18. Januar 2018

WLT 2018 - Frühe Diagnose als wichtige Aufgabe

Navees H. unterzieht sich einer Leprabehandlung. Sein Traum ist es, eine eigene Familie zu gründen.
Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Leprapatienten in Pakistan führen wieder ein normales Leben

Satrah Teh Deska - ein kleines Dorf in Nordpakistan. Hier wohnt Navees H. Seit seinem Besuch im Krankenhaus von Rawalpindi weiß er, dass er an Lepra erkrankt ist. Dr. Chris Schmotzer hatte ihm vor wenigen Wochen die Diagnose mitgeteilt. Wie seiner Tante, seinen Cousins und seinen Cousinen auch. Damals. Vor Jahren. Denn die Verwandten des jungen Mannes hatten auch Lepra, insgesamt 13 Familienmitglieder. Heute ist seine Tante überzeugt, den Erreger vor 22 Jahren von einem Nachbarn übertragen bekommen zu haben. „Damit fing es an“, klagt sie. Heute sind ihre Töchter und Söhne geheilt, und auch sie, doch die Symptome der Erkrankung wird sie nie vergessen.

„Meine Tante drängte mich, ganz schnell das Krankenhaus von Rawalpindi aufzusuchen.“ Für den Viehhirten war das eine halbe Weltreise, denn die Klinik liegt mehrere Busstunden von seinem Dorf entfernt. Er hatte die Flecken am Körper schon viel länger bemerkt, aber nicht sonderlich beachtet. „Ich habe mir auf dem lokalen Markt Medizin gekauft“, sagt er, der weder lesen noch schreiben kann.

Navees H. erzählt außer der Familie niemanden von seiner Lepraerkrankung. Die Großfamilie steht hinter Navees H. Nur sie weiß von seiner Erkrankung. 
Foto: Sabine Ludwig / DAHW
Navees H. erzählt außer der Familie niemanden von seiner Lepraerkrankung. Die Großfamilie steht hinter Navees H. Nur sie weiß von seiner Erkrankung.
Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Im Krankenhaus stellte Dr. Chris Schmotzer schließlich die Lepraerkrankung fest. „Mindestens ein Jahr, falls sich keine Komplikationen ergeben, muss er Medikamente einnehmen“, sagt Krankenpfleger Mansour Homat, der ihn in regelmäßigen Abständen besucht. Navees H. hat Angst, dass andere Dorfbewohner von seiner Erkrankung erfahren. „Das würde zu seiner Stigmatisierung führen“, weiß Sozialarbeiter Mati Rehman. Homat verspricht ihm, die Besuche sehr diskret zu machen. „Wir sagen auf keinen Fall, dass wir vom Krankenhaus kommen. Er würde sonst Gefahr laufen, aus der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt zu werden.“ Was seine Behandlung angeht ist der Patient zuversichtlich. „Sobald ich die hinter mir habe, bin ich geheilt.“

Er lächelt, als er von seinen Zukunftsplänen erzählt. „Auf alle Fälle möchte ich Kinder haben und ihnen eine Ausbildung ermöglichen.“ Selbst musste er nach fünf Jahren die Schule abbrechen. „Mein Vater hatte kein Geld mehr. Der Schulbesuch ist nicht billig“, erklärt er. Er verschweigt, dass seine Familie sehr arm ist. Keiner von seinen Geschwistern hat die Schule zu Ende gebracht.

Navees H. erzählt außer der Familie niemanden von seiner Lepraerkrankung. Die Großfamilie steht hinter Navees H. Nur sie weiß von seiner Erkrankung. 
Foto: Sabine Ludwig / DAHW
Navees H. erzählt außer der Familie niemanden von seiner Lepraerkrankung. Die Großfamilie steht hinter Navees H. Nur sie weiß von seiner Erkrankung.
Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Diese Fälle gibt es häufig, weiß Dr. Chris Schmotzer, die medizinische Leiterin des Krankenhauses von Rawalpindi, das von der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe unterstützt wird. Umso wichtiger sei daher die Aufklärung der betroffenen Bevölkerungsschicht. Navees H. hatte trotz seiner Erkrankung Glück. Durch die frühe Diagnose wird nichts zurückbleiben. „Keine erkennbaren Behinderungen“, sagt Dr. Schmotzer. „Die rasche Behandlung hat er seiner Tante zu verdanken, die sich mit den Symptomen ja bestens auskennt“, betont Mati Rehman.

Der junge Mann weiß, dass er sich auf seine Familie verlassen kann und dass nichts über seinen Zustand an die Öffentlichkeit dringen wird. Und dass er, sobald die Behandlung abgeschlossen ist, wieder ein ganz normales Leben führen kann.

Pakistan ist eines der Länder in denen wir Projekte unterstützen.