Tuberkulose-Forschung

Tuberkulose (TB) war lange eine vernachlässigte Krankheit, das heißt, es wurde zu wenig Ressourcen in Forschung investiert. Erst vor wenigen Jahren schlug die Weltgesundheitsorganisation WHO Alarm: Wenn nicht sofort mehr für TB getan wird, ist die Krankheit nicht mehr behandelbar – denn der Erreger wird immer unempfindlicher gegen die wenigen verfügbaren Antibiotika. Allein 2018 erkrankten laut „Global Tuberculosis Report“ der WHO etwa 500.000 Menschen an multiresistenter Tuberkulose. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich um ein Vielfaches höher, da vielerorts noch nicht die Möglichkeit besteht, resistente TB zu diagnostizieren (siehe Faktenblatt „Resistenzen“).

Das neue Bewusstsein hat bereits einiges in Bewegung gebracht: So wird vermehrt in die Entwicklung zuverlässiger Schnelltests investiert wie zum Beispiel in den „GeneXpert“ (siehe Faktenblatt „Diagnose“). Diesen empfiehlt die WHO seit 2010 für die Diagnose von TB. Er zeigt innerhalb von Stunden, ob ein Mensch mit TB infiziert ist, und zeigt zugleich an, ob der Erreger gegen das wichtigste Antibiotikum Rifampicin resistent ist. In den Projekten der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. wird dieses Diagnoseverfahren häufig eingesetzt.

Neue Medikamente – doch nicht für alle

Auch in der Behandlung von TB-Patient*innen gibt es Fortschritte: Seit 2014 sind zwei neue Medikamente zur Behandlung der Tuberkulose zugelassen, Bedaquiline und Delaminid. Ein weiteres Medikament, Pretomanid, wurde von der gemeinnützigen Organisation „TB Alliance“ entwickelt und 2019 für die Behandlung der extrem resistenten Tuberkulose zugelassen. Das aus der Lepra-Bekämpfung bekannte Medikament Clofazimin wirkt ebenso bei TB – die Erreger der Lepra und der TB gehören zum gleichen Bakterienstamm. Aktuell laufen Studien in verschiedenen Ländern, um zu erforschen, in welcher Kombination die neuen Medikamente in einer möglichst kurzen Behandlungsdauer angewendet werden können.

All das macht Hoffnung. Doch global betrachtet, haben nicht alle Menschen Zugang zu den neuen Medikamenten. Einige dieser Medikamente sind sehr teuer. Solange sich Gesundheitssysteme und Patient*innen in den armen Regionen der Welt diese Medikamente nicht leisten können, bleibt Tuberkulose eine Krankheit der Armut und eines der größten Gesundheitsprobleme der Welt.

Druck aus der Zivilgesellschaft wächst

Die WHO hat das Ziel formuliert, die globale TB-Epidemie bis 2035 zu beenden. Wie das gelingen kann, wurde 2018 im Rahmen des ersten UN-Sondergipfels zu Tuberkulose in New York diskutiert. Zu diesem Anlass legte die DAHW gemeinsam mit den Nichtregierungsorganisationen Ärzte ohne Grenzen, Aktionsbündnis gegen AIDS, BUKO Pharma-Kampagne, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung und Missionsärztliches Institut Würzburg der deutschen Bundesregierung ein Positionspapier vor. Darin forderte das Bündnis unter anderem, dass die Forschung für die Entwicklung wirksamer und gut verträglicher Impfstoffe, Diagnostika und Behandlungen umgehend intensiviert wird.