01. Juni 2017

JB 2016 - Die DAHW feiert runde Geburtstage

60 Jahre DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe! Es ist ein weiterer Meilenstein, den das in Würzburg ansässige Hilfswerk vorzuweisen hat: 60 Jahre weltweiter Einsatz für die Ärmsten der Armen, für die Kranken und Ausgestoßenen.

Mit Irene Kober lebt noch eine der sieben Gründerväter und -mütter. Stiftungen sind entstanden, die immer wieder ihre enge Verbundenheit mit der DAHW ausdrücken.

Und es fing ganz klein an. Im Jahr 1955. Ein Freundeskreis wollte einem Lepraarzt und seinen Patienten helfen. Franz Graf von Magnis und der Theologiestudent Richard Recke hatten auf einer Äthiopienreise Dr. Jean Ferón, einen Arzt aus Frankreich, und seine Leprastation St. Antoine bei Harar im Osten des Landes besucht und Anstoß zu dieser Hilfe gegeben. Und damit wird der Bogen nach Zell in Unterfranken geschlagen, wo am Küchentisch der Familie Kober ab 1957 alles weitere seinen Lauf nahm. In der Tat, ein weltweites Hilfswerk und eine faszinierende Geschichte wuchs in den nächsten zehn Jahren aus dem einst so bescheidenen Bemühen heran.

Am 18. Januar 1957 traf sich der Freundeskreis um besagten Graf Magnis und beschließt einstimmig die Gründung des „Aussätzigenhilfswerkes Dr. Ferón e. V.“. Am 1. August tritt mit der Erweiterung der Unterstützung die Änderung des Namens in Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW) e. V. in Kraft.

Den Sternenhimmel hat er nie vergessen: Franz Söllner war einer der ersten Entwicklungshelfer der DAHW.
Den Sternenhimmel hat er nie vergessen: Franz Söllner war einer der ersten Entwicklungshelfer der DAHW.
Foto: Jochen Hövekenmeier / DAHW

Die DAHW entsendet ein Jahr später die ersten Entwicklungshelfer zum Aufbau der Leprastation Bisidimo im Osten Äthiopiens. Das Hilfswerk beginnt, neben Bisidimo und anderen Projekten in Afrika, auch einige in Asien und Lateinamerika zu fördern. Franz Söllner gehörte zu diesen ersten Entwicklungshelfern. „Das war das größte Abenteuer meines Lebens“, sagt der Endsiebziger heute. 1958 fuhr er auf einem französischen Passagierschiff in der 4. Klasse nach Djibouti. Die Übernachtung in den Kojen war nicht inklusive, dafür aber die auf Deck. „Nie werde ich diesen Sternenhimmel über dem arabischen Meer vergessen“, schwärmt er heute. Diese Erinnerungen sind gemischt mit dem Gefühl der Vorfreude auf die Zeit in Äthiopien, an das er heute noch gerne zurückdenkt. Doch als er die ersten Lepra-Kranken sah, war er schockiert. Er blieb. Leicht war es nicht, zumindest nicht am Anfang. Er verlängerte nicht nur für eine Vertragszeit, sondern gleich dreimal. So wie Franz Söllner erging es vielen der jungen Leute, die für die DAHW in die Welt zogen, ganz im Sinne der Menschen- und Nächstenliebe.

Seitdem hat die DAHW immer den Menschen in seiner Gesamtheit gesehen und sich nicht abgewandt, wenn das Leid auch von anderen Krankheiten verursacht wurde, sondern zugepackt und Heilung und Hilfe zur Verfügung gestellt. Klar war jedoch immer, dass der Ursprung der DAHW die Lepra war und dass man deren Bekämpfung als Ziel nie aus den Augen verloren hat.

Und die DAHW hat zwei Stiftungen gegründet, um damit die Lebenswerke von zwei bedeutenden Menschen zu ehren und langfristig zu sichern: Die Hermann-Kober-Stiftung, benannt nach dem Mitgründer, langjährigen Schatzmeister und Präsidenten der DAHW, feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag, während die Ruth-Pfau-Stiftung seit nunmehr genau 20 Jahren die Arbeit ihrer Namensgeberin unterstützt, der bedeutenden und vielfach ausgezeichneten Lepraärztin und Ordensfrau.


Der erste Mietvertrag 12 Jahre nach
Gründung der DAHW aus dem Jahr 1969.

DAHW: Historische Highlights

Es gab viele historische Ereignisse in den vergangenen 60 Jahren. Von den vielen hier nun ein paar ganz besondere, die das Gesicht der DAHW geprägt haben.

Dekade 1: Im Jahr 1962 besteht die DAHW seit fünf Jahren. Hermann Kober, Vorstandsmitglied und einer der Gründer, zieht Bilanz: Insgesamt sind seit Beginn des Hilfswerkes bereits 11,7 Millionen DM eingezahlt worden, hinzu kommen Sach- und Medikamentenspenden von Firmen sowie die Hilfe von 45 Entwicklungshelfern (Handwerker, Landwirte, Krankenschwestern, Ärzte, Pfleger).

Dekade 2: Im Jahr 1976 werden von der DAHW 205 Projekte in 43 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas unterstützt. Für Forschungsprojekte werden 638.244 DM, für die Ausbildung 65.024 DM ausgegeben. 27 Lepra-Projekte erhalten Sachspenden im Wert von 412.699 DM.

Foto: Enric Boixadós

Dekade 3: Endlich ist die Lepra heilbar! Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt 1983 die von der DAHW und dem Forschungszentrum Borstel entwickelte Kombinationstherapie (Multi-Drug-Therapie) zum weltweiten Standard.

Dekade 4: Die DAHW ist im Jahr 1990 Ausrichter der ILEP-Generalversammlung in Würzburg. Die Mitglieder bekräftigen

Dekade 6: Ab 2010 unterscheidet die DAHW bei ihren Rehabilitationsmaßnahmen nicht mehr, ob eine Behinderung aufgrund einer Lepra-Erkrankung entstanden ist oder nicht. Dieser Ansatz wird nicht nur die zivilgesellschaftlichen Entwicklungen in armen Ländern fördern, sondern gleichzeitig die Stigmatisierung der Lepra reduzieren.