Antibiotika-Resistenzen bei Tuberkulose

Werden Antibiotika nicht regelmäßig eingenommen oder wird eine Antibiotika-Therapie abgebrochen, bevor alle Bakterien getötet sind, führt das dazu, dass die überlebenden Bakterien Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln. Die Medikamente werden somit wirkungslos. Etwa 500.000 Menschen erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation WHO 2018  an einer multiresistenten Tuberkulose.

Von einer Resistenz betroffene TB-Patient*innen müssen in der Folge spezielle, oft weniger wirksame Medikamente mit meist schwerwiegenden Nebenwirkungen einnehmen. Auch die Therapiezeit verlängert sich von sechs Monaten auf bis zu zwei Jahre. Diese Medikamente sind zudem häufig deutlich teurer. Wird auch diese Therapie nicht bis zum Ende durchgehalten, entwickeln die Erreger weitere Resistenzen, wodurch die Auswahl effektiver Ausweichmedikamente („Second Line“) und damit die Chance auf einen Behandlungserfolg erheblich gemindert werden.

Es gibt diese Formen resistenter TB:

Einfache Resistenz

Ist der Bakterienstamm gegen eines der vier Antibiotika der Standard-Therapie resistent, muss man dieses austauschen und die Therapie verlängern.

Multiresistente Tuberkulose (MDR-TB)

Hier haben die TB-Erreger Resistenzen gegen Rifampicin und Isoniazid entwickelt, die beiden wichtigsten Medikamente der Standard-Therapie. Oft sind die Bakterien gegen weitere Medikamente resistent. Nach einer sehr aufwendigen Testung der Wirksamkeit einzelner Medikamente, müssen mindestens vier noch wirksame Medikamente zur Therapie kombiniert werden.

Extensiv resistente Tuberkulose (XDR-TB)

Bakterienstämme der XDR-TB haben zusätzlich zu den Resistenzen der MDR-TB auch Resistenzen gegen die Medikamentengruppe der sog. Fluorchinolone. Dadurch wird die Auswahl der Ersatzmedikamente extrem  weiter eingeschränkt.

Ausweichmedikamente: teuer und meist schlecht verträglich

Viele der Ausweichmedikamente sind durch ihren vorhandenen Patentschutz teuer und in Entwicklungsländern für die meisten Menschen unerschwinglich. Nebenwirkungen treten oft und heftig auf, beispielsweise schwere Schädigungen des Nervensystems oder Hörschäden bis zur Taubheit.

Auch die Diagnose einer resistenten TB ist sehr aufwendig und teuer. In Entwicklungsländern gibt es nur wenige Labore, die eine Isoniazid-Resistenz der MDR-TB und die XDR-TB eindeutig identifizieren können. So sterben viele Patient*innen während der bis zu zwei Jahre dauernden MDR-Behandlung, weil die Bakterien zusätzliche Resistenzen im Sinne einer XDR-TB hatten.

Darüber hinaus können auch gegen Ausweichmedikamente Resistenzen vorliegen. Die betroffenen Patient*innen können lediglich darauf hoffen, dass die neu in der Forschung befindlichen Medikamente bald fertig entwickelt und getestet sind (siehe hierzu Faktenblatt „Forschung“). Allerdings werden die oft nur schwach ausgebildeten Gesundheitssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern diese teuren, aber lebensrettenden Medikamente nicht bereitstellen können. So kann Tuberkulose aus Gründen der Armut Betroffene das Leben kosten.