Chagas

Chagas

Die Chagas-Krankheit, benannt nach ihrem brasilianischen Entdecker Carlos Chagas, ist eine in Süd- und Mittelamerika verbreitete, potenziell tödliche Infektionskrankheit.

Was ist Chagas? Wie steckt man sich an und wie wird die Krankheit behandelt?

Wie bekommt man Chagas?

Chagas wird durch einzellige Parasiten hervorgerufen, die Herzmuskel und Hohlorgane befallen. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Raubwanzen, die in den Ritzen und Dächern einfacher Häuser leben. Die Krankheit kann außerdem von Mutter auf Kind und über Blut- und Organspende übertragen werden.

Wie ist der Verlauf der Krankheit? Wie sieht die Behandlung aus?

Der Parasit nistet sich in wichtigen Organen ein und kann Jahrzehnte nach der Infektion zu irreversiblen Schäden des Herzens und des Verdauungstraktes führen. Chronisch infizierte Schwangere können die Parasiten an ihre ungeborenen Kinder weitergeben.

Gibt es die Möglichkeit der vorbeugenden (präventiven) Behandlung?

Je früher die Behandlung der Chagas-Krankheit nach der Infektion beginnt, desto besser sind die Heilungschancen. Zudem verhindert eine Früherkennung bleibende Schäden. Um den Kreislauf der Krankheit zu durchbrechen, gilt es, die Methoden der Früherkennung von Chagas zu verbessern. Dafür müssen die Menschen einfacher und schneller an Orte gelangen, wo sie auf Chagas untersucht und behandelt werden können. Natürlich ist die Früherkennung nur eine der Maßnahmen gegen die Verbreitung der Krankheit, aber sie ist der erste Schritt, dieser Krankheit der Armut entgegenzutreten.

Die Arbeit der DAHW im Kampf gegen Chagas

Seit 1966 unterstützt die DAHW das Krankenhaus Monteagudo, das ursprünglich zur Bekämpfung der Lepra in Bolivien gegründet wurde. Durch die sehr gute, kontinuierliche Arbeit konnte die Anzahl der neu diagnostizierten Lepra-Patient*innen auf durchschnittlich sieben pro Jahr reduziert werden und das Personal stellt sich nun einer neuen Herausforderung, der Bekämpfung der Chagas-Krankheit im bolivianischen Chaco, der weltweit am stärksten betroffenen Region. Über die Hälfte der erwachsenen Bewohner*innen Monteagudos sind infiziert und in manchen entlegenen Gemeinden sind es bis zu 80 Prozent.

Aktuell werden jährlich hunderte von Schwangeren kostenlos auf Chagas untersucht. Ihnen und den Neugeborenen wird bei Bedarf eine heilende Therapie angeboten. Auch Erwachsene im frühen Stadium der Erkrankung werden therapiert. Wegen der hohen Nebenwirkungsraten der Medikamente  und der Angst der Patient*innen vor dem plötzlichen Herztod ist eine kontinuierliche und menschliche Begleitung sehr wichtig. Durch gezielte Aufklärungsprogramme sollen noch viel mehr Patient*innen im Frühstadium  gefunden werden – denn wird die Krankheit frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen hoch. Außerdem sollen die Patient*innen befähigt werden, gezielt gegen strukturelle Diskriminierung wie Verweigerung von Arbeitsplätzen vorzugehen.

Hierbei kann das Personal auf seine Erfahrungen und seinen überregionalen Ruf im Umgang mit stigmatisierenden Erkrankungen zurückgreifen. Neben der heilenden Therapie im Frühstadium soll in Zukunft auch Menschen mit einer fortgeschrittenen Krankheit geholfen werden. Ziel ist es, gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern, eine kardiologische Abteilung aufzubauen  – die einzige im Umkreis von acht Autostunden und die einzige Kardiologie, die auch Menschen ohne Geld und Krankenversicherung eine lebensrettende Behandlung zukommen lassen wird.

Partner des Chagas Programmes in Bolivien:

  • Brüderkrankenhaus Trier: Insbesondere Aufbau kardiologischer Leistungen, Ausbildung bolivianischer Ärzte in Bolivien und Deutschland
  • Lokale NGO Nor Sud: Vektorkontrolle, Haussanierung, Aufklärung, Zusammenarbeit mit Schulen, Ausbildung und Austattung rurale Basisgesundheitseinrichtungen zur Diagnose  und Therapie. Hierbei v.a. Vektorkontrolle und Diagnose in Zusammenarbeit mit dem Chagasnationalprogramm.
  • Chagascoalition, Plataforma Chagas en Bolivia: Koordination von Forschungsprojekten und der Therapie (die Plataforma ist ein Netzwerk aus 7 Referenzzentren in Bolivien. Monteagudo soll als 8. aufgenommen werden). Die Zentren der Plataforma nehmen an verschiedenen multizentrischen Langzeitstudien Teil--- in Zukunft könnten wir also Daten zur Therapieverbesserung, kardiologischen Versorgung etc. erheben.
  • Universidad San Francisco Sucre: Begleitung durch kardiologisches Referenzzentrum, in Zukunft entsenden von Ärzten und Studenten (anho rural), Beteiligung an Forschung. Außerdem ist die Universität Hauptshareholder einer großen lokalen Cementera und könnte ihre Beteiligung an sozialen Projekten erwirken (scheinbar ist die Teilnahme an sozialen Projekten eh Pflicht).
  • Auch zu erwähnen: Verknüpfung mit Social Media Plattform Engage Brazil (Ausweitung auf Chagas und Lateinamerika geplant) und dem regionalen CBR Projekt der DAHW (z.B. Empowerment gegen Arbeitsdiskriminierung, evtl. Einkommensschaffende Massnahmen für Menschen ohne Krankenversicherung etc.)
  • Deutsches Chagasprojekt (ELCID): Begleitung des Gessamtprojektes, insbesondere Aufbau Forschungskapazitäten in Kooperation mit Chagascoalition, Anbahnen einer Hochschulkooperation mit Universidad Sucre. Hierbei hervorzuheben:
    • LMU (Dr. Michael Pritsch): Hauptantragsteller Hochschulkooperation, Teilname an Forschung im Oktober, Assesement zur Planung der Einrichtung einer PCR entweder in Monteagudo selbst, oder der Überweisungsstrukturen in Kooperation mit Plataforma Chagas (Entscheidung abhängig vom Assessement im Oktober)
    • Charité (Dr. Thomas Zoller): Leiter Deutsches Chagasprojekt. Einrichten und Anpassen einer Datenbank und einer mobilen Handyapp zum Aufbauen eines Patientenmanagementnetworks zwischen Monteagudo, Plataforma Chagas und den ländlichen Basisgesundheitseinrichtungen.
    • Verschiedene Mitglieder des deutschen Chagasprojektes könnten sich auch vorstellen bei der kardiologischen Schulung zu Unterstützen (backup für Trier)

Bist du ein Chagas-Checker?