Äthiopien

Eine Ausbildung für marginalisierte Gruppen

In Äthiopien, wo Nahrungsmittelknappheit, Krankheiten und Existenzängste den Alltag vieler Menschen beherrschen, sind es gerade die jungen Menschen, die in ihrem Leben kaum eine Perspektive sehen. Diejenigen, die zudem mit einer Behinderung leben, haben noch weniger Chancen auf eine wirtschaftlich unabhängige und selbstbestimmte Zukunft. Sie verfügen weder über die notwendigen Qualifikationen noch können sie sich die Ausbildungskosten leisten.

Auf dem Arbeitsmarkt werden sie oft als nicht beschäftigungsfähig eingestuft. Wagen sie den Schritt in die Selbständigkeit, fehlt es ihnen an der notwendigen Ausstattung. Um den am stärksten marginalisierten und ärmsten Jugendlichen mit und ohne Behinderung eine Zukunftsperspektive zu geben, setzt die DAHW in diesem Projekt auf das Empowerment der Betroffenen und arbeitet eng mit staatlichen Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen zusammen, um ihnen eine berufliche Ausbildung und Hilfe beim Berufsstart zu ermöglichen. So sollen sie trotz der extrem hohen Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen in Äthiopien befähigt werden, sich selbstständig ein Einkommen erwirtschaften zu können.

Konkret erhalten die Begünstigten Unterstützung bei der Ausbildung in staatlichen und privaten Einrichtungen und erwerben Fertigkeiten ihrer Wahl: vom Schneider- bis zum Friseurhandwerk. Dazu wird das inklusive Ausbildungszentrum in Gondar mit Werkzeugen, Maschinen und Rohstoff en ausgestattet. Zur Verbesserung der Ausbildungsqualität werden Lehrkräfte und Mitarbeiter*innen von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen im Themenfeld Inklusion geschult.

Für junge Unternehmensgründer*innen gibt es finanzielle Starthilfen. Die Kooperation mit lokalen Institutionen und die Unterstützung der Regierung tragen dazu bei, dass die erzielten Erfolge nachhaltig gesichert und fortgeführt werden – damit benachteiligte Menschen vorurteils- und barrierefrei lernen, arbeiten und ihr Einkommen sichern können.

Aktuelles aus der DAHW-Projektarbeit in Äthiopien

Tätigkeit der DAHW seit 1957

Bisidimo war das erste Hilfsprojekt der DAHW, hier wurde ab 1957 ein Lepra-Hospital für die Menschen im zentralen Osten Äthiopiens nahe der Stadt Harer gebaut. Das neue Hospital am Bisidimo River war von Beginn an Dreh- und Angelpunkt der Lepra-Arbeit, aus dem ganzen Land strömten an Lepra erkrankte Menschen dort hin.

Viele haben sich nach ihrer Behandlung dort angesiedelt, weil sie aus ihren Dörfern verstoßen wurden. Der dadurch entstandene Ort Bisidimo hat heute mehr als 10.000 Einwohner. Inzwischen ist Bisidimo ein allgemeines Krankenhaus, das die gesamte Region medizinisch versorgt und weiterhin Referenzhospital für Lepra.

Seit 1996 arbeitet die DAHW auch verstärkt für an Tuberkulose erkrankte Menschen.

Aktuelles

Die DAHW und ihre Partner unterstützen rund 50.000 Menschen mit Spätfolgen der Lepra. Darüber hinaus haben sich fast 20.000 Menschen mit Behinderung in Selbsthilfegruppen organisiert und erhalten ebenfalls Unterstützung. Ein wichtiger Partner ist das Nationale Kontrollprogramm für Lepra und TB. Mit diesem unterstützt die DAHW die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal in den Gesundheitsposten. Ziel ist besonders eine verbesserte Früherkennung von Lepra und TB, da bei einer späten Diagnose die Betroffenen selbst mit schweren Schädigungen rechnen müssen und viele weitere Menschen anstecken, meist im familiären Umfeld. Gemeinsam mit weiteren ILEP-Partnern unterstützt die DAHW das All Africa Leprosy Tuberculosis and Rehabilitation Training Centre (ALERT) in Addis Abeba. Dort werden Mitarbeiter aus vielen Ländern für die Lepra- und TB-Arbeit ausgebildet. Ato Ahmed Mohammed, Leiter des DAHW-Büros in Addis Abeba, ist zugleich Regionalrepräsentant der DAHW für Ostafrika und Arabien.

GesamtInvestitionen

Abgerechnet 2019: 40.530,00 Euro

Fallzahlen

Jahr TB Lepra
2018 113.613 3.218
2019 n/a 3.201

Quelle: WHO TB & Lepra