, dass die überlebenden Bakterien Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln. Die Medikamente werden somit wirkungslos. Etwa 500.000 Menschen erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation WHO 2018  an einer multiresistenten Tuberkulose.

Von einer Resistenz betroffene TB-Patient*innen müssen in der Folge spezielle, oft weniger wirksame Medikamente mit meist schwerwiegenden Nebenwirkungen einnehmen. Auch die Therapiezeit verlängert sich von sechs Monaten auf bis zu zwei Jahre. Diese Medikamente sind zudem häufig deutlich teurer. Wird auch diese Therapie nicht bis zum Ende durchgehalten, entwickeln die Erreger weitere Resistenzen, wodurch die Auswahl effektiver Ausweichmedikamente („Second Line“) und damit die Chance auf einen Behandlungserfolg erheblich gemindert werden.

Weitere Informationen finden sich hier.

 

Kann man sich vor Tuberkulose schützen?

Es gibt die „BCGImpfung“ gegen Tuberkulose. Die Wirksamkeit dieser Impfung ist jedoch hauptsächlich auf bestimmte Formen der TB bei kleinen Kindern (wie z. B. die tuberkulöse Hirnhautentzündung) beschränkt. Sie schützt also nicht generell vor einer Ansteckung mit TB-Bakterien.

Wegen der geringen Fallzahlen in Deutschland, wird hierzulande eine Imfpung nicht empfohlen.

Weitere Informationen finden Sie beim Robert Koch-Institut.

 

Wie viele Menschen sind aktuell von Tuberkulose betroffen?

Obwohl behandelbar, zählt Tuberkulose (TB) immer noch zu einer der zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sind 2018 etwa 1,5 Mio. Menschen an TB gestorben, etwa 10 Mio. sind im gleichen Jahr neu erkrankt, davon ca. 1,1 Mio. Kinder. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind besonders gefährdet. Ein Drittel der Weltbevölkerung – zwei Milliarden Menschen, also etwa jeder dritte! – ist mit dem TB-Bakterium infiziert, die allermeisten werden aber nie erkranken.

Wo genau ist Tuberkulose verbreitet?

Die meisten TB-Fälle treten in den bevölkerungsreichen Ländern Asiens auf. Aber auch in vielen Ländern im Süden Afrikas ist die Tuberkulose nach wie vor eine weit verbreitete Krankheit, die viele Menschenleben kostet. Eine besondere Entwicklung gibt es leider seit Jahren in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion: Hier erkranken zwar weniger Menschen, aber 20 bis 50 Prozent der diagnostizierten Patient*innen haben eine schwer behandelbare resistente Tuberkulose (Stand 2018).

Die Daten, die von der WHO jedes Jahr im „Global Tuberculosis Report“ veröffentlicht werden, basieren auf Zahlen, die von den nationalen TB-Kontrollprogrammen oder Gesundheitsministerien gemeldet werden. Doch dabei handelt es sich nicht immer um tatsächlich registrierte Fälle: Weil viele nationale Gesundheitssysteme schlecht ausgestattet sind und es an qualifiziertem medizinischem Personal fehlt, werden häufig nicht alle erkrankten Menschen erfasst und auf Grundlage eigener Untersuchungen Hochrechnungen für die Statistik erstellt.

Weitere Informationen finden sich hier.

 

Die Medikamente zur TB-Behandlung müssen regelmäßig eingenommen werden um zur Heilung zu führen.

Resistenzen bei Tuberkulose

Abgebrochene TB-Behandlungen können zu Medikamenten-Resistenzen führen, die Diagnose und Therapie verkomplizieren.

Tuberkulose-Forschung

Lange Zeit galt TB als vernachlässigte Krankheit, weil zu wenig in Forschung investiert wurde. Und es bedarf noch mehr!

Tuberkulose-Verbreitung

Laut WHO sind 2018 rund 1,5 Mio. Menschen an TB gestorben, etwa 10 Mio. haben sich neu infiziert, davon 1,1 Mio. Kinder.

Die TB-Arbeit der DAHW

Aktuell sind wir in 11 Ländern in Asien und Afrika im Einsatz, um TB-Patient*innen zu finden und sie bei der Behandlung zu begleiten.

Welt-TB-Tag 

1982 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO den 24. März zum internationalen Gedenk- und Aktionstag.

TB Fast Facts

Entdecken Sie die wichtigsten TB-Infos auf einen Blick zum Ausdrucken. Mit freundlicher Unterstützung der Stop-TB-Partnership.

Das Tuberkulose-Quiz

Jeder dritte Mensch trägt den TB-Erreger in sich. Hättet ihr es gewusst? Testet hier euer Wissen!

Weiterführende Informationen

Umfassendes Hintergrundwissen zur Epidemiologie, Mikrobiologie und Pathogenese, Diagnostik und Therapie der Tuberkulose.