Chagas

Chagas

Die Chagas-Krankheit, benannt nach ihrem brasilianischen Entdecker Carlos Chagas, ist eine in Süd- und Mittelamerika verbreitete, potenziell tödliche Infektionskrankheit.

Wie bekommt man Chagas?

Chagas wird durch einzellige Parasiten Trypanosoma cruzi hervorgerufen, die Herzmuskel und Hohlorgane befallen. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Raubwanzen, die in den Ritzen und Dächern einfacher Häuser leben. Die Krankheit kann außerdem von chronisch infizierten Schwangeren auf das ungeborene Kind weitergegeben werden. Auch und über Blut- und Organspende kann der Parasit übertragen werden.

Wie ist der Verlauf der Krankheit?

Das erste Symptom ist oft eine Schwellung der Bissstelle, später können Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und geschwollene Lymphknoten dazukommen.  Bei Neugeborenen und Kleinkindern kann sich eine Herzmuskel- oder Gehirnhautentzündung entwickeln, die oft tödlich endet. Nach etwa 4 Wochen verschwinden die Symptome zwar, bei einigen Patienten bleibt die Infektion aber bestehen. Über viele Jahre werden meist die Herzmuskelzellen geschädigt und es kommt zu schwerwiegenden Herzerkrankungen, aber  auch andere Organe wie die Speiseröhre oder der Darm können erkranken.

Der Parasit nistet sich in wichtigen Organen ein und kann Jahrzehnte nach der Infektion zu irreversiblen Schäden des Herzens und des Verdauungstraktes führen.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die Chagas-Krankheit verläuft in zwei Phasen: Viele Betroffene merken nichts von der ersten, akuten Phase direkt nach der Infektion. Diese kann mit einer leichten Schwellung der Bisswunde und grippeartigen Symptomen einhergehen. Manchmal schwillt auch ein Augenlid an. In dieser Phase kann die Krankheit mit Aussicht auf Heilung medikamentös behandelt werden. Allerdings  haben die beiden Medikamente viele Nebenwirkungen und dürfen nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden.

Nur bei einem Drittel der Infizierten kommt Chagas in der zweiten, der chronischen Phase zum Ausbruch, oft Jahre oder Jahrzehnte nach der Übertragung. Betroffene leiden entweder an einer chronischen Herzerkrankung, die zu Herzrhythmusstörungen und chronischem Herzversagen führt. Oder sie leiden an chronischen Verdauungsstörungen, da der Parasit das Nervensystem des Darms angreift und sich Darm und Speiseröhre dadurch ausweiten können. In dieser Phase steht nur die  Behandlung der Komplikationen im Fokus.

Gibt es die Möglichkeit der vorbeugenden (präventiven) Behandlung?

Je früher die Behandlung der Chagas-Krankheit nach der Infektion beginnt, desto besser sind die Heilungschancen. Zudem verhindert eine Früherkennung bleibende Schäden. Um den Kreislauf der Krankheit zu durchbrechen, gilt es, die Methoden der Früherkennung von Chagas zu verbessern. Dafür müssen die Menschen einfacher und schneller an Orte gelangen, wo sie auf Chagas untersucht und behandelt werden können. Natürlich ist die Früherkennung nur eine der Maßnahmen gegen die Verbreitung der Krankheit.

Der Parasit wird durch die Raubwanze, ein etwa 3-4 cm großes Insekt,  auf den Menschen übertragen. Die meist nachtaktiven Tiere leben in den Ritzen und Fugen von ärmlichen Lehmhütten. In der Nacht  kommen sie hervor, saugen von schlafenden Menschen Blut und setzen dabei  einen Kottropfen mit den Parasiten ab. Eine Prävention ist also die Wände zu verfugen oder regelmäßig eine Insektenvernichtung in den Häusern durchzuführen.  Auch die Trennung der Schlafstätte von Mensch und Vieh ist ist eine Vorsichtsmaßnahme. Aber das alles kostet Geld.   

Dies sind nur erste Schritte, dieser Krankheit der Armut und dem damit einhergehenden Stigma entgegenzutreten

Die Arbeit der DAHW im Kampf gegen Chagas

Seit 1966 unterstützt die DAHW das Krankenhaus Monteagudo, das ursprünglich zur Bekämpfung der Lepra in Bolivien gegründet wurde. Durch die sehr gute, kontinuierliche Arbeit konnte die Anzahl der neu diagnostizierten Lepra-Patient*innen auf durchschnittlich sieben pro Jahr reduziert werden und das Personal stellt sich nun einer neuen Herausforderung, der Bekämpfung der Chagas-Krankheit im bolivianischen Chaco, der weltweit am stärksten betroffenen Region. Über die Hälfte der erwachsenen Bewohner*innen Monteagudos sind infiziert und in manchen entlegenen Gemeinden sind es bis zu 80 Prozent.

Aktuell werden jährlich hunderte von Schwangeren kostenlos auf Chagas untersucht. Ihnen und den Neugeborenen wird bei Bedarf eine heilende Therapie angeboten. Auch Erwachsene im frühen Stadium der Erkrankung werden therapiert. Wegen der hohen Nebenwirkungsraten der Medikamente  und der Angst der Patient*innen vor dem plötzlichen Herztod ist eine kontinuierliche und menschliche Begleitung sehr wichtig. Durch gezielte Aufklärungsprogramme sollen noch viel mehr Patient*innen im Frühstadium  gefunden werden – denn wird die Krankheit frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen hoch. Außerdem sollen die Patient*innen befähigt werden, gezielt gegen strukturelle Diskriminierung wie Verweigerung von Arbeitsplätzen vorzugehen.

Hierbei kann das Personal auf seine Erfahrungen und seinen überregionalen Ruf im Umgang mit stigmatisierenden Erkrankungen zurückgreifen. Neben der heilenden Therapie im Frühstadium soll in Zukunft auch Menschen mit einer fortgeschrittenen Krankheit geholfen werden. Ziel ist es, gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern, eine kardiologische Abteilung aufzubauen  – die einzige im Umkreis von acht Autostunden und die einzige Kardiologie, die auch Menschen ohne Geld und Krankenversicherung eine lebensrettende Behandlung zukommen lassen wird.

Bist du ein Chagas-Checker?

 

Partner des Chagas Programmes in Bolivien:

  • Brüderkrankenhaus Trier: Insbesondere Aufbau kardiologischer Leistungen, Ausbildung bolivianischer Ärzte in Bolivien und Deutschland
  • Lokale NGO Nor Sud: Vektorkontrolle, Haussanierung, Aufklärung, Zusammenarbeit mit Schulen, Ausbildung und Austattung rurale Basisgesundheitseinrichtungen zur Diagnose  und Therapie. Hierbei v.a. Vektorkontrolle und Diagnose in Zusammenarbeit mit dem Chagasnationalprogramm.
  • Chagascoalition, Plataforma Chagas en Bolivia: Koordination von Forschungsprojekten und Therapie (die Plataforma ist ein Netzwerk aus 7 Referenzzentren in Bolivien. Monteagudo soll als 8. aufgenommen werden). Die Zentren der Plataforma nehmen an verschiedenen multizentrischen Langzeitstudien Teil
  • Universidad San Francisco Sucre: Begleitung durch kardiologisches Referenzzentrum, durch das entsenden von Ärzten und Studenten (anho rural), Beteiligung an Forschung.
  • Auch zu erwähnen: Verknüpfung mit Social Media Plattform Engage Brazil (Ausweitung auf Chagas und Lateinamerika geplant) und dem regionalen CBR Projekt der DAHW (z.B. Empowerment gegen Arbeitsdiskriminierung, evtl. Einkommensschaffende Massnahmen für Menschen ohne Krankenversicherung etc.)
  • Deutsches Chagasprojekt (ELCID): Begleitung des Gessamtprojektes, insbesondere Aufbau Forschungskapazitäten in Kooperation mit Chagascoalition, Anbahnen einer Hochschulkooperation mit Universidad Sucre. Hierbei hervorzuheben:
    • LMU:  Hochschulkooperation, Teilname an Forschung im Oktober, Assesement zur Planung der Einrichtung einer PCR entweder in Monteagudo selbst, oder der Überweisungsstrukturen in Kooperation mit Plataforma Chagas.
    • Charité: Dr. Thomas Zollner, als Leiter Deutsches Chagasprojekt. Einrichten und Anpassen einer Datenbank und einer mobilen Handyapp zum Aufbauen eines Patientenmanagementnetworks zwischen Monteagudo, Plataforma Chagas und den ländlichen Basisgesundheitseinrichtungen.
    • Weitere Mitglieder des deutschen Chagasprojektes um kardiologische Schulung zu Unterstützen
Texte und Reportagen zu Chagas