24. March 2019

Humanitäre Hilfe und der Kampf gegen Tuberkulose

Das DAHW-Team verteilt Lebensmittel für TB-Patient*innen in den Flüchtlingssiedlungen in Norduganda. Foto: DAHW Uganda / DAHW

Viele Menschen finden Asyl und Sicherheit in den Flüchtlingslagern Nordugandas. Doch hier lauert mit Tuberkulose (TB) bereits die nächste Gefahr.

Palorinya, Norduganda. Sie sind erschöpft, traumatisiert und hoffnungslos: Die Frauen, Kinder und Männer aus dem Südsudan. Erst nach und nach begreifen sie, dass sie im drittgrößten Flüchtlingslager des Landes erst mal in Sicherheit sind. Gemeinsam mit weiteren 170.000 Geflüchteten stehen sie vor neuen Herausforderungen.

Traumatische Erlebnisse

Die meisten der aus dem Südsudan Geflüchteten sind Frauen und Kinder. Viele mussten auf ihrem Weg nach Norduganda Grausamkeiten erleiden oder mitansehen, darunter auch Vergewaltigung und schwere Gewalt. Gemeinsam mit der Partnerorganisation Transcultural Psychosocial Organization (TPO) hat die DAHW DeutscheLepra- und Tuberkulosehilfe e. V. ein Projekt gestartet, das diesen Frauen und ihren Kindern dabei helfen will, ihre traumatischen Erlebnisse zu bewältigen und ihre seelische wie körperliche Gesundheit zurückzuerlangen.

„Hier kümmern wir uns um Menschen, die nicht mehr weiter können, denn die, die es nach Europa schaffen, sind die Gesünderen, die Kräftigeren oder auch diejenigen, die zumindest die finanziellen Mittel dazu haben“, sagt DAHW-Mitarbeiterin Lisa Gerwing. Seit 2017 leistet sie im Palorinya-Camp gemeinsam mit anderen humanitäre Hilfe. 

Sie weiß, dass das Würzburger Hilfswerk Erfahrung hat mit psychosozialen Belastungen bei bestimmten Personengruppen: durch seine jahrzehntelange Erfahrung in der Arbeit mit Betroffenen, die aufgrund von Lepra und anderen armutsbedingten Erkrankungen Stigmatisierung und Diskriminierung erfahren haben.

Schutz vor den Wirren des Krieges finden

Über eine Million Südsudanesen finden nicht nur in Palorinya, sondern auch in in den  zahlreichen anderen Flüchtlings-Camps in Uganda Schutz vor den Wirren des Krieges in ihrer Heimat. Gleichwohl  sie sich frei bewegen, arbeiten und auch Land bebauen dürfen, leben sie in großer räumlicher Enge zusammen. Sie versuchen, Hunger und Krankheiten zu trotzen. Das lokale DAHW-Team verteilt regelmäßig Gesundheits- und Hygiene-Pakete in den Flüchtlingssiedlungen.

„Doch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, betont Gerwing. „Gerade wegen dieser Nähe und der dadurch entstehenden Ansteckungsgefahr  kommt es immer häufiger zu neuen Tuberkulose-Erkrankungen. “ Die Laborangestellte weiß, dass der Verlauf der Krankheit in vielen Fällen tödlich ist. Viele der Südsudanesen bleiben nicht lange an einem Ort, ziehen weiter, um sich mit Familienangehörigen wieder zu verbünden. Einige wollen auch ganz klar in ihre Heimatdörfer jenseits der Grenze zurück, dann, wenn die Gräuel des Krieges hoffentlich vorüber sind.

Und genau hier setzt die Hilfe der DAHW an. „Diese extreme Mobilität stellt mich und mein Team bei der Diagnose und der Behandlung von Tuberkulose-Infektionen vor große Herausforderungen“, erklärt Gerwing. Denn um vorhandene TB-Infektionen aufzuspüren, führen sie in den Flüchtlingssiedlungen Screens durch. Ist ein Patient gefunden, bereitet die sechsmonatige Behandlung oft Schwierigkeiten. „Betroffene ziehen weiter, gerade auch wegen dem Stigma der Krankheit. Aus Angst vor Ausgrenzung suchen sie woanders Zuflucht und verheimlichen ihre Diagnose“, sagt sie. Deshalb sind Behandlungsabbrüche keine Seltenheit. Das erhöht die Gefahr, dass eine multiresistente TB (MDR-TB) entsteht, die sogar zwei Jahre behandelt werden müsste.

Aufklärung und Einrichtung von Gesundheitszentren

Lisa Gerwing und ihr Team versuchen, diese Szenarien abzuwenden. Zum einen durch umfassende Aufklärung in den Camps und Siedlungen, zum anderen durch die Einrichtung von Gesundheitszentren gemeinsam mit dem Nationalprogramm. Letzteres hat den Vorteil, dass auch die lokale Bevölkerung von dem Angebot profitiert.

„Wir schulen das medizinische Personal, wobei wir hier auch Geflüchtete einbinden“, ergänzt Gerwing. Die DAHW finanziert dringend benötigte medizinische Ausrüstung wie Mikroskope und neuen computergestützten GeneXpert-Maschinen zur schnellen und zuverlässigen TB-Diagnose. „Von uns beauftragte Motorradkuriere transportieren Sputum-Proben von Verdachtsfällen aus anderen Kliniken ohne Labortechnik in die Gesundheitszentren. Aktuell versuchen wir, Verwandte der Patienten als ‚Therapiepaten’ zu gewinnen, die sie bei der anstrengenden Behandlung unterstützen“, betont die gebürtige Westfälin.

Für die DAHW und ihre Mitarbeitenden geht es darum, die Lebenssituation für alle zu verbessern. Die Eindämmung und Verhinderung von Tuberkulose spielen dabei eine große Rolle. Denn mit deren Ausbruch bedroht sie nicht nur der Krieg sondern auch die Tuberkulose mit dem Tod.