08. January 2020

Zehn Jahre nach dem Erdbeben in Haiti: Es bleibt viel zu tun

Häuser am Stadtrand von Petionville in Port au Prince, Haiti. Foto: Plan International

Am kommenden Sonntag jährt sich das verheerende Erdbeben in Haiti zum zehnten Mal. Das Bündnis Entwicklung Hilft berichtet im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung am 9. Januar in Berlin über die kurz- und langfristige Wirkung der Hilfe und fordert strukturelle Veränderungen in Haiti.

Berlin, 7. Januar 2020 – Am 12. Januar 2010 traf ein schweres Erdbeben Haiti und löste eine der bisher größten humanitären Katastrophen des 21. Jahrhunderts aus. Über 200.000 Menschen kamen ums Leben und 300.000 wurden verletzt, in manchen Regionen des Landes lagen bis zu 90 Prozent der Gebäude in Trümmern. Die Hilfsbereitschaft nach dem Erdbeben war groß, das Bündnis Entwicklung Hilft erhielt in Kooperation mit der ARD Spenden in Höhe von über 20 Millionen Euro. Aufgrund ihrer Erfahrung vor Ort in Haiti und ihrer spezifischen Schwerpunkte konnten die Bündnis-Mitglieder in vielen Bereichen Hilfe leisten – von der Notversorgung über Ernährungs- und Hausbau-Programme bis hin zu Gesundheits- und Bildungsprojekten. Viele Menschen konnten sich eine neue Existenz schaffen und Kinder wieder zur Schule gehen.

Der Blick nach Haiti heute, zehn Jahre später, zeigt, dass sich die Lage verschlechtert hat. Das Land steckt auch durch Korruption in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. Haiti war vor dem Erdbeben und ist bis heute das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Seit Sommer 2018 wiederkehrende Proteste haben sich im Oktober 2019 in einen permanenten Aufstand verwandelt. Jede Woche gehen Zehntausende gegen die unerträgliche Armut auf die Straße, sie fordern den Rücktritt der Regierung und politische Veränderungen. Katja Maurer vom Bündnis-Mitglied medico international, die regelmäßig zu Haiti publiziert und erst kürzlich vor Ort war, sagt: „Die Demonstrationen zeigen, dass es grundlegende politische Probleme wie Straflosigkeit und die Entrechtung der Bevölkerung gibt. Haiti auf ein humanitäres Problem zu reduzieren, bedeutet die Bevölkerung in ihrem Anliegen nach einem funktionierenden Rechtsstaat im Stich zu lassen.“

Das Erdbeben hat auf schmerzliche Weise die Grenzen von Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit verdeutlicht. In zahlreichen Projekten wie denen der Bündnis-Mitglieder wurden Menschen individuell unterstützt. Inzwischen aber sind Verbesserungen durch Hilfsprojekte aufgrund der anhaltenden politischen Krise verpufft. Einen Neuanfang mit nachhaltigen Veränderungen gab es nicht. „In so komplexen Kontexten wie in Haiti reichen Hilfsgelder und das Engagement von internationalen Organisationen und Hilfswerken nicht aus, um Wandel auf struktureller Ebene umzusetzen“, so Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. „Dafür braucht es zuallererst einen lokal verankerten Reformplan, der langfristig gedacht ist und von den Akteuren gemeinsam umgesetzt wird.“

Bündnis Entwicklung Hilft appelliert an Entwicklungsorganisationen, die Vereinten Nationen und Regierungen, dass sich eine Entwicklung wie in Haiti nach einer großen Katastrophe nicht wiederholen darf.