Forschung

Medikamente allein helfen nicht

Lepra, Tuberkulose, Buruli Ulcer, Schistosomiasis ... Die Krankheiten, die von der DAHW weltweit bekämpft werden, sind eigentlich heilbar und fordern dennoch Jahr für Jahr Millionen Todesopfer.

Man schätzt, dass über 1 Milliarde Menschen von armutsbedingten und vernachlässigten Krankheiten wie den genannten bedroht sind und in der Folge Behinderung, Ausgrenzung und den Tod fürchten müssen.

Um diese Menschen langfristig vor einer Erkrankung zu schützen, braucht es:

  • wirksame, verträgliche und bezahlbare Medikamente und Impfstoffe
  • geeignete Behandlungsprogramme und eine medizinische Versorgung, die für alle zugänglich sind
  • sektorübergreifende Maßnahmen, um Ansteckung und Ausbreitung nachhaltig zu verhindern
  • den Abbau von Barrieren – physische, aber auch psychische, beispielsweise aufgrund von Stigmatisierung und Diskriminierung von Betroffenen
  • die Einbeziehung der sog. sozialen Determinanten, die entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit eines Menschen haben.

Dafür bedarf es jedoch umfassender(er) Forschungsprojekte, für die es allerdings an Mitteln fehlt, denn die sog. Armutskrankheiten sind vor allem in Ländern des Globalen Südens verbreitet und werden von der Forschung in den reicheren Industriestaaten oft vernachlässigt.

Aktuelle Forschungsprojekte der DAHW

Heute liegen die Schwerpunkte der DAHW in der biomedizinischen, operationellen und sozialmedizinischen Forschung zur Diagnostik, Behandlung und Prävention von Lepra, Buruli Ulcer und anderen vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs) sowie von Tuberkulose.

Aktuell (Stand Juli 2020) setzt die DAHW 24 Forschungsprojekte in Bolivien, Indien, Kenia, Kolumbien, Nigeria, Pakistan, Senegal, Sierra Leone, Tansania und Uganda um. 17 werden über den DAHW-Sonderetat für Forschung finanziert, vier Forschungsprojekte in Kooperation mit der Internationalen Lepra-Forschungsinitative ("Leprosy Research Initiative", LRI) und eines mit Mitteln der "European and Developing Countries Clinical Trials Partnership" (EDCTP) und der LRI.

Übersicht über die DAHW-Forschungsprojekte 2019

Thema Ort Laufzeit Investition Partnerorganisationen und -institutionen
Überprüfung der Verwendbarkeit von Informationen über Hilfsangebote für Menschen mit Behinderungen Indien 1.8.2019 – 31.7.2021 15.359 Euro University of Madras (UNOM), St. Augustine SSS
Studie zu Wissen über und Behandlung und Diagnose von Chagas Bolvien 1.8.2018 – 31.7.2020 17.190 Euro Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Nor Sud, Hospital Dermatologico de Monteagudo
Stigma und Morbidität von NTDs (Chagas, Lepra, Leishmaniose) Kolumbien 1.12.2017 – 30.6.2019 11.000 Euro Universidad Francisco de Paula Santander Bogota(UFPS), Netherlands Leprosy Relief (NLR)
Entwicklung Lepra-Impfstoff „Lepvax“ USA, Brasilien, Indien 1.1.2015 – 31.12.2019 424.000 Euro IDRI (Infectious Disease Research Institute), ALM (American Leprosy Missions)
Aktive Fallsuche bei Kontakten von Lepra-Patient*innen Äthiopien 31.12.2017 – 31.12.2019 10.076 Euro Armauer Hansen Research Institute (AHRI)
Befragung von Lepra-Patient*innen aus Tansania zu Migrationsgründen Kenia 1.7.2019 – 30.6.2020 2.500 Euro Institute for Development Environment and Agriculture (IDEA)
Einfluss der BCG-Impfung auf die Lepra-Kontrolle Senegal 1.7.2019 – 1.8.2020 13.906 Euro Université de Thiès, Nationales Lepra-Kontrollprogramm (National Leprosy Control Program, PNEL)
Kreative Traumabewältigung von Betroffenen, die an Inklusionsprojekten der DAHW beteiligt sind Kolumbien 1.7.2019 – 31.12.2020 7.550 Euro Universität Miguel Hernández Elche (UMH), Colombian Federation of people affected by Leprosy
Einbindung von traditionellen Heiler*innen in die Lepra-Arbeit Sierra Leone 1.4.2017 – 31.12.2021 14.197 Euro Nationales Kontrollprogramm für Tuberkulose und Lepra (National Tuberculosis and Leprosy Programme, NTLP)
Lepra-Chemoprophylaxe in hochendemischen Dörfern Senegal 1.12.2019 – 30.11.2022 27.285 Euro Université de Thiès, Damien Foundation (DF), Fondation Raoul Follereau (FRF), PNEL
Lepra-Chemoprophylaxe in den Distrikten Arua und Koboko Uganda 1.12.2019 – 30.11.2022 20.028 Euro NTLP
Inklusion von Lepra- und LF-Patient*innen in ihre Gemeinden Uganda 1.4.2017 – 30.4.2019 10.000 Euro Kyambogo University, Uganda National Alliance Against Leprosy (UNALEP), NTLP
Studie zu Wissen, Einstellungen, Praktiken zu Lymphatischer Filariose Indien 1.6.2019 – 31.5.2021 26.935 Euro Indisches Außenministerium
Verbreitung von Schistosomiasis bei Schulkindern auf der Insel Ijinga Tansania 1.9.2018 – 30.9.2019 1.800 Euro Catholic University of Health and Allied Sciences (CUHAS)
Stigmatisierung von Menschen mit Schistosomiasis in Mwanza Tansania 1.12.2018 – 31.12.2019 11.721 Euro CUHAS, Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)
Algorithmusentwicklung zur Prognose der Morbidität bei Schistosomiasis-Infektionen Tansania 1.12.2019 – 30.11.2020 9.998 Euro CUHAS
Nebenniereninsuffizienz bei TB-Patient*innen Pakistan 20.12.2016 – 31.12.2019 24.652 Euro Rawalpindi Hospital
TB in Geflüchteten-Siedlungen, Testung der frühen Fallfindung durch Einsatz von Gemeindehelfer*innen Uganda 1.12.2017 – 31.3.2020 19.822 Euro Makere University, NTLP
Ernährungssituation von TB-Patient*innen in Geflüchteten-Siedlungen Uganda 1.7.2019 – 31.12.2020 11.485 Euro University of Copenhagen, NTLP
Überprüfung von TB-Screening-Ansätzen und -Labortests Tansania 1.7.2019 – 30.6.2022 19.847 Euro Stellenbosch University (SU), Bugando Medical Centre (BMC)
Implementierung der Lepra-Chemoprophylaxe in verschiedenen Screening-Ansätzen ("PEP4LEP") Tansania, Äthiopien, Mosambik 1.10.2018 – 31.1.2023 1.433.075 Euro AHRI, CUHAS, Erasmus University Rotterdam (EUR), NLR, NTLP Tansania, Ministry of Health of Ethiopia
Einbindung von traditionellenHeiler*innen bei früher Lepra-Fallsuche Sierra Leone 1.6.2019 – 31.12.2022 193.723 Euro NTLP
Inklusion von Lepra- und LF-Patient*innen in staatliche Hilfsprogramme Uganda 15.5.2018 – 15.8.2019 50.000 Euro Kyambogo University, Uganda National Alliance Against Leprosy (UNALEP), NTLP
Testung der Lepra-Chemoprophylaxe Tansania 1.12.2014 – 31.5.2019 569.541 Euro Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH), EUR, NTLP

Finanziert durch: DAHW, EDCTP, LRI, Novartis

Lepra-Forschung

In den 1980er-Jahren war die DAHW maßgeblich an der Entwicklung der wirksamen "Multi-Drug-Therapy" der Lepra beteiligt. Und auch heute ist sie eine treibende Kraft ...

Die Tabletten werden von Gesundheitshelfen an die Betroffenen ausgegeben.
News aus der Forschung

Die DAHW ist Gründungsmitglied der "International Federation of Anti-Leprosy Associations" (ILEP). Heute gehören der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke zwölf weitere Organisationen an.

Die 2003 gegründete "European and Developing Countries Clinical Trials Partnership" (EDCTP) ermöglicht klinische Studien und die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe gegen armutsbedingte Infektionskrankheiten.

Zur "Globalen Partnerschaft für die Eliminierung der Lepra" (GPZL) zählen zahlreiche Lepra-Hilfswerke, nationale Lepra-Programme, wissenschaftliche Organisationen und akademische Institutionen.

Die Internationale Lepra-Forschungsinitative (LRI) wurde 2013 unter dem Dach der ILEP unter Beteiligung der DAHW ins Leben gerufen und mit finanziellen Mitteln für eigene Projekte ausgestattet.

Memento Preis

Ärzte ohne Grenzen e.V., Brot für die Welt, DAHW und BUKO Pharma-Kampagne zeichnen u.a. Forschungsaktivitäten im Bereich vernach­lässigter Krankheiten aus.