Lepra und Behinderung

Ein Leben lang gezeichnet

Wie viele vernachlässigte Tropenkrankheiten ist auch Lepra mit Vorurteilen und Stigmatisierung behaftet. Obwohl seit vielen Jahren heilbar, werden von Lepra Betroffene immer noch ausgestoßen. Menschen scheuen sich, (ehemaligen) Lepra-Patient*innen die Hand zu geben oder nur in deren Nähe zu sein. Aus Angst vor Ausgrenzung zögern viele, bei Verdacht auf eine Lepra-Infektion medizinische Hilfe zu suchen. Wird sie jedoch zu spät diagnostiziert und behandelt, können sichtbare und irreversible Schäden an Händen und Füßen sowie schwere Sehstörungen die Folge sein. Diese Behinderungen befeuern das Stigma der Krankheit zusätzlich: Auch nach einer Heilung wird Betroffenen die Teilhabe am (Gemeinde-)Leben erschwert, sie haben kaum Chancen auf eine regelmäßige Beschäftigung und leben meist in Armut.

Laut der Vereinigung der Internationalen Lepra-Hilfswerke ILEP waren von den rund 200.000 Menschen, die im Jahr 2018 mit einer Lepra-Neuerkrankung registriert wurden, bereits über sechs Prozent von einer leprabedingten Behinderung betroffen.

Wie kommt es zu leprabedingten Behinderungen?

Unbehandelt schädigt und zerstört das Lepra-Bakterium Nerven, insbesondere in Gesicht, Armen und Beinen. Aufgrund der damit einhergehenden Gefühllosigkeit merken betroffene Menschen nicht, wenn die Haut verletzt wird. Werden sich bildende Entzündungen und Geschwüre nicht fachgerecht versorgt, können Gliedmaßen absterben und sogar Amputationen notwendig sein. Zudem funktioniert die Schweißproduktion nicht mehr und die Haut wird trocken und rissig. Das fördert das Risiko einer Infektion der Wunden zusätzlich.

Wegen nicht mehr funktionsfähiger Nerven können Lähmungen von Gliedmaßen eine weitere Folge der Lepra-Erkrankung sein. Finger, die nicht mehr bewegt werden können, verkümmern in unförmiger Stellung (zum Beispiel bei der sog. Krallenhand). Wenn ein Fuß nicht mehr gehoben werden kann, wird das Laufen zur Qual. Nicht zuletzt können zerstörte Sehnerven oder Augenlider, die sich nicht mehr schließen lassen, Betroffene erblinden lassen.

Wie hilft die DAHW?

Da eine möglichst frühe Diagnose und Behandlung zur Vermeidung von leprabedingten Behinderungen unerlässlich ist, ist die aktive Fallsuche, insbesondere auch in entlegenen Regionen der Einsatzländer, ein wichtiger Baustein in der Lepra-Arbeit der DAHW. Daneben spielen Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation seit jeher eine zentrale Rolle: die Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln (spezielles Schuhwerk und Gehilfen) sowie die plastische rekonstruktive Chirurgie. Um die Lebenssituation von Menschen mit (leprabedingten) Behinderungen nachhaltig zu verbessern, legt die DAHW allen Projekten das Konzept der sogenannten gemeindenahen inklusiven Entwicklung (Community Based Inclusive Development, CBID) zugrunde. So werden in den Gemeinden Sensibilisierungskampagnen durchgeführt, einkommensschaffende Aktivitäten für Menschen mit Behinderung generiert, Spar- und Kreditprogramme umgesetzt und die Gründung von Selbsthilfegruppen und Betroffenen-Organisationen gefördert. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung zu befähigen, ihre Rechte einzufordern und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Nach der Lepra beginnt das neue Leben

Eine Reportage über die ehemalige Lepra-Patientin Regine Claudia Araujo dos Santos aus Kolumbien.

Helfen Sie, leprabedingte Behinderungen zu vermeiden

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die aktive Fallsuche der DAHW, um von Lepra Betroffene frühzeitig zu behandeln.